Endlich schnelles Internet im Zug? – Kooperation soll Netz verbessern

Endlich schnelles Internet im Zug? – Kooperation soll Netz verbessern
Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

Wer in Deutschland mit dem Zug reist, muss immer noch abbrechende Verbindungen, langsames Surfen oder sogar Funklöcher hinnehmen. Vor allem auf Fernverbindungen benötigen die Passagiere gute Nerven. Erstmalig haben sich jetzt die vier deutschen Netzbetreiber zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Forschungs- und Entwicklungsprojekt durchzuführen, das künftig schnelles Internet in die Züge in Deutschland bringen soll.

Wie soll der Mobilfunk in Zügen verbessert werden?

Schnelle 5G-Netze entlang der Bahnstrecken zu realisieren, ist technisch immer noch äußerst anspruchsvoll. In Deutschland gibt es bislang eine einzige Gigabit-Teststrecke: die RIN Mecklenburg-Vorpommern. Auf dieser Strecke wurde im vergangenen Jahr ein erstes Projekt umgesetzt, indem mehrere neue Mobilfunkmasten entlang einer kaum genutzten privaten Bahnstrecke errichtet wurden. Anschließend wurde ein Test-ICE mit dem Namen „Advanced TrainLab“ eingesetzt, um auf der privaten Bahnstrecke reale Messfahrten durchzuführen. Um hohe Datenraten zu ermöglichen, wurden unter anderem 3,6-Gigahertz-Frequenzen genutzt. Zusätzlich testeten die Netzbetreiber auch höhere und niedrigere Frequenzen mit einer größeren Reichweite. Um den Empfang in Zügen darüber hinaus zu verbessern, wurden funkdurchlässige Scheiben, eine alternative Stromversorgung mit Brennstoffzellen und aktive und passive Antennen ausprobiert. Die Ergebnisse des gemeinsamen Projekts der Netzbetreiber haben gezeigt, dass es grundsätzlich möglich ist, Gigabit-Datenraten in fahrenden Zügen zu realisieren. Damit dies erreicht wird, müssen Planung, Netztechnik sowie Infrastruktur übereinstimmen. Nach diesem erfolgreichen Projekt folgt jetzt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Gigabit Innovation Track XT“, kurz „GINT XT“.

Was steckt hinter dem Projekt „GINT XT“?

Die vier deutschen Netzbetreiber O2 Telefónica, Vodafone, Deutsche Telekom und 1&1 arbeiten zusammen, um mit der Deutschen Bahn gemeinsam eine Lösung für den besseren Mobilfunk in Zügen zu finden. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS).

„Highspeed-Internet in der Bahn darf kein Zukunftstraum bleiben. Für einen modernen Staat muss es selbstverständlich sein, dass die Menschen auch im Zug ohne Einschränkungen das Internet zum Arbeiten, Streamen und Telefonieren nutzen können. […] Wenn alle an einem Strang ziehen, kommen wir auch vom Plan in die Umsetzung, betont Dr. Karsten Wildberger vom BMDS.“

Am Entwicklungsprojekt beteiligt ist auch der Netzwerkausrüster Ericsson, der Funkmastenbetreiber Vantage Towers, die Regio Infra Nord-Ost sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Anders als beim vorherigen Projekt wird das Netz von allen vier Netzbetreibern gemeinsam ausgebaut. Konkret bedeutet das, dass es nur eine einzige gemeinsame Infrastruktur gibt, alle einen gemeinsamen Zugang zu den Basisstationen, der Software und den Antennen haben. Das verhindert, dass vier verschiedene Antennen – jeweils eine von jedem Netzbetreiber – an den Masten entlang der Bahnstrecken installiert werden müssen. Ein weiterer Vorteil dieser engen Zusammenarbeit ist, dass die finanziellen Investments gemeinsam getragen werden. Durch diese kompakten Mobilfunkmasten direkt entlang der Gleise soll das Highspeed-Internet in deutschen Zügen endlich Realität werden.

„Die ersten Tests zeigen: Gigabit am Gleis ist machbar, wenn alle mitanpacken. Unser Ziel ist es, Reisenden stabile Datenraten und umfassende Netzkapazitäten für Streaming, Arbeiten und Kommunizieren im Zug zu bieten“, so O2-Chef Markus Haas.

Deutschland hinkt bei der Mobilfunkversorgung in Zügen hinterher

In China wurde bereits im Jahr 2019 erstmalig das 5G-Netz erfolgreich bei Hochgeschwindigkeitszügen umgesetzt. Reisende konnten beispielsweise in einer Magnetschwebebahn mit 430 km/h schon vor Jahren auf das gesamte 5G-Spektrum zugreifen. Hierzulande ist die Versorgung bis heute problematisch. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Neben dem bis jetzt unzureichenden Netzausbau entlang der Bahnstrecken spielt auch die Abschirmung des Zuges selbst eine Rolle. Denn sowohl das Metall, aus dem die Züge gebaut sind, als auch die eingebauten Fenster blockieren die Signale. Um letzteres Problem zu lösen, werden jetzt auch funkdurchlässigere Scheiben im Rahmen der Projekte erprobt. Zudem wird geprüft, wie sich der neue Bahnfunk FRMCS mit dem öffentlichen Mobilfunk kombinieren lässt. „Mit den Erkenntnissen aus dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt GIN XT wird bewertet, ob die FRMCS-Infrastruktur synergetisch auch für öffentlichen Mobilfunk genutzt werden könnte“, heißt es in einer Pressemeldung der Deutschen Bahn. Im Fokus des Projekts steht insbesondere die Bahnstrecke Hamburg-Berlin, die die meistbefahrene Zugverbindung in ganz Deutschland ist. Täglich sind 30 000 Reisende auf dieser Bahnstrecke unterwegs.

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