
Im Ernstfall können im Straßenverkehr Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Bundesweit ist jetzt eine neue Generation des automatischen Notrufs gestartet, die künftig schneller und präziser Hilfe ermöglichen soll. Hinter dem neuen NG eCall steht eine Zusammenarbeit von Vodafone, O2 Telefónica und der Deutschen Telekom.
Was ist der „Next Generation Emergency Call?“
Die moderne Mobilfunktechnik „Next Generation Emergency Call“, kurz NG eCall, soll dafür sorgen, dass Rettungskräfte schneller handeln und Notrufe zuverlässiger ankommen können. Mit dem Start der modernen Technologie haben die drei großen deutschen Mobilfunkanbieter eine neue Generation des eCalls eingeführt. Der entscheidende Unterschied zum bisherigen System ist, dass NG eCall das moderne 4G-Netz (LTE) und perspektivisch auch 5G nutzt. Bisher basierte das automatische Notrufsystem auf der veralteten 2G-Technologie. Das bisherige Netz ist rund 40 Jahre alt und stößt bei heutigen Anforderungen dadurch zunehmend an seine Grenzen. Durch die neue technische Basis können wichtige Daten wie Standort- und Fahrzeuginformationen wesentlich schneller an die Notrufzentrale übermittelt werden. Bei schweren Verkehrsunfällen wird zusätzlich automatisch eine Verbindung zur 112 aufgebaut. Das ist bei eCall auch der Fall, allerdings kann der Zeitgewinn durch NG eCall im Ernstfall entscheidend sein. Denn jede Minute zählt, wenn Rettungskräfte ausrücken müssen.
„NG eCall ist ein wichtiger Schritt für die Sicherheit im Straßenverkehr. Mit dieser Technologie nutzen wir die volle Leistung unserer modernen 4G- und 5G-Netze, um Notrufe schneller und zuverlässiger zu übermitteln als je zuvor“, betont Alexander Jenbar, Technik-Chef der Deutschen Telekom.
Welche Vorteile bringt NG eCall gegenüber dem bisherigen System?
Der größte Fortschritt liegt im schnelleren und stabileren Verbindungsaufbau zwischen dem Fahrzeug und der Leitstelle. Einschränkungen bei der Datenübertragung, die beim bisherigen eCall bestanden, entfallen weitgehend. Damit öffnet die neue Technologie auch eine Tür für weiterführende Anwendungen im Bereich der Notfallkommunikation. Perspektivisch könnten zusätzliche Informationen übermittelt werden, etwa medizinische Daten wie bekannte Vorerkrankungen. Das würde allerdings nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Fahrzeuginsassen geschehen. Weiterhin ist die Übertragung von Live-Bildern aus im Auto verbauten Kameras denkbar. Rettungskräfte könnten sich so bereits vor dem Eintreffen ein genaueres Bild vom Unfallgeschehen machen und ihren Einsatz gezielt vorbereiten.
„Die Einführung des neuen Fahrzeugnotrufs ist ein Sicherheitsgewinn für Verbraucherinnen und Verbraucher, die hierzulande auf den Straßen unterwegs sind. Ein Notruf von unterwegs muss schnell bei den Rettungskräften ankommen – ob auf der Autobahn oder auf der Landstraße“, sagt Technik- und Geschäftskundenvorstand von O2 Telefónica, Mallik Rao.
Was passiert mit dem bisherigen eCall-System?
Trotz der Einführung von NG eCall wird das bisherige eCall-System nicht abgeschaltet. Es bleibt weiterhin verfügbar und dient als Ausweichlösung. Wenn sowohl das Fahrzeug als auch die Leitstelle bereits die modernere Notruf-Technologie unterstützen, wird diese automatisch verwendet. Ist das allerdings nicht der Fall, wird der Notruf auch weiterhin über das 2G-Netz abgewickelt. In der Übergangsphase laufen demnach zunächst beide Systeme parallel. So wird sichergestellt, dass auch ältere Fahrzeuge weiterhin zuverlässig einen Notruf absetzen können. Neuere Modelle können hingegen bereits von den Vorteilen von NG eCall profitieren.
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