
Mit dem Anfang des Monats eingeführten amtliche „Prüf- und Erlaubnissiegel“, wird Kampf der gemeinsamen Glücksspielbehörde für Länder gegen das illegale Onlineglücksspiel weiter vorangetrieben. Verbraucher erhalten durch das neue Prüfzeichen wesentlich mehr Sicherheit, denn die Teilnahme an nicht zugelassenen Glücksspielen im Internet ist illegal.
Was steckt hinter dem neuen Glücksspiel-Siegel?
Onlineglücksspiele wie Poker, Sport- und Pferdewetten oder virtuelle Automatenspiele sind erst seit der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrags vor zwei Jahren in Deutschland legal. Eine Ausnahme bildet der Eigenvertrieb von Lotterien im Internet (insbesondere Lotto), der bereits seit Mitte 2012 erlaubnisfähig ist, wenn dieser von den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigt wurde. Für die sonstigen Anbieter ist es verpflichtend, über eine gültige Lizenz und damit eine staatliche Erlaubnis zu verfügen. Damit Verbraucher bereits auf den ersten Blick deutlich erkennen, ob es sich um legales Glücksspiel im Internet handelt, führte die gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, zum 1. Juli dieses Jahres das „GGL-Prüf- und Erlaubnissiegel“ ein. Das Siegel zeigt den Besuchern einer Webseite klar und deutlich, dass der Anbieter über eine staatliche Erlaubnis verfügt. Hierdurch wird die Transparenz auf dem Onlineglücksspiel-Markt enorm erhöht. Auch die Anbieter der Lotterien, Sportwetten und Spielen im Internet profitieren, da sie den Besuchern sofort deutlich machen können, dass sie sich an die Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags zum Spielerschutz halten. Die zuständige Behörde genehmigte im vergangenen Monat insgesamt 142 verschiedene Anbieter im Internet. Ob es sich um einen seriösen Anbieter handelt, können Verbraucher zudem der amtlichen Whitelist entnehmen, die regelmäßig aktualisiert wird.
Glücksspiele im Internet erleben einen Boom
Bereits seit einigen Jahren steigt die Beliebtheit von Onlinecasinos und Co. Allein im vergangenen Jahr konnten durch legales Glücksspiel im Internet hierzulande insgesamt ca. 1,4 Milliarden Euro umgesetzt werden. 1,4 Milliarden davon im Bereich der Sportwetten, 900 Millionen Euro durch Kassen- und Soziallotterien und 800 Millionen Euro durch Onlinepoker sowie virtuelle Automatenspiele. Doch auch durch illegales Glücksspiel werden nach Schätzungen der GGL-Behörde immer noch 300 bis 500 Millionen Euro umgesetzt.
Weshalb ist der Kampf gegen unerlaubtes Glücksspiel im Internet so wichtig?
Vor der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrags gab es aufgrund einer fehlenden einheitlichen Regulierung eine Grauzone. Da ausschließlich in Schleswig-Holstein Glücksspiel im Internet erlaubt war, verwendeten viele Onlinecasinos eine gültige EU-Lizenz aus Ländern wie Gibraltar oder Malta. Dadurch wurde ein Schlupfloch geschaffen, wodurch eine Anerkennung in Deutschland nicht zwingend notwendig ist. Doch Lotterien, Sportwetten und virtuelle Automatenspiele im Internet bergen ein hohes Suchtpotenzial. Im Zuge der Einführung der GGL wurden daher verschiedene Spielsuchtpräventionen getroffen:
- Einsatzlimit
- Altersnachweis
- Verpflichtender Nutzeraccount
- Kein gleichzeitiges Wetten bei verschiedenen Anbietern
- Anbieter müssen über Gewinne und Verluste informieren
- Bundesweite Sperrdatei
- Panikbutton
- Keine Werbung zwischen 6 und 21 Uhr
Die anerkannten Anbieter müssen sich an diese Vorgaben halten. Denn Verschuldung, psychosomatische Störungen und unredliche Geldbeschaffung sind nur einige Beispiele der zahlreichen Folgen, die Onlinespielsucht mit sich bringen kann. Genau wie bei anderen Suchtmitteln können sogar Entzugserscheinungen bei den Betroffenen auftreten, wenn Gewinne ausbleiben und hierdurch keine Glückshormone mehr ausgeschüttet werden. Dass das Spielen an den bunten, virtuellen Automaten besonders gefährlich sein kann, weiß auch der Kommissarische Leiter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Dr. Martin Dietrich:
„Online-Glücksspiel ist – im Vergleich zu anderen Glücksspielarten – mit einem erhöhten Suchtrisiko verbunden. Das erhöhte Suchtrisiko ist dadurch bedingt, dass Online-Glücksspiele rund um die Uhr immer und überall gespielt werden können. Die BZgA-Studiendaten zeigen auf, dass nahezu jeder fünfte Spielende von Online-Casinospielen ein problematisches oder abhängiges Spielverhalten zeigt.“
Pathologisches Glücksspiel ist mittlerweile als offizielles Krankheitsbild anerkannt und wird auch als „Gambling Disorder“ bezeichnet. Zudem gibt es einen jährlich stattfindenden Aktionstag Glücksspielsucht – in diesem Jahr am 27. September.
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