Rätsel gelöst – Forscher entdecken Ursache für Akku-Selbstentladung

Rätsel gelöst – Forscher entdecken Ursache für Akku-Selbstentladung

Kanadischen Forschern der Dalhousie University ist es gelungen herauszufinden, weshalb sich Lithium-Ionen-Akkus mit der Zeit selbst entladen. Bei den Akkus, die unter anderem bei Smartphones, Notebooks oder E-Autos eingesetzt werden, kommt es zu einem schleichenden Leistungsverlust durch Lithiumablagerungen. Das Problem dieses Energieverlusts lässt sich jetzt, da die Ursache gefunden wurde, einfach lösen.

Wie sind die Forscher der Ursache auf den Grund gegangen?

Lithium-Ionen-Akkus sind aufgrund ihrer langen Haltbarkeit, der hohen Energiedichte sowie des vergleichsweisen geringen Gewichtes sehr beliebt und kommen daher bei vielen Geräten zum Einsatz. Doch die Akkus verlieren mit der Zeit ihre Ladung, selbst dann, wenn sie gar nicht in Gebrauch sind, was zu einem Energieverlust führt. Die Forscher rund um Sebastian Buechele sind dem Rätsel um die Selbstentladung auf die Spur gegangen. Mit dem Ziel, das Molekül zu finden, welches für die Selbstentladung verantwortlich ist. Von Wissenschaftlern wurde bereits seit Längerem angenommen, dass hinter dem Energieverlust ein sogenanntes Redox-Shuttle steckt. Hierbei handelt es sich um eine Reduktion-Oxidation, also eine Oxidation, die rückgängig gemacht wird: Elektroden werden aufgenommen, anstatt abgegeben.

„Für jedes Elektron, das auf diese Weise von der negativen zur positiven Elektrode transportiert wird, bewegt sich auch ein Lithium-Ion dorthin und verursacht so die Selbstentladung“, erklärt Studienleiter Buechele.

Um herauszufinden, welches elektrochemisch aktive Molekül hierfür verantwortlich ist, untersuchten die kanadischen Forscher verschiedene Lithium-Ionen-Akku-Typen im Detail. Untersucht wurden unter anderem auch NMC-Akkus, die in Smartphones zum Einsatz kommen. Der normalerweise farblose Elektrolyt verfärbt sich bei Erwärmung des Akkus. Daher setzten die Forscher die Batterien unterschiedlichen Temperaturen aus und untersuchten sowohl die chemische Zusammensetzung der einzelnen Bauteile sowie das elektrochemische Verhalten.

Zu welchem Ergebnis sind die Forscher gekommen?

Je stärker die Erwärmung, desto stärker verfärbt sich der Elektrolyt. Bei einer Temperatur über 25 Grad Celsius stellte das Team um Buechele eine gelbliche Verfärbung fest. Mit steigender Temperatur verfärbte sich das normalerweise farblose Elektrolyt orange und bei einer Temperatur über 70 Grad Celsius erreichte es letztendlich eine stark dunkelrote Farbe. Weiterhin ergaben die Messungen, dass ein Redox-Prozess abläuft. Anhand chemischer Untersuchungen mithilfe der Gaschromatografie-Massenspektrometrie gelang es dem Team schließlich herauszufinden, welches Molekül für die Selbstentladung verantwortlich ist:

„Unseren Expertinnen zufolge kommt nur Dimethyl-Terephthalat (DTM) als potenzielles Redox-Shuttle in den Elektrolyten infrage“, so der Studienleiter.

Diese Erkenntnis ist überraschend, denn hierbei handelt es sich um die Grundeinheit des bekannten Kunststoffes Plyethylen-Terephthalat, kurz PET. Die Ursache für die Selbstentladung der Batterien ist demnach ein simples, inaktives Bauteil des Lithium-Ionen-Akkus. PET-Klebeband wird bei den gängigen Akkus als Klebeband verwendet, um die Elektrodenschichten zusammenzuhalten. Das Ergebnis überrascht die Forscher: „Das hätten wir nie erwartet, weil niemand auf diese inaktiven Komponenten achtet. Aber es ist die chemische Zersetzung dieses Klebebands, die das Redox-Shuttle-Molekül erzeugt“, fasst Michael Metzger, Seniorautor der Studie zusammen. Künftig kann die Selbstentladung der Batterie also einfach dadurch verhindert werden, dass das PET-Klebeband durch eines aus einem weniger anfälligen Material ersetzt wird. Die kanadischen Forscher stehen hierfür bereits in Kontakt zu Herstellern.

Weitere Informationen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Digitale Steuerbescheide ab 2026 – Papier nur auf Wunsch

Digitale Steuerbescheide ab 2026

Papier nur auf Wunsch

Ab 2026 werden Steuerbescheide in Deutschland in der Regel nur noch digital bereitgestellt. Papier gibt es nur auf Wunsch. Was bedeutet das für Bürgerinnen, Bürger und Kanzleien? Hier erfährst du verständlich, was sich ändert – und wie du dich vorbereitest. […]

Scheinbarer App-Zwang – congstar wegen Irreführung verurteilt

Scheinbarer App-Zwang 

 congstar wegen Irreführung verurteilt

Die Telekom-Tochter congstar behauptete, ihr Online-Kundencenter werde 2025 abgeschaltet – und drängte damit Kunden zum App-Download. Doch das stimmte gar nicht. Ein Gerichtsurteil deckt nun auf, wie weit der vermeintliche App-Zwang wirklich ging. […]

Urteil – Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Urteil 

 Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Das Oberlandesgericht Bamberg hat in seinem Urteil entschieden, dass die Sperrung mehrerer Social-Media-Kanäle eines Influencers durch eine Plattformbetreiberin nicht ohne Weiteres zulässig ist. Insbesondere stellte das Gericht fest, dass die bloße Weiternutzung eines weiteren Kanals keine automatisierte Umgehung der Sperrmaßnahme darstellt. […]

United Internet & 1&1 - Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet & 1&1

Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet bündelt seine Telekommunikationsaktivitäten und verkauft die Netztochter 1&1 Versatel konzernintern an die 1&1 AG. Für Endkunden bleiben die bekannten Marken wie 1&1, IONOS, GMX oder WEB.DE bestehen. Der Artikel erklärt verständlich, welche Produkte die Unternehmen anbieten und was der mögliche Verkauf der Domain-Handelsplattform Sedo bedeutet. […]

Kritische Chrome-Lücke – Google veröffentlicht Notfall-Update

Kritische Chrome-Lücke

Google veröffentlicht Notfall-Update

Eine Chrome-Schwachstelle wurde aktiv von Cyberkriminellen ausgenutzt. Google hat mittlerweile ein Notfall-Update bereitgestellt, das dringend installiert werden sollte. Chrome-Nutzer müssen ihren Browser neu starten, um das Update zu aktivieren. […]