Ankündigung – Generalschlüssel für Online-Angebote geplant

Generalschlüssel für Online-Angebote geplant

Das Internet soll deutscher und sicherer werden. Das ist die Auffassung eines neuen Projektes, hinter dem namhafte Unternehmen stehen. Dazu zählen Allianz, der Axel Springer Verlag, die Deutsche Bank und Daimler-Benz. Zusätzlich sind Spezialisten wie Here Technologies, das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) sowie die European School of Management and Technology (ESMT) eingebunden. Zudem stoße nach Auskunft der Unternehmen das Vorhaben bei der Bundesregierung auf offene Ohren. Das Ziel des Projektes: Eine offene Plattform, auf der sich Nutzer einen Generalschlüssel holen können, mit dem das Registrieren auf anderen Online-Plattformen deutlich komfortabler wird.

Registrierungs-, Identitäts- und Datenplattform: So soll es funktionieren

Im Mittelpunkt des Vorhabens steht ein Generalschlüssel. Dieser soll bei einem einmaligen Registrieren auf der zu schaffenden Plattform vergeben werden. Möchte sich der Nutzer dann auf einer anderen Webseite anmelden oder registrieren, muss er nicht aufwendig neue Zugangsdaten kreieren, sondern kann sich über die Plattformkennung einloggen. Die Webseite fragt in der Praxis vermutlich Nutzernamen und Passwort auf der Plattform ab und gibt dem Nutzer den Login frei. Geplant ist perspektivisch auch eine Einbindung des neuen Personalausweises mit dem Online-PIN und der Ausbau zum Zahlungssystem. Der Vorteil liegt in der Theorie auf der Hand: Nur noch eine Anmeldung, ein Passwort und deutlich schnellere Zugänge. Das geplante Angebot konkurriert damit mit Plattformen für schnellere Zugänge wie Google oder Facebook sowie andere meist amerikanischen seitenübergreifende Systeme wie OpenID. Punkten kann das neue System mit Einhalten von deutschen bzw. europäischen Datenschutzbestimmungen.

Es gibt jedoch auch Nachteile. So ist der Verlust oder Hack des online gespeicherten Generalschlüssels gleichbedeutend mit dem Verlust über die Datenkontrolle auf allen Webseiten. Außerdem müssen Webseitenbetreiber erst einmal Interesse an einer plattformübergreifenden Zugangslösung bekunden. Ohne eine relevante Anzahl an verknüpften Webseiten wird das Vorhaben zur Todgeburt.

Generalschlüssel-Plattform: Was will die Kooperation erreichen?

In der Ankündigung heißt es, das Vorhaben soll ein deutsches Gegengewicht zu Facebook, Google und Co. Doch was haben die Unternehmen davon? Diese stellen ein einheitliches Zahlungsabwicklungssystem, leichtere Datenkontrolle und später Einbindung von Behördenangeboten. Das klingt positiv, ist aber mit dem Wunsch verbunden, aus dem Angebot wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Ob der Generalschlüssel für Nutzer kostenlos bleibt, er nur gegen Gebühr erhältlich ist oder durch Werbeeinblendung refinanziert wird, bleibt abzuwarten. Die Alternative wäre, dass Seitenbetreiber und Behörden eine Lizenzgebühr zahlen müssen. Ob dies realistisch ist, dürfte äußerst fraglich sein. Kritiker sehen vor dem Hintergrund der beteiligten Unternehmen sogar den Wunsch, Nutzerdaten zu sammeln. Denn und auf Basis der sehr genauen Profile und der durch Nutzen des Schlüssels auf anderen Webseiten gezeigten Interessen lässt ich personalisierte Werbung platzieren, für deren Einblendung Unternehmen viel Geld bezahlen würden.

Es spricht nichts gegen ein sinnvolles und nutzerfreundliches System mit einem Generalschlüssel. Die wahren Absichten, die Finanzierung und die Möglichkeiten des Angebots müssen jedoch in der Praxis bewiesen werden. Bisher sind deutsche Sonderwege wie DE-Mail an diesem Punkt mehr oder weniger deutlich gescheitert.

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