Social-Media – Fake-Profile und die Rolle der Männlichkeit im Netz

Social-Media – Fake-Profile und die Rolle der Männlichkeit im Netz

Fake-Profile, Hasskommentare und digitaler Identitätsdiebstahl sind längst keine Einzelfälle mehr. Ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts München (Aktenzeichen: 18 U 2360/25) zeigt, welche Verantwortung die Plattformen tragen. Neben den juristischen Fragen eröffnet das auch gesellschaftliche Fragen nach dem Umgang miteinander im Netz, nach Verantwortung und Kommunikation.

Wie kam es zu dem Streit vor Gericht?

Ausgangspunkt des Rechtsstreits war ein Konflikt um digitale Identität. Mehrere Personen stellten fest, dass unter ihrem Namen und mit ihren Fotos Fake-Profile auf Social-Media-Plattformen existierten. Die Profile erweckten den Eindruck, von den Betroffenen selbst betrieben zu werden. Zunächst wandten sich die Personen daher direkt an Meta und forderten die Löschung der Konten. Doch der US-amerikanische Tech-Riese reagierte nur verzögert, obwohl es klare Hinweise gab. Daraufhin landete der Fall vor Gericht. Zunächst beim Landgericht München (Aktenzeichen: 26 O 4746/25) und schließlich vor dem Oberlandesgericht München. Es ging um die Frage, ob Plattformbetreiber für solche Fake-Profile haften, wenn sie nach Hinweisen nicht schnell genug handeln.

Wie hat das OLG entschieden?

Das Münchner Gericht machte deutlich, dass eine Haftung von Plattformbetreibern möglich ist. Es bejahte einen Unterlassungsanspruch gegen Meta im einstweiligen Rechtsschutz. Zwar sei das Unternehmen kein unmittelbarer Täter, doch es wurde als mittelbarer Störer eingestuft. Der Grund hierfür sei laut Gericht, dass Meta nach den konkreten Hinweisen hätte unverzüglich handeln und die Profile löschen müssen. Das Gericht betont, dass ein Hinweis ausreiche, wenn daraus eindeutig hervorgehe, dass Namen und Bilder ohne Einwilligung verwendet werden. Eine umfangreiche Prüfung sei in solchen Fällen nicht erforderlich. Weiterhin stellte das OLG klar, dass das Unternehmen auch für künftige identische oder kerngleiche Fake-Profile die Verantwortung trage.

„Ein Social-Media-Profil oder -Konto, das ohne Zustimmung eines Betroffenen durch Verwendung des Namens des Betroffenen und/oder diesen abbildender Fotos der Wahrheit zuwider vorgibt, es handele sich um ein Profil bzw. Konto des Betroffenen, kann dessen Persönlichkeits- bzw. Namensrecht und dessen Recht am eigenen Bild verletzen“, heißt es im Urteil.

Damit macht das OLG München deutlich, dass Plattformen Verantwortung für den Schutz digitaler Identität tragen.

Welche Rolle spielen Social Media und Fake-Identitäten?

Fake-Profile sind nicht nur juristische Probleme. Sie zeigen, wie leicht die Identität im digitalen Raum manipuliert werden kann. Nicht selten kann sich daraus Hass oder Demütigung entwickeln. Social Media verstärkt dabei oft extreme Reaktionen. Nutzer verfassen beleidigende, verspottende oder sogar aggressive Kommentare. Diese verbreiten sich oftmals rasant. Gerade große Plattformen wie Instagram oder Facebook werden dadurch zu Orten, an denen Menschen nicht nur ihre Identität verlieren können, sondern auch zur Zielscheibe von Hass und Hetze werden. Hinter anonymen Profilen fällt es vielen leichter, Grenzen zu überschreiten. Was im echten Leben selten offen ausgesprochen wird, erscheint im Netz alltäglich. Diese Dynamik trifft unterschiedlichste Personen. Auch sichtbar wird sie bei gesellschaftlichen Rollenbildern, wie beispielsweise bei der Frage, wie Männer sich zeigen dürfen.

Was hat das mit „neuer Männlichkeit“ zu tun?

Im Netz zeigt sich, dass das traditionelle Männerbild bei vielen noch tief verankert zu sein scheint. Wer sich verletzlich zeigt, erfährt im Internet oft negatives Feedback. Verletzlichkeit gilt als Schwäche und Offenheit als unmännlich. Diese Haltung hat Folgen. Denn das Unterdrücken von Gefühlen kann das Risiko für Depressionen, Suchterkrankungen oder Gewalt erhöhen. Wenn Männer lernen, offen über Zweifel und Ängste zu sprechen, kann sich vieles verändern. Eine neue Männlichkeit, die durch emotionale Männer geprägt ist, eröffnet, dass sich Beziehungen vertiefen und die Lebensqualität steigt. Die „neue Männlichkeit“ zeigt, dass es wichtig ist, auch im Netz anderen mit Empathie und weniger Hass zu begegnen.

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