Die Geschichte der Prepaid-Karte – vom Guthaben zum Mobilfunk-Discount

Die Geschichte der Prepaid-Karte
Bildquelle: KI-generiert

Heute gehören Prepaid-Karten selbstverständlich zum Mobilfunkangebot. Doch in den 1990er-Jahren war das Telefonieren mit zuvor aufgeladenem Guthaben eine echte Neuerung. Statt monatlicher Rechnungen und langfristiger Verträge konnten Handys erstmals mit einem festen Gesprächsguthaben genutzt werden. Die Entwicklung begann mit einfachen Guthabenkarten und führte über teure Minutenpreise bis zum großen Preiskampf der Mobilfunk-Discounter.

Die Vorläufer der Prepaid-Karte reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück

Die Idee, eine Dienstleistung im Voraus zu bezahlen und anschließend ein Guthaben aufzubrauchen, ist wesentlich älter als das Mobiltelefon.

Bereits im Deutschen Reich gab es sogenannte Telephon-Billets beziehungsweise Fernsprechscheine. In Bayern wurden ab 1883 beispielsweise Billets ausgegeben, die zur Nutzung öffentlicher Telefonstellen für eine bestimmte Gesprächsdauer berechtigten. Sie gelten im weiteren Sinne als historische Vorläufer vorausbezahlter Telefonguthaben.

In den 1980er-Jahren entwickelte die Deutsche Bundespost dieses Grundprinzip technisch weiter. Ab 1983 wurden in Deutschland öffentliche Kartentelefone erprobt, unter anderem in Frankfurt am Main. Die Telefonkarte ersetzte dabei das Kleingeld, das bislang für Gespräche aus der Telefonzelle benötigt wurde.

1986 fiel die Entscheidung für ein Chipkartensystem, das anschließend bundesweit eingeführt wurde. Beim Telefonieren wurden die verbrauchten Einheiten direkt von der Karte abgebucht.

Auch außerhalb der Telekommunikation setzte sich das Prinzip durch. Guthabenkarten wurden unter anderem für Kopiergeräte, Getränkeautomaten und in Videotheken eingesetzt.

Der entscheidende Schritt fehlte allerdings noch: die Verbindung des Guthabenprinzips mit einer SIM-Karte für das Mobiltelefon.

1996: Siebels Guthabenkarte bringt das Prepaid-Prinzip aufs Handy

Als einer der frühen Wegbereiter des Prepaid-Mobilfunks in Deutschland gilt das Düsseldorfer Unternehmen Walter Siebel Elektronik. Der Mobilfunkhändler entwickelte 1996 ein Angebot unter der Bezeichnung „Siebels Guthabenkarte“. Die Grundidee war vergleichsweise einfach: Statt Telefonate nachträglich über eine Mobilfunkrechnung abzurechnen, wurde die SIM-Karte mit einem zuvor bezahlten Gesprächsguthaben verbunden. Bei jedem Telefonat verringerte sich dieses Guthaben entsprechend den angefallenen Gesprächskosten. War der verfügbare Betrag verbraucht, konnten keine weiteren kostenpflichtigen Gespräche geführt werden, bis erneut Guthaben bereitstand.

Das zunächst regional begrenzte Angebot unterschied sich in einigen Punkten von heutigen Prepaid-Tarifen. So war eine weitgehend anonyme Nutzung möglich. Außerdem war das Guthaben zeitlich befristet. Das neue Abrechnungsmodell machte deutlich, dass die Nutzung eines Mobiltelefons nicht zwangsläufig mit einem klassischen Laufzeitvertrag und einer monatlichen Rechnung verbunden sein musste.

1997: E-Plus, D2 und die Telekom entdecken die Guthabenkarte

Die großen Mobilfunkunternehmen erkannten Ende der 1990er-Jahre das Potenzial der vorausbezahlten Gesprächsminuten.

