Datenleck – Zehntausende Verträge von Versicherer Provinzial betroffen

Datenleck – Zehntausende Verträge von Versicherer Provinzial betroffen

Von einer Sicherheitslücke in der Datentransfer-Software MOVEit sind Unternehmen auf der ganzen Welt betroffen – auch der öffentliche Versicherer Provinzial bestätigte jetzt, Opfer des Cyberangriffs geworden zu sein. Die Daten zehntausender Kunden, die bei dem Versicherer eine Riester-Police abgeschlossen haben, wurden abgefischt.

Wer ist von der Cyberattacke betroffen?

Genau wie zahlreiche Unternehmen weltweit nutzt die Versicherung die Datentransfer-Software MOVEit. Durch die Schwachstelle mit der Kennung CVE-2023-36934, die vom Hersteller Progress als kritisch eingestuft wird, wurden Daten von Provinzial-Kunden gestohlen. Einige Kunden, die eine Riester-Police über den Versicherer abgeschlossen haben, erhielten Post, in der über die Cyberattacke informiert wurde. Provinzial informiert zwar darüber, dass das Datenleck umgehend geschlossen wurde, dennoch „konnte der Abfluss der Daten unserer Kunden nicht vollständig verhindert werden.“ Zehntausende Verträge seien betroffen. Dabei gerieten nicht nur die Namen und Adressen, sondern auch Sozialversicherungsnummern und Steueridentifikationsnummern in die Hände der Kriminellen. In einigen Fällen flossen sogar Informationen über mögliche Kinder und Ehepartner sowie tatsächliche Entgelte. Provinzial gibt an, dass E-Mail-Konten, Login-Daten und Bankdaten hingegen nicht betroffen sind. Das Datenaustauschsystem sei sofort außer Betrieb genommen worden. Darüber hinaus wurden Nutzerkonten sowie der Datenverkehr blockiert. Provinzial hat zudem zusätzliche IT-Sicherheitslösungen installiert.

Was steckt hinter der MOVEit-Lücke?

Die Webanwendung MOVEit Transfer wird auf der ganzen Welt für einen verschlüsselten Transfer von Daten genutzt. Dem Hersteller Progress ist die Lücke bereits seit dem 31. März dieses Jahres bekannt. Die Cyberkriminellen nutzen die Schwachstelle insbesondere dafür aus, die Ransomware Clop zu verbreiten. Diese wird genutzt, um Daten zu verschlüsseln und die betroffenen Unternehmen anschließend zu erpressen. Auch Verivox war erst kürzlich von einem Cyberangriff durch die Lücke betroffen. Die Kriminellen stahlen neben Namen und E-Mail-Adressen auch Bankverbindungsdaten. Ebenfalls bestätigt ist der Datenklau durch die Schwachstelle bei der MOVEit-Software von Siemens Energy. Nach aktuellem Stand sind weltweit insgesamt 251 – davon allein in Deutschland 23 – Organisationen und Unternehmen von dem Cyberangriff betroffen.

Wie können sich Kunden schützen?

Progress gibt an, dass die Sicherheitslücken in MOVEit mittlerweile geschlossen sind. Dennoch sollten Kunden jetzt vorsichtig sein und grundsätzlich noch einmal direkt bei dem Unternehmen oder ihrer Bank nachhaken, wenn sie eine verdächtige E-Mail oder einen Anruf erhalten. Zudem sollten Links in E-Mails nicht angeklickt werden. Um sich zumindest vor dem Diebstahl persönliche Informationen beim Abfischen von Mail-Adressen zu schützen, ist es ratsam stets einen E-Mail-Alias zu verwenden, sobald eine Mail-Adresse hinterlegt werden muss. Auch die Passwörter für die Konten bei den betroffenen Unternehmen sollten schnellstmöglich geändert werden. Kunden, die unautorisierte Lastschriften feststellen, sollen sich umgehend an ihre Bank wenden. Diese können bis zu 13 Monate zurückgeholt werden. Sollten von dem Datenklau auch die Bankdaten betroffen sein, kann ein Konto- oder sogar ein Bankenwechsel sinnvoll sein. Betroffene können sich auf der Webseite der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ausführlich informieren.

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