Fehlüberweisung – Landgericht sieht keine Entreicherung durch Luxus

Fehlüberweisung – Landgericht sieht keine Entreicherung durch Luxus

Mitte Juli 2019 erhielt ein Mann fälschlicherweise eine Überweisung in Höhe von 170 786,20 Euro von seiner Bank auf sein Konto. Der Mann verprasste die Summe nahezu vollständig. Die Bank klagte vor dem Landgericht Hannover auf Rückzahlung des vollständigen Betrags.

Was war geschehen?

Von der Auszahlungsabteilung einer Bank wurde die genannte Summe im letzten Jahr auf das Konto des Beklagten überwiesen. Die entsprechende Überweisung wurde von dessen Lebensgefährtin durchgeführt, die zum Zeitpunkt der Überweisung in der Auszahlungsabteilung der Bank arbeitete. Der Rechtsanwalt der Bank gab vor Gericht an, dass diese durch interne Ermittlungen und die Auswertung der elektronischen Überweisungsdaten festgestellt zu haben, dass sich die Lebensgefährtin hierzu in das Benutzerkonto einer anderen Bankmitarbeiterin einloggte. Die überwiesene Summe war eigentlich für einen Bankkunden als Baufinanzierungsdarlehen vorgesehen.

Beklagter gab das Geld umgehend aus

Der Beklagte gab einen Großteil des Geldes, nämlich rund 92 000 Euro, umgehend nach dem Erhalten der fehlerhaften Überweisung aus. Er verprasste das Geld unter anderem für Casino- und Bordellbesuche sowie für Mietwagen- und Hotelkosten. Er habe demnach einen Großteil des Geldes für sogenannte „Luxusaufwendungen“ ausgegeben. Zudem gab er vor dem Landgericht Hannover an, dass ihm 50 000 Euro in bar in Hamburg gestohlen worden seien.

Was ist unter „Luxusaufwendungen“ zu verstehen?

Als Luxusaufwendungen werden Dinge bezeichnet, die sich die betroffene Person im Normalfall nicht geleistet hätte. Erst mit dem Erlangen des Geldes, hat sich der Betroffene diese Dinge geleistet, die außerhalb seiner gewöhnlichen Lebensführung liegen.

Beklagter gibt an, „entreichert“ zu sein

Der Beklagte gab vor Gericht an, rechtlich „entreichert“ zu sein. Das bedeutet, dass er das Geld bereits ausgegeben habe, somit nicht mehr in dessen Besitz sei und es auch nicht zurückgeben könne. Ferner gab er an, von der Bank erst einen Monat nach der fälschlichen Überweisung zu einer Rückzahlung aufgefordert worden zu sein.

Wie hat das Landgericht Hannover entschieden?

Die 4. Zivilkammer des LG Hannover stimmte in dem Urteil (Az.: 4 O 248/19) der Entreicherung des Beklagten nicht zu. Das Gericht begründet dies damit, dass der Beklagte von Beginn an damit hätte rechnen müssen, das Geld zurückzuzahlen. Angesichts dessen liege keine Entreicherung vor. Das Urteil ist bereits gültig und der Beklagte wurde zu der Rückzahlung des vollständigen Betrags verurteilt.

Der Beklagte muss nach diesem Urteil des hannoverschen Landgericht nun die vollen 92 000 Euro zzgl. Gerichtskosten an die Bank zurückzahlen. Vielleicht wäre durch eine anwaltliche Vertretung ein Vergleich möglich gewesen. Über die Vermögensverhältnisse des Beklagten machte das Gericht keine Angaben. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Bank nicht mit einer kurzfristigen Rückzahlung der kompletten Summe rechnen kann.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Digitale Steuerbescheide ab 2026 – Papier nur auf Wunsch

Digitale Steuerbescheide ab 2026

Papier nur auf Wunsch

Ab 2026 werden Steuerbescheide in Deutschland in der Regel nur noch digital bereitgestellt. Papier gibt es nur auf Wunsch. Was bedeutet das für Bürgerinnen, Bürger und Kanzleien? Hier erfährst du verständlich, was sich ändert – und wie du dich vorbereitest. […]

Scheinbarer App-Zwang – congstar wegen Irreführung verurteilt

Scheinbarer App-Zwang 

 congstar wegen Irreführung verurteilt

Die Telekom-Tochter congstar behauptete, ihr Online-Kundencenter werde 2025 abgeschaltet – und drängte damit Kunden zum App-Download. Doch das stimmte gar nicht. Ein Gerichtsurteil deckt nun auf, wie weit der vermeintliche App-Zwang wirklich ging. […]

Urteil – Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Urteil 

 Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Das Oberlandesgericht Bamberg hat in seinem Urteil entschieden, dass die Sperrung mehrerer Social-Media-Kanäle eines Influencers durch eine Plattformbetreiberin nicht ohne Weiteres zulässig ist. Insbesondere stellte das Gericht fest, dass die bloße Weiternutzung eines weiteren Kanals keine automatisierte Umgehung der Sperrmaßnahme darstellt. […]

United Internet & 1&1 - Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet & 1&1

Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet bündelt seine Telekommunikationsaktivitäten und verkauft die Netztochter 1&1 Versatel konzernintern an die 1&1 AG. Für Endkunden bleiben die bekannten Marken wie 1&1, IONOS, GMX oder WEB.DE bestehen. Der Artikel erklärt verständlich, welche Produkte die Unternehmen anbieten und was der mögliche Verkauf der Domain-Handelsplattform Sedo bedeutet. […]

Kritische Chrome-Lücke – Google veröffentlicht Notfall-Update

Kritische Chrome-Lücke

Google veröffentlicht Notfall-Update

Eine Chrome-Schwachstelle wurde aktiv von Cyberkriminellen ausgenutzt. Google hat mittlerweile ein Notfall-Update bereitgestellt, das dringend installiert werden sollte. Chrome-Nutzer müssen ihren Browser neu starten, um das Update zu aktivieren. […]