1997 brachte E-Plus sein Prepaid-Angebot Free & Easy auf den Markt. Der Tarif gehörte zu den ersten Guthabenangeboten eines deutschen Mobilfunknetzbetreibers.

Im Oktober desselben Jahres folgte Mannesmann Mobilfunk mit der D2-CallYa-Karte. Die Marke CallYa wurde später unter Vodafone weitergeführt.

Auch die Deutsche Telekom stieg mit Xtra in das Geschäft ein. Innerhalb kurzer Zeit gehörten Guthabenkarten damit zum Angebot der großen deutschen Mobilfunknetzbetreiber.

Die neue Tarifform sprach insbesondere Menschen an, die mobil erreichbar sein wollten, ohne sich langfristig an einen Anbieter zu binden. Auch für Jugendliche und Wenigtelefonierer eröffneten sich dadurch neue Möglichkeiten.

Allerdings waren die ersten Prepaid-Angebote keineswegs billig.

Hohe Minutenpreise und teure Starterpakete

Ende der 1990er-Jahre war das Telefonieren mit einer Prepaid-Karte häufig deutlich kostspieliger als heute. Für eine SIM-Karte wurden teilweise rund 150 D-Mark verlangt, wobei ein Teil des Kaufpreises bereits als Gesprächsguthaben enthalten war.

Hinzu kamen Minutenpreise, die aus heutiger Sicht ausgesprochen hoch erscheinen. Beim frühen Free-&-Easy-Tarif von E-Plus kostete eine Gesprächsminute zeitweise 1,39 DM. Gespräche zu anderen E-Plus-Anschlüssen waren mit 89 Pfennig günstiger. Auch D2 CallYa war kein Schnäppchen: Bei der Einführung im Oktober 1997 konnten in der Hauptzeit 1,99 DM pro Minute anfallen, während in der Nebenzeit 99 Pfennig berechnet wurden.

Die Kosten hingen häufig davon ab, wann und in welches Netz telefoniert wurde. Gespräche innerhalb des eigenen Mobilfunknetzes waren vielfach günstiger als Anrufe zu anderen Netzbetreibern.

Die zunächst hohen Preise änderten jedoch nichts daran, dass sich das Prepaid-Prinzip zunehmend etablierte. Viele Kunden schätzten die Möglichkeit, ihre Ausgaben bereits durch den Kauf des Guthabens zu begrenzen.

2004: Tchibo bringt Bewegung in den Mobilfunkmarkt

Eine neue Phase begann im Oktober 2004. Ausgerechnet der Kaffeeröster Tchibo sorgte mit seinem Einstieg in den Mobilfunkmarkt für Aufsehen. Gemeinsam mit O2 bot das Unternehmen einen Prepaid-Tarif an, bei dem Telefonate in deutsche Fest- und Mobilfunknetze einheitlich 35 Cent pro Minute kosteten.

Das war eine deutliche Vereinfachung gegenüber vielen bisherigen Angeboten. Unterschiedliche Minutenpreise je nach Zielnetz oder Tageszeit spielten für die regulären nationalen Gespräche keine Rolle mehr.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb eines Jahres gewann Tchibo nahezu eine halbe Million Prepaid-Kunden.

Der telespiegel berichtete bereits damals über die Entwicklung. Im Oktober 2005 wurde deutlich, wie stark sich das Mobilfunkangebot des Kaffeerösters innerhalb kurzer Zeit entwickelt hatte. Tchibo erweiterte sein Mobilfunkgeschäft inzwischen sogar um klassische Laufzeitverträge.

2005: Simyo löst einen neuen Preiskampf aus

Der nächste große Preisschritt folgte am 30. Mai 2005. Mit Simyo gründete E-Plus eine Discountmarke, die den Mobilfunkmarkt erneut unter Druck setzte.

Der Tarif kostete nur noch 19 Cent pro Gesprächsminute in deutsche Fest- und Mobilfunknetze. Für eine SMS wurden 14 Cent berechnet.

