Landgericht Berlin – Facebook-Kontaktimport und Werbeprofile ohne Einwilligung untersagt

Landgericht Berlin – Facebook-Kontaktimport und Werbeprofile ohne Einwilligung untersagt

Das Landgericht Berlin II hat mit Urteil vom 2. Dezember 2025 (Az. 15 O 569/18) die Meta Platforms Facebook wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) teilweise verurteilt. Geklagt hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Kammer untersagte insbesondere zwei Praktiken: das Hochladen und Verarbeiten personenbezogener Daten nicht bei Facebook registrierter Personen über die sogenannte „Freunde-Finder“-Funktion sowie die Erstellung personalisierter Werbeprofile aus Nutzerdaten ohne wirksame Einwilligung. Zudem muss Meta 200 Euro Abmahnkosten nebst Zinsen zahlen.

Streit um den „Freunde-Finder“

Im Zentrum des Verfahrens stand die Funktion, mit der Facebook-Nutzer ihre Telefon- oder E-Mail-Kontakte hochladen konnten, um Bekannte auf der Plattform zu finden. Dabei wurden nach den Feststellungen des Gerichts auch Daten von Personen übertragen, die selbst keinen Facebook-Account besitzen. Das Gericht untersagte Meta, personenbezogene Daten solcher Nicht-Nutzer von den Endgeräten registrierter Nutzer auf eigene Server hochzuladen oder zu verarbeiten, wie es im Juni 2018 geschehen war. Für jeden Verstoß droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro oder Ordnungshaft.

Keine Rechtfertigung nach Art. 6 DSGVO

Die Kammer stellte klar, dass Meta insoweit als „Verantwortliche“ im Sinne von Art. 4 Nr. 7 DSGVO handele und nicht lediglich als Auftragsverarbeiterin. Maßgeblich sei, dass das Unternehmen über Zweck und Mittel der Datenverarbeitung entscheide. Eine Einwilligung der betroffenen Nicht-Nutzer lag unstreitig nicht vor. Auch auf eine Vertragserfüllung könne sich Meta nicht berufen, da zwischen dem Unternehmen und den Nicht-Nutzern kein Vertragsverhältnis bestehe.

Schließlich verneinte das Gericht auch ein „berechtigtes Interesse“ nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Nicht registrierte Personen müssten vernünftigerweise nicht damit rechnen, dass ihre Kontaktdaten allein durch Speicherung im Adressbuch eines Dritten bei einem sozialen Netzwerk landen. Die massenhafte Erfassung solcher Daten widerspreche dem Ziel der DSGVO, dem Einzelnen Datenautonomie zu verschaffen.

Personalisierte Werbung: Vertrag reicht nicht

Ebenfalls teilweise erfolgreich war die Klage hinsichtlich personalisierter Werbung. Meta hatte Nutzerdaten – sowohl eigene Plattformdaten als auch sogenannte „Partnerdaten“ – zu Profilen zusammengeführt, um individualisierte Werbung anzuzeigen. Soweit die Daten aus eigenen Quellen („Facebookdaten“) stammten, erklärte das Gericht die Verarbeitung ohne wirksame Einwilligung für unzulässig. Weder sei die Personalisierung zur Vertragserfüllung erforderlich noch durch ein überwiegendes berechtigtes Interesse gedeckt.

Die Richter stützten sich dabei ausdrücklich auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zur datenbasierten Werbefinanzierung sozialer Netzwerke. Personalisierte Werbung möge wirtschaftlich sinnvoll sein, sei aber nicht objektiv unerlässlich für die Bereitstellung eines sozialen Netzwerks.

Hinsichtlich nicht registrierter Seitenbesucher wies das Gericht die Klage jedoch ab, da nicht hinreichend dargelegt worden sei, dass für diese tatsächlich Werbeprofile erstellt worden seien.

Sensible Daten: Einwilligung ausreichend

Keinen Erfolg hatte der Verbraucherzentrale-Bundesverband mit seinem Angriff gegen die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten, etwa zu Religion, politischer Meinung oder Gesundheit. Hier sah das Gericht eine wirksame ausdrückliche Einwilligung der Nutzer als gegeben an. Meta habe einen gesonderten Zustimmungsprozess implementiert, bevor solche sensiblen Angaben gespeichert und verwendet würden. Damit liege eine Rechtfertigung nach Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO vor.

Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig, Meta könnte Rechtsmittel einlegen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Messenger-Betrug 2026: KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Messenger-Betrug 2026

KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt: Betrüger verlagern ihre Angriffe immer stärker auf WhatsApp, Telegram und andere Messenger. Künstliche Intelligenz macht die Nachrichten dabei täuschend echt – mit teils erheblichen finanziellen Folgen für die Opfer. […]

Silent Calls

Silent Calls

Warum stumme Anrufe ein Warnsignal sein können

Das Telefon klingelt, doch am anderen Ende meldet sich niemand. Was wie ein harmloser Fehlanruf wirkt, kann Teil einer professionellen Betrugsmasche sein. Kriminelle nutzen sogenannte Silent Calls, um aktive Telefonnummern zu identifizieren und gezielt für spätere Betrugsversuche auszuwählen. […]

Kampf um Router-Freiheit – Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Kampf um Router-Freiheit

Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Darf Vodafone Kunden bei Glasfaseranschlüssen bestimmte Modems vorschreiben? Genau diese Frage soll nun ein Gericht klären. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sieht die gesetzlich verankerte Endgerätefreiheit in Gefahr und zieht vor das Oberlandesgericht Hamm. […]

De-Mail Ende

De-Mail endgültig eingestellt

Das Digitalprojekt, das zum Flop wurde

Als sichere Alternative zur E-Mail, startete der De-Mail-Dienst. Jetzt ist nach 15 Jahren allerdings Schluss. Denn das Projekt war nie wirklich erfolgreich und hatte mit Sicherheitsbedenken zu kämpfen, weshalb es nur wenige Bürger nutzten. […]

Karte nie erhalten, Konto geplündert – Bank muss Rückzahlung leisten

Karte nie erhalten, Konto geplündert

Bank muss Rückzahlung leisten

Das Oberlandesgericht Frankfurt stärkt jüngst in einem Urteil das Recht von Bankkunden. Geht eine Debitkarte auf dem Postweg verloren, haftet die Bank für missbräuchliche Abhebungen. Damit widerspricht das OLG dem Urteil der Vorinstanz. […]

Polizei-Einsatzfahrzeuge

Großrazzia gegen Darknet-Drogenhandel und Geldwäsche

Acht Festnahmen und Millionen-Ermittlungen

Bei einer bundesweiten Großrazzia gegen Darknet-Drogenhandel und internationale Geldwäsche haben Ermittler acht Personen festgenommen. Im Fokus stehen Millionenbeträge, Kryptowährungen und ein mutmaßliches Underground-Banking-Netzwerk zwischen Deutschland und Vietnam. […]