De-Mail endgültig eingestellt – Das Digitalprojekt, das zum Flop wurde

De-Mail Ende

Mit der De-Mail sollte der Behördenkontakt revolutioniert werden. Die Kommunikation sollte auf diesem Weg sicherer, schneller und vor allem rechtsverbindlich möglich sein. Der einst als Milliardenprojekt geplante Dienst endet jetzt jedoch nahezu unbemerkt. Der Bundestag zieht der De-Mail nach 15 Jahren endgültig den Stecker.

Warum wurde De-Mail überhaupt eingeführt?

Vor genau 15 Jahren, im Mai 2011, startete De-Mail und brachte große Hoffnungen mit sich. Bürger sollten wichtige Dokumente und sensible Informationen künftig digital und rechtssicher versenden können. Und das, ohne lange Wartezeiten, Papierberge oder aufwendige Behördengänge. Gerade bei sensiblen Daten sollte somit eine sichere Alternative zur klassischen E-Mail geschaffen werden, die als anfällig für Betrug und Manipulation galt. Mit dem De-Mail-Dienst konnten sowohl Verträge und Anträge als auch amtliche Schreiben verbindlich verschickt werden. Dabei sollte der Dienst ähnlich funktionieren wie ein Einschreiben mit digitalem Zustellnachweis. Behörden und auch Banken und Unternehmen sollten dadurch schneller und effizienter kommunizieren können.

Warum konnte sich der Dienst nie durchsetzen?

Allen großen Erwartungen zum Trotz, blieb der Erfolg aus. Im Jahr 2019 nutzten gerade einmal rund eine Million Menschen den Dienst. Viele Behörden und Unternehmen setzten weiterhin lieber auf klassische Briefpost oder herkömmliche E-Mails. Auch wirtschaftlich lohnte sich das Angebot kaum und es gab Sicherheitsbedenken. Die Deutsche Telekom zog sich bereits vor mehreren Jahren zurück, später folgte auch United Internet. Als Letztes blieb nur noch die FP-Gruppe als Anbieter übrig. Privatkunden wurden bereits informiert, dass auch dort zum 31. Dezember dieses Jahres endgültig Schluss ist. Problematisch war auch, dass viele Behörden den Dienst nur schleppend oder gar nicht in ihre Abläufe integrierten. Dadurch fehlte vielen Bürgern auch der praktische Nutzen des Dienstes.

Wie funktionierte die Anmeldung bei De-Mail?

Eines der größten Ziele dieses Kommunikationsweges war Sicherheit. Aus diesem Grund mussten Nutzer ihre Identität eindeutig nachweisen, bevor sie den Dienst verwenden konnten. Dafür war meist eine persönliche Identifikation notwendig. Beispielsweise per Postident-Verfahren oder direkt vor Ort mit einer Ausweisprüfung. Erst anschließend wurde das Konto dann freigeschaltet. Ansonsten waren sichere Passwörter und weitere Authentifizierungsverfahren erforderlich. Doch genau diese komplizierte Einrichtung wurde später zu einem der größten Probleme des Systems. Viele Nutzer empfanden die Anmeldung als umständlich und wenig alltagstauglich.

Welche Sicherheitsprobleme sorgten für Kritik?

Obwohl die De-Mail als besonders sicher beworben wurde, gab es früh erhebliche Zweifel. Besonders kritisiert wurde anfangs das Fehlen einer echten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit Sicherheitsbehörden Nachrichten auf Schadsoftware prüfen konnten, waren Inhalte theoretisch für Provider oder Behörden einsehbar. Auch der Chaos Computer Club warnte vor Schwachstellen bei der sogenannten „beweisfesten Kommunikation“. Kritiker bemängelten unter anderem, dass nicht immer eindeutig nachvollziehbar sei, ob eine Nachricht tatsächlich vom eigentlichen Nutzer versendet worden sei. Bereits ein verlorenes Smartphone mit Zugangsdaten konnte potenziell missbraucht werden. Außerdem sorgte das Zustellprinzip für Diskussionen. Denn eine Nachricht galt bereits dann als zugestellt, sobald sie im De-Mail-Postfach eingegangen war. Ganz unabhängig davon, ob der Empfänger sie überhaupt gelesen hatte.

Wie ist der aktuelle Stand?

Der Bundestag hat jetzt das endgültige Ende beschlossen. Stimmt auch der Bundesrat zu, wird der Dienst offiziell zum Jahresende eingestellt. Damit endet eines der größten deutschen Digitalprojekte der vergangenen Jahre. Während andere Länder längst moderne digitale Bürgerdienste etabliert haben, blieb De-Mail für viele Menschen in Deutschland umständlich, kompliziert und kaum relevant im Alltag.

Was kommt nach der De-Mail?

Die Digitalisierung der Verwaltung soll dennoch weiter vorangetrieben werden. Künftig setzen Bund und Behörden verstärkt auf die Bund-ID, mit der sich Bürger online bei staatlichen Diensten anmelden können. Dabei erfolgt die Identifikation beispielsweise über den Personalausweis mit Online-Funktion. Zusätzlich arbeitet die EU an der sogenannten EUDI-Wallet. Eine digitale Brieftasche für den Ausweis, Führerschein und Zeugnisse. Bürger sollen damit ihre Identität europaweit sicher digital nachweisen können. Ziel ist eine deutlich einfachere, modernere und nutzerfreundlichere Lösung als die bisherige De-Mail.

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