Manipulierte Telegram-App – Sicherheitsbedrohung für Android-Nutzer

Manipulierte Telegram-App – Sicherheitsbedrohung für Android-Nutzer

Forscher des Unternehmens für Sicherheitssoftware ESET haben eine trojanisierte Telegram-Version für Android-User entdeckt. Mit der modifizierten Version der Telegram-App können sich die Cyberkriminellen einen Zugriff auf kritische Daten der Opfer verschaffen. Aktuell ist die Malware zwar nicht mehr aktiv, die bösartige App kann nach Angaben der Forscher aber jederzeit aktualisiert werden.

Was steckt hinter der schadhaften Telegram-Version?

Die manipulierte App stand bereits seit November 2021 auf einer gefälschten Webseite des kostenlosen Webcam-Chats Shagle zum Download bereit. Erst im Juli 2022 wurde die Webseitenkopie von Shagle entdeckt. Die meisten potenziellen Opfer sind vermutlich über Phishing-E-Mails und SMS-Nachrichten auf die gefälschte Webseite gelangt. Dort wurde die trojanische Version, die auf der Telegram-App für Android basiert, dann als vermeintliche Shagle-Android-App angegeben. Diese existiert jedoch gar nicht, da es sich bei Shagle um einen rein webbasierten Dienst handelt. Im Google Play Store stand die modifizierte App nie zum Download bereit. Die ESET-Forscher sind davon überzeugt, dass die Cybergang StrongPity hinter der Bedrohung steckt.

Weshalb vermuten die Forscher die StrongPity-Gruppe hinter der Kampagne?

Die Funktionalität sowie das Zertifikat und der Klassenname der Datei sind mit denen einer vorausgegangenen Kampagne der Cybergang identisch. Die Experten gehen davon aus, dass die heimtückisch modifizierte Telegram-Version für gezielte Angriffe eingesetzt werden soll. Mit dem Zugriff auf kritische Daten ist unter anderem das Aufzeichnen von Telefongesprächen sowie das Sammeln von Anrufprotokollen, Kontaktlisten und SMS-Nachrichten möglich. Zudem gewähren ahnungslose Android-User, die der trojanisierten App einen Zugriff auf Dienste und Benachrichtigungen gewähren, auch einen Zugriff auf eingehende Benachrichtigungen von 17 weiteren Apps:

  • Gmail
  • Hangouts
  • Hike News & Content
  • Imo-International Calls & Chat
  • Instagram
  • Kik
  • Line: Calls & Messages
  • Messenger
  • Messenger Lite
  • Snapchat
  • Skype
  • Tango
  • Telegram
  • Tinder
  • Twitter
  • Viber
  • WeChat

Für die bösartige App-Version wurde derselbe Paketname wie für die legitime Telegram-App verwendet. Dadurch kann die manipulierte Version nicht auf Android-Geräten von Nutzern installiert werden, die bereits die offizielle Telegram-App installiert haben. Denn Paketnamen müssen einzigartig sein, da hierüber Android-Apps eindeutig zu identifizieren sind.

„Das kann zweierlei bedeuten: Entweder kommunizieren die Angreifer zunächst mit potenziellen Opfern und drängen sie, Telegram von ihren Geräten zu deinstallieren, falls es bereits installiert ist. Oder die Kampagne konzentriert sich auf Länder, in denen Telegram nur selten zur Kommunikation eingesetzt wird“, so der ESET-Forscher Lukás Stefanko.

Wie können sich Android-Nutzer schützen?

Android-Nutzer sollten sehr vorsichtig sein, wenn sie Apps außerhalb des Google Play Stores herunterladen wollen. Am besten sollten ausschließlich Anwendungen direkt aus dem offiziellen App-Store installiert werden. Wie eine schädliche Kampagne im Google Play Store aus dem letzten Jahr zeigt, bietet jedoch auch dies keine hundertprozentige Sicherheit. Nutzer sollten sich daher vor dem Herunterladen einer App auch die Bewertungen anderer User genau anschauen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Digitale Steuerbescheide ab 2026 – Papier nur auf Wunsch

Digitale Steuerbescheide ab 2026

Papier nur auf Wunsch

Ab 2026 werden Steuerbescheide in Deutschland in der Regel nur noch digital bereitgestellt. Papier gibt es nur auf Wunsch. Was bedeutet das für Bürgerinnen, Bürger und Kanzleien? Hier erfährst du verständlich, was sich ändert – und wie du dich vorbereitest. […]

Scheinbarer App-Zwang – congstar wegen Irreführung verurteilt

Scheinbarer App-Zwang 

 congstar wegen Irreführung verurteilt

Die Telekom-Tochter congstar behauptete, ihr Online-Kundencenter werde 2025 abgeschaltet – und drängte damit Kunden zum App-Download. Doch das stimmte gar nicht. Ein Gerichtsurteil deckt nun auf, wie weit der vermeintliche App-Zwang wirklich ging. […]

Urteil – Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Urteil 

 Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Das Oberlandesgericht Bamberg hat in seinem Urteil entschieden, dass die Sperrung mehrerer Social-Media-Kanäle eines Influencers durch eine Plattformbetreiberin nicht ohne Weiteres zulässig ist. Insbesondere stellte das Gericht fest, dass die bloße Weiternutzung eines weiteren Kanals keine automatisierte Umgehung der Sperrmaßnahme darstellt. […]

United Internet & 1&1 - Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet & 1&1

Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet bündelt seine Telekommunikationsaktivitäten und verkauft die Netztochter 1&1 Versatel konzernintern an die 1&1 AG. Für Endkunden bleiben die bekannten Marken wie 1&1, IONOS, GMX oder WEB.DE bestehen. Der Artikel erklärt verständlich, welche Produkte die Unternehmen anbieten und was der mögliche Verkauf der Domain-Handelsplattform Sedo bedeutet. […]

Kritische Chrome-Lücke – Google veröffentlicht Notfall-Update

Kritische Chrome-Lücke

Google veröffentlicht Notfall-Update

Eine Chrome-Schwachstelle wurde aktiv von Cyberkriminellen ausgenutzt. Google hat mittlerweile ein Notfall-Update bereitgestellt, das dringend installiert werden sollte. Chrome-Nutzer müssen ihren Browser neu starten, um das Update zu aktivieren. […]