Werbewahn – Facebook lotst dich in das örtliche Fachgeschäft

Werbewahn - Facebook lotst dich in das örtliche Fachgeschäft

Dass Facebook mit Daten nicht gerade defensiv umgeht, ist bekannt. Ebenso ist es nichts neues, dass Nutzer personalisierte Werbung zu sehen bekommen, die ihren vermuteten Interessen entspricht. Ein Milliardengeschäft, das die Facebook-Mitglieder mit jedem Like und jedem Klick kräftig befeuern. Neu ist aber, dass die Sozial-Media-Plattform die Nutzer jetzt in lokale Fachgeschäfte treibt. Möglich ist das durch eine geschickte Verknüpfung von Werbeanzeigen, Zielgruppendefinitionen und Geo-Targeting (Nutzen des vom Gerät gesendeten GPS-Standorts) mit der Kassenfunktion im Geschäft.

Facebook bietet Geschäften neue Funktionen

Das Zauberwort heißt Local-Awarness-Anzeigen. Dabei können Werbetreibende nicht nur ihre Zielgruppe wie bisher definieren – zum Beispiel aus der Region oder sich im Einzugsgebiet des Geschäfts bewegend -, sondern diese Zielgruppe bekommt die Werbung dann gezeigt, wenn Sie mit einem Smartphone oder Tablet tatsächlich im Umkreis sind. Über einen Abgleich zwischen Nutzer-Smartphone und Kassendaten ist es dann möglich, die Effizienz der Werbung zu kontrollieren. Laut ersten Berichten funktioniert die neue Methode ausgesprochen gut. Die eigentliche Neuheit liegt für Werbetreibende darin, dass sie einerseits ihre Werbung mit einer Wegbeschreibung verknüpfen können. Andererseits können sie anschließend ihren generierten Ladenumsatz einer Online-Anzeige zuordnen. Ein ähnliches Konzept verfolgt bereits Google. Der Konzern zeigt lokale Anzeigen auf Smartphones und verknüpft damit in einzelnen Segmenten ebenfalls eine Art „Kundenzähler“ für Ladeninhaber.

Nutzerdaten werden immer wichtiger

Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie wichtig und wertvoll Nutzerdaten sind. So wirbt Facebook damit, dass bei 45 Prozent aller Einkäufe die Kunden zuvor mobil recherchieren. Aber 90 Prozent des Umsatzes fließt in Ladengeschäfte, wird also nicht online erzeugt. Diese Diskrepanz überbrückt der neue Facebook-Service.

Auch wenn Nutzer das Geo-Targeting abschalten können und Facebook die Daten anonymisiert auswertet: Wieder einmal wird der Nutzer zur Cash-Cow. Durch das Zusammenführen von vielen Daten wie Likes, Anzeigenreaktionen, GPS-Daten und getätigte Käufer hat Facebook einen sehr detaillierten Fundus, um gezielte Anzeigen zu verkaufen. Diese Anzeigen müssen Werbetreibende sehr teuer bezahlen. Die Daten und Aktivitäten der Nutzer werden so zu einer wahren Gelddruckmaschine, ohne dass diese selbst etwas davon haben.

„Es tut ja nicht weh“, meinen viele Nutzer und schützen sich nicht einmal durch eine minimal restriktive Privatsphäre-Einstellung auf Facebook. Und genau dieses Denken eröffnet bereits jetzt immer mehr Ausbeutung von Daten. Bei Werbung sieht es wie ein Service aus, aber genau diese Daten sind auch anders nutzbar. Am Ende schadet es eben doch den Menschen. Spätestens dann, wenn zum Beispiel aus den gesammelten Daten – selbst aus falschen – das Verhalten und damit ein potenzielles Risiko für Versicherungen ableitbar ist, werden es Nutzer auch finanziell spüren. Daher sollten alle Facebook-Mitglieder ihre Privatsphäreeinstellungen überprüfen, die Anzeigenoptionen deaktivieren und ihre GPS-Funktion auf dem Smartphone ausstellen (Ausnahmen Routenplaner u. ä. Funktionen). Das bringt etwas Datenhoheit zurück.

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