
Ein explodierender Fahrradakku setzt eine Wohnung in Brand, defekte Powerbanks im Flugzeug können Brände auslösen. Mittlerweile sind Lithiumbatterien nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Doch die damit einhergehenden Risiken werden oftmals unterschätzt. Insbesondere Beschädigungen und falsche Entsorgung können jedoch verheerende Folgen haben.
Warum werden Lithiumbatterien zur Gefahr?
Immer mehr Alltagsprodukte enthalten leistungsstarke Lithiumbatterien. Dazu zählen neben E-Bikes und Smartphones auch Powerbanks oder Einweg-Vapes. Werden die Produkte falsch gelagert, beschädigt oder unsachgemäß entsorgt, können sie Brände verursachen. Dabei kann es zu hohen Kosten für Versicherungen und zusätzliche Brandschutzmaßnahmen kommen, aber auch zu erheblichen Sachschäden. Wie schnell diese Gefahr zur Realität werden kann, zeigen konkrete Vorfälle. In Hannover brannte kürzlich eine Wohnