Wikipedia protestiert – am 21. März geht das Online-Lexikon offline

Wikipedia protestiert – am 21. März geht das Online-Lexikon offline

Wikipedia ist für zahlreiche Nutzer eine beliebte Anlaufstelle bei verschiedensten Recherchen. Zu beinahe jedem Thema ist ein Eintrag in dem Online-Lexikon zu finden. Wer jedoch am kommenden Donnerstag die Website der freien Enzyklopädie besucht, wird auf keinen dieser Einträge zugreifen können.

Was ist der Grund für den Protest?

Wikipedia möchte mit der 24-stündigen Abschaltung der Plattform gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform protestieren. Der Protest richtet sich dabei insbesondere gegen den umstrittenen Artikel 13. Wikipedia Deutschland fürchtet durch diesen Artikel eine Einschränkung der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit. Damit schließt sich das Online-Lexikon einem europaweiten Protesttag an. Wikipedia-Administrator Thomas Planinger kündigte die Teilnahme an der Protestaktion via Twitter an. Auch auf der Facebook Seite von Wikimedia Deutschland wurde die Aktion bereits vor einigen Tagen bekannt gegeben. In dem Beitrag vom 15. März 2019 heißt es:

„Am 21. März wird die deutschsprachige #Wikipedia für 24 Stunden komplett abgeschaltet. Mit diesem schärfsten Mittel des Protests möchten die Wikipedia-Aktiven ein Zeichen insbesondere gegen die Einführung von Artikel 11 und 13 der EU-Urheberrechtsreform setzen.“

Wikipedia-Autoren stimmten für den Protest

Vom 1. März bis zum 8. März 2019 konnten die deutschsprachigen Wikipedia-Autoren in einer Online-Umfrage über die Protestaktion abstimmen. Rund 68 Prozent sprachen sich dabei für einen Protest gegen die EU-Urheberrechtsreform aus. Die Wikipedia-Autoren konnten zudem darüber abstimmen, in welcher Form die Protestaktion erfolgen soll. Ungefähr 83 Prozent entschieden sich hierbei für eine komplette Abschaltung der deutschsprachigen Einträge am 21. März. Die Alternative hierzu war, dass an diesem Tag lediglich Protestbanner auf der Website erscheinen.

Worum geht es in Artikel 13?

Der Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform soll das Urheberrecht an die heutige digitale Zeit besser anpasse. Von den neuen festgelegten Urheberrechten werden allerdings nicht die Nutzer sondern lediglich die Rechteinhaber profitieren. Gemäß des umstrittenen Artikels ist es vorgesehen, dass die verschiedenen Dienste und Plattformen für die möglichen Urheberrechtsverstöße der Nutzer mit verantwortlich sind. Bisher hafteten die Plattformen und Dienste erst dann, wenn sie über die Verletzung des Urheberrechtes in Kenntnis gesetzt wurden und nichts dagegen unternommen hatten. Das Problem des Artikels 13 liegt darin, dass in der heutigen Zeit quasi jeder, der ein Smartphone, Tablet oder ähnliches besitzt, zum Urheber werden kann. Es scheint jedoch nicht realisierbar, dass die Plattformen und Dienste mit jedem dieser Menschen eine Lizenz abschließen.

Die Upload-Filter

Diese Haftung der Plattformen gemäß Artikel 13 könnte im Grunde nur mit so genannten Upload-Filtern umgangen werden. Diese Upload-Filter werden von Plattformen wie Facebook oder YouTube bereits verwendet. Die Filter ermöglichen, dass bereits beim Hochladen überprüft werden kann, ob die Inhalte urheberrechtlich geschützt sind. Von vielen wird nun befürchtet, dass die Plattformen auf Grund der EU-Urheberrechtsreform viele Uploads verweigern, um keine Rechte zu verletzen. Problematisch hierbei könnte unter anderem sein, dass die Upload-Filter nicht dazu in der Lage sind, die in Artikel 13 genannten Ausnahmen zu erkennen. Hierzu zählen zum Beispiel Parodien, Zitate, Rezensionen oder Kritik.

