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Turbado – statt Kauf nur dreister Mietvertrag

Turbado - statt Kauf nur dreister Mietvertrag

Auf der Plattform Turbado können Kunden Handys und Tablets bestellen. Bei dem Angebot handelt es sich jedoch nicht um Handys im Verkauf, sondern um Geräte zur Miete. Das jedoch erkennt der Kunde nur beim aufmerksamen Lesen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Bis zum Kaufabschluss ist dies im Warenkorb nicht ersichtlich. Die Verbraucherzentralen haben das Unternehmen nun abgemahnt und prüfen darüber hinaus eine Klage.

Turbado zockt dreist ab

Die Plattform bietet derzeit aktuelle Smartphones und Tablets an. Die Preise liegen größtenteils auf Marktniveau. Möchte der Kunde ein Handy kaufen, legt er es normal in den Warenkorb und schließt den vermuteten Kauf mit „kostenpflichtig bestellen“ ab. Soweit alles in Ordnung. Was jedoch nicht ersichtlich ist: Es handelt sich nicht um einen Kauf, sondern um eine dreiste Verbrauchertäuschung. Denn das wesentliche Merkmal einer Gerätemiete ist lediglich durch einen intensiven Blick in die AGB zu erkennen. Dr. Kirsti Dautzenberg von der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt deutlich:

„Das führt neben einer Täuschung über den eigentlichen Vertragsinhalt zu Folgeproblemen. Zum Beispiel dürfen Kunden das Smartphone bzw. Tablet nicht selbst reparieren und müssen es nach Ablauf der Miete unversehrt zurückgeben.“

Selbst bei einer klaren Kennzeichnung der Miete ist das Angebot nicht attraktiv. Denn die Preise liegen nicht spürbar unter dem Marktniveau. Kunden können also bei anderen Anbietern ein entsprechendes Gerät zu einem ähnlichen Preis kaufen und sind so nicht an restriktive Mietverträge geknebelt.

Turbado: rechtliche Verwirrungen

Es gibt zudem weitere intransparente Regelungen. So kann der Kunde zwar sein Mietgerät zurückgeben, erhält aber dafür nur einen Abschlag in Abhängigkeit zur bisherigen Mietdauer zurück. Die Berechnung ist zwar auf der Webseite erklärt, wird aber beim Bestellvorgang ebenfalls nicht aufgeführt.

Hinzu kommt, dass es keine klare Anbieterkennung gibt. So operiert der Shop von Turbado in Deutschland von Berlin aus. Kontakt ist eine GmbH. Die Webseite und damit der Shop werden jedoch von einer britischen Limited betrieben. Das heißt, der Vertragspartner ist mit einer Minimaleinlage abgesicherte Firma im Ausland. Trotzdem wickelt die deutsche GmbH sowohl den Bestellvorgang als auch den möglichen Widerruf ab. Die britische Webseite leitet außerdem auf die deutsche Adresse um. Bei Amazon steht die deutsche GmbH sogar als eigentlicher Anbieter in einem der Profile.

Irritierend ist zudem, dass Kunden offenbar keine Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer erhalten. Das gilt ebenfalls für Gewerbekunden. Das wäre jedoch zwingend, wenn Turbado seinen unternehmerischen Schwerpunkt in Deutschland hat, was angesichts der Präsentation nahe liegt. Daraus erwächst ein Verdacht: Möglicherweise versucht das Unternehmen über Steuertrickserei mit einer Limited nur, die deutsche Haftung und die Mehrwertsteuer zu umgehen?

Wer ein günstiges Smartphone oder Tablet sucht, sollte genau prüfen, wer Vertragspartner ist. Eine britische Limited birgt deutliche Risiken in der Haftung und bei rechtlichen Problemen. Auch auf deutschen Webseiten mit deutschem Kontakt ist nicht zwingend ein deutscher Anbieter zu finden. Kunden sollten daher vor Vertragsabschluss immer einen Blick in das Impressum sowie in die Nutzungsbedingungen bzw. den Kaufvertrag werfen. Bei Unstimmigkeiten ist es ratsam, einen anderen Anbieter zu suchen. Das zeigen im konkreten Fall auch Nutzererfahrungen mit Turbado. Wer in die „Mietfalle“ getappt ist, kann sich bei einer Verbraucherzentralen beraten lassen.

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