Simyo verzichtete bewusst auf teure Vertriebsstrukturen. SIM-Karten wurden ausschließlich über das Internet verkauft, subventionierte Mobiltelefone gab es nicht. Auch die Guthabenaufladung sollte möglichst einfach online erfolgen.

Das Starterpaket kostete 19,95 Euro und enthielt 10 Euro Gesprächsguthaben.

Das Geschäftsmodell war auf möglichst geringe Kosten ausgerichtet. Anstelle umfangreicher Beratung und zahlreicher Tarifvarianten setzte Simyo auf ein einfaches und transparentes Angebot.

Der telespiegel dokumentierte den Marktstart am 30. Mai 2005 im Artikel „Simyo.de – Neue E‑Plus-Marke mit günstiger Prepaidkarte“.

Aldi Talk verschärft den Wettbewerb

Noch im selben Jahr wurde der Preiskampf fortgesetzt.

Im Dezember 2005 startete Aldi Talk in Zusammenarbeit mit Medion und E-Plus. Telefonate in deutsche Netze kosteten zum Marktstart 15 Cent pro Minute. Für Gespräche zu anderen Aldi-Talk-Kunden wurden sogar nur fünf Cent berechnet. Damit war der einheitliche Minutenpreis innerhalb von gut einem Jahr von 35 Cent beim Tchibo-Start auf 15 Cent bei Aldi Talk gesunken.

Der Discountboom veränderte den Mobilfunkmarkt dauerhaft. Neue Anbieter konkurrierten mit einfachen Tarifmodellen, niedrigen Gesprächspreisen und einem weitgehenden Verzicht auf aufwendige Zusatzleistungen.

Das zuvor vielfach teure Prepaid-Telefonieren entwickelte sich dadurch zu einer preislich attraktiven Alternative zu klassischen Mobilfunkverträgen.

Vom Gesprächsguthaben zur mobilen Internet-Flatrate

In den folgenden Jahren veränderte sich nicht nur der Preis, sondern auch die Nutzung der Mobiltelefone.

Während anfangs vor allem Gesprächsminuten und SMS abgerechnet wurden, gewann mit der Verbreitung internetfähiger Handys und später der Smartphones das mobile Datenvolumen zunehmend an Bedeutung.

Prepaid-Anbieter reagierten mit Internetpaketen, Flatrates und kombinierten Angeboten für Telefonie, SMS und mobile Daten.

Auch das Aufladen wurde einfacher. Neben Guthabenkarten aus dem Einzelhandel etablierten sich elektronische Aufladungen, Kundenportale, Apps und automatische Nachladefunktionen.

Die früher überwiegend auf Telefonate ausgerichteten Guthabentarife entwickelten sich damit zu vollständigen Mobilfunktarifen, die heute auch LTE und 5G unterstützen können.

Eine Idee, die den Mobilfunk nachhaltig verändert hat

Die Entwicklung der Prepaid-Karte zeigt, wie sich ein zunächst einfaches Abrechnungsmodell zu einem wichtigen Bestandteil des Mobilfunkmarktes entwickelte.

Was 1996 mit regionalen Guthabenangeboten begann, wurde durch die großen Netzbetreiber bundesweit bekannt. Den entscheidenden Preisdruck erzeugten ab 2004 die neuen Mobilfunk-Discounter.

Die Marken Free & Easy, CallYa, Xtra, Tchibo, Simyo und Aldi Talk stehen deshalb für unterschiedliche Etappen der deutschen Mobilfunkgeschichte.

Aus hohen Minutenpreisen und einfachen Guthabenkarten wurden flexible Mobilfunkangebote mit Datenpaketen und Flatrates. Das ursprüngliche Prinzip ist jedoch geblieben: Mobilfunkleistungen werden im Voraus bezahlt, statt sie ausschließlich über eine spätere Monatsrechnung abzurechnen.

Wie sich die heutigen Angebote unterscheiden, zeigt der Prepaid-Tarife-Vergleich des telespiegel.

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