Zu wenig Kunden – Deutscher Traditionshersteller Gigaset in Insolvenz

Zu wenig Kunden – deutscher Traditionshersteller Gigaset in Insolvenz

Das Bocholter Unternehmen Gigaset, das sich 2008 vom Mutterkonzern Siemens abspaltete, ist pleite. Trotz der Zahlungsunfähigkeit soll es dennoch eine Zukunft für den deutschen Telefonhersteller geben. Magnus Ekerot, neuer Vorstandschef, will die Gigaset AG neu strukturieren.

Weshalb ist Gigaset in die missliche Lage geraten?

Das Unternehmen mit 175-jähriger Firmengeschichte und 850 Mitarbeitern ist europäischer Marktführer für DECT-Schnurlostelefone. Ein „unerwarteter und erheblicher Umsatzrückgang im zweiten Halbjahr“ ist Grund für die Zahlungsunfähigkeit der börsennotierten Gigaset-AG. Bereits seit Jahren sinkt der Markt für Festnetztelefone, viele besitzen gar keines mehr, sondern nutzen ausschließlich ein Smartphone. Gigaset ist allerdings immer noch stark von der Festnetztelefonie abhängig. Noch im vergangenen Jahr wurden mehr als 90 Prozent des Umsatzes (241,3 Millionen Euro) durch den Verkauf von Telefonanlagen und Telefonen erzielt. Obwohl der deutsche Hersteller mittlerweile auch in das Smartphone Business eingestiegen ist (Umsatz 2022: 18,8 Millionen Euro), gelang es hierdurch nicht den Rückgang seines Kerngeschäfts zu kompensieren. Dem Bocholter Traditionsunternehmen ist es nicht gelungen, die neuen Geschäftsfelder so aufzubauen, um sich gegen die Big Player wie Samsung oder Apple durchzusetzen. Verantwortlich für die prekäre Lage ist laut Magnus Ekerot, der seit Jahresbeginn neuer Vorstandschef ist, das alte Management.

„Gigaset ist es während der letzten Jahre nicht gelungen, den Rückgang im Kerngeschäft mit Schnurlostelefonen (…) zu kompensieren.“

Bereits vor rund zwei Wochen hatte die börsennotierte Gigaset AG ihre Prognose deutlich nach unten korrigiert. Anleger können die kollektiven Bewegungen der wichtigsten Unternehmen – insbesondere im Technologiesektor – anhand der Nasdaq 100 Zusammensetzung beobachten.

Wie geht es für das Unternehmen jetzt weiter?

Die „einseitige Geschäftsausrichtung“ habe dazu geführt, dass nun vor wenigen Tagen ein Insolvenzantrag für die Gigaset AG und die Tochter Gigaset Communications GmbH verkündet wurde. Letztere soll in Eigenregie saniert werden. Hierfür soll jeder einzelne Geschäftsbereich von Gigaset intensiv auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Ziel ist es, das Unternehmen auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen. Damit dies gelingt, wird der deutsche Hersteller den Fokus stärker auf aktuelle Marktsituation richten und sein Angebot dementsprechend anpassen. Auch heute hat das Enterprise-Umfeld von Telekommunikationslösungen noch eine wichtige Bedeutung. Doch künftig wird das Unternehmen seinen Endkunden hier integrierte Lösungen mit Mehrwert bieten müssen. Da Gigaset angekündigt hat, sowohl Entwicklung und Produktion als auch Vertrieb trotz der Insolvenz weiter fortzusetzen, gibt es momentan noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Endkunden. Allerdings könnte dies dann der Fall sein, wenn etwa die Versorgung mit speziellem Zubehör oder Ersatzgeräten nicht mehr sichergestellt werden kann.

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