Welche Auswirkungen hat der Artikel 13 auf die Internetplattformen?

Von Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform wären insbesondere kleinere Unternehmen, Websites mit eigenen Foren und neue Plattformbetreiber betroffen. Denn diese müssten, genau wie die großen Plattformen, mit jedem einzelnen Rechteinhaber einen Vertrag abschließen. Durch die Umsetzung der Urheberrechtsreform könnten dabei folgende Fragen auf die Internetwelt zukommen:

  1. Wo können die benötigten Lizenzen überhaupt erworben werden?
  2. Was, wenn der Rechteinhaber die Lizenz verweigert?
  3. Wie kann zuverlässig verhindert werden, dass keine Zitate oder Abschnitte aus diesen Inhalten entnommen werden?

Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass lediglich die großen Internetplattformen die neuen Richtlinien der Reform erfüllen können. Ende März findet die Abstimmung des EU-Parlaments über den aktuellen Entwurf statt.

Wikipedia selbst ist gar nicht betroffen

Obwohl Wikipedia als nicht kommerzielle Seite selbst gar nicht von Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform betroffen ist, wollen die deutschsprachigen Autoren des Online-Lexikons die Nutzer zu einem Protest animieren.

Die aktuelle Protestnote von Wikipedia

Am 21. März wird für 24 Stunden folgende Protestnote auf der Website der freien Enzyklopädie zu sehen sein:

„Liebe Besucherin, lieber Besucher,
warum können Sie Wikipedia nicht wie gewohnt benutzen? Die Autorenschaft der Wikipedia protestiert gegen Teile der geplanten EU-Urheberrechtsreform, die am xx.xx.xxxx vom Parlament der Europäischen Union verabschiedet werden soll.

Die geplante Reform könnte dazu führen, dass das freie Internet erheblich eingeschränkt wird. Selbst kleinste Unternehmen müssten fehleranfällige und technisch unausgereifte Upload-Filter für sämtliche ihrer Inhalte einsetzen (Artikel 13) und für minimale Textausschnitte aus Presseerzeugnissen Lizenzen erwerben, um das sogenannte Leistungsschutzrecht für Presseverleger einzuhalten (Artikel 11). Dies könnte die Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit deutlich beeinträchtigen.

Gegen die Reform protestieren auch rund fünf Millionen Menschen in einer Petition, 145 Bürgerrechts- und Menschenrechtsorganisationen, Wirtschafts- und IT-Verbände (darunter Bitkom, der deutsche Start-Up-Verband oder der Chaos-Computer-Club), Internet-Pioniere wie Tim Berners-Lee, Journalistenverbände sowie auch Kreativschaffende.

Wir bitten Sie deshalb darum …

… die Abgeordneten des Europäischen Parlaments zu kontaktieren und sie über Ihre Haltung zur geplanten Reform zu informieren.
… an den Demonstrationen teilzunehmen, die am 23. März 2019 in ganz Europa stattfinden.
… Ihr demokratisches Recht wahrzunehmen und am 26. Mai 2019 an der Wahl des EU-Parlaments teilzunehmen.
Danke.“

Wie lang dauert der Protest an?

Geplant ist, dass die deutschsprachigen Wikipedia Einträge ab dem 22. März um 0 Uhr wieder zur Verfügung stehen. Betroffen ist dabei nur die deutschsprachige Wikipedia. Die englischsprachige Seite der freien Enzyklopädie wird hingegen erreichbar sein. Obwohl die Protestaktion lediglich einen Tag dauert, wird sie für viele Nutzer spürbar sein. Denn laut eigener Aussage ist Wikipedia die 7. häufigste besuchte Website im deutschsprachigen Raum.

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