
Hamburg bleibt das digital stärkste Bundesland Deutschlands. Das geht aus dem neuen Länderindex 2026 des IT-Branchenverbands Bitkom hervor. Mit deutlichem Abstand verteidigt die Hansestadt erneut den Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich der Digitalisierung. Überraschend stark entwickelt sich dagegen das Saarland, das im Ranking gleich sechs Plätze nach oben klettert.
Für den Länderindex wurden alle 16 Bundesländer anhand von 30 Indikatoren untersucht. Bewertet wurden die Bereiche digitale Verwaltung, Infrastruktur, Wirtschaft und Gesellschaft. Neben amtlichen Statistiken flossen auch Befragungen der Landesregierungen sowie eine repräsentative Umfrage unter mehr als 5.600 Bürgerinnen und Bürgern in die Auswertung ein.
Hamburg erneut Spitzenreiter
Mit 70,3 von 100 möglichen Punkten liegt Hamburg klar auf Platz 1. Dahinter folgen Berlin mit 63,8 Punkten und Hessen mit 63,7 Punkten nahezu gleichauf. Bayern und Baden-Württemberg komplettieren die Top 5.
Vor allem bei digitaler Infrastruktur und digitaler Wirtschaft setzt sich Hamburg deutlich ab. Ausschlaggebend sind unter anderem die starke Glasfaser- und Gigabitversorgung sowie die hohe Zahl an IT-Unternehmen und Fachkräften.
Die Top 10 des Länderindex 2026
| Platz | Bundesland | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Hamburg | 70,3 |
| 2 | Berlin | 63,8 |
| 3 | Hessen | 63,7 |
| 4 | Bayern | 62,6 |
| 5 | Baden-Württemberg | 61,8 |
| 6 | Saarland | 61,7 |
| 7 | Bremen | 60,6 |
| 8 | Nordrhein-Westfalen | 59,5 |
| 9 | Niedersachsen | 58,2 |
| 10 | Schleswig-Holstein | 57,9 |
Am unteren Ende des Rankings liegen Sachsen-Anhalt mit 52,4 Punkten sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 51,1 Punkten.
Saarland wird zum Überraschungssieger
Die auffälligste Entwicklung zeigt das Saarland. Das kleinste Flächenland verbessert sich von Platz 12 auf Platz 6 und erreicht in der Kategorie „Digitale Gesellschaft“ sogar den Spitzenplatz.
Als Gründe nennt der Länderindex insbesondere Fortschritte bei der digitalen Bildung. In allen Schulformen gibt es dort mindestens sechs Pflichtstunden Informatik. Zudem liegt der Anteil der Informatiklehrkräfte mit fünf Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Auffällige Entwicklungen im Überblick
- Hamburg bleibt führend bei digitaler Infrastruktur und IT-Wirtschaft.
- Hessen verbessert sich auf Platz 3 und überzeugt vor allem bei digitaler Verwaltung.
- Das Saarland steigt von Rang 12 auf Rang 6 auf.
- Ostdeutsche Länder punkten besonders bei digitaler Bildung und Teilhabe.
- Norddeutsche Länder liegen bei Glasfaser- und Gigabitnetzen vorn.
Norden stark bei Infrastruktur, Osten bei Bildung
Der Länderindex zeigt deutliche regionale Unterschiede. Während norddeutsche Länder wie Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen besonders bei Glasfaser- und Gigabitnetzen überzeugen, dominiert der Süden bei der digitalen Wirtschaft.
Ostdeutsche Bundesländer schneiden dagegen bei digitaler Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe überdurchschnittlich gut ab. Mecklenburg-Vorpommern erreicht in der Kategorie „Digitale Gesellschaft“ Platz 2, Sachsen Platz 3 und Thüringen Platz 4 – obwohl diese Länder im Gesamtranking deutlich weiter hinten liegen.
Regionale Schwerpunkte der Digitalisierung
| Bereich | Besonders starke Regionen |
|---|---|
| Digitale Infrastruktur | Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen |
| Digitale Wirtschaft | Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg |
| Digitale Bildung | Saarland, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern |
| Digitale Verwaltung | Hessen |
Bitkom fordert mehr Zusammenarbeit
Nach Ansicht von Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst profitieren digital starke Bundesländer häufig von wirtschaftlicher Stärke, dichter Besiedlung und einer ausgeprägten Forschungslandschaft. Gleichzeitig spielten aber auch politische Entscheidungen eine wichtige Rolle.
Der Verband empfiehlt unter anderem:
- Informatik als Pflichtfach ab der Sekundarstufe I,
- mehr Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte,
- schnellere Digitalisierung der Verwaltung,
- sowie einen beschleunigten Ausbau digitaler Infrastruktur.
Kritisch sieht Bitkom weiterhin die unterschiedlichen technischen Lösungen der Länder. Statt einzelner Insellösungen brauche es gemeinsame Standards und eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Hoffnung setzt der Verband dabei auf den sogenannten „Deutschland-Stack“, der Verwaltungsprozesse vereinheitlichen soll.
Methodik des Länderindex
Für den Länderindex 2026 hat Bitkom verschiedene Datenquellen zusammengeführt und ausgewertet. Grundlage waren unter anderem Befragungen aller 16 Landesregierungen sowie eine repräsentative Bevölkerungsumfrage mit 5.612 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Zusätzlich flossen zahlreiche amtliche Statistiken und externe Studien in die Analyse ein. Die einzelnen Ergebnisse wurden nach festgelegten Bewertungsschemata auf eine Skala von 0 bis 100 Punkten umgerechnet. Daraus entstanden sowohl die Bewertungen der vier Teilbereiche „Governance & Verwaltung“, „Digitale Infrastruktur“, „Digitale Wirtschaft“ und „Digitale Gesellschaft“ als auch die Gesamtwertung der Bundesländer. Ziel des Länderindex ist es, die digitalen Fortschritte und Unterschiede der Länder vergleichbar zu machen und Entwicklungen im Bereich Digitalisierung sichtbar zu machen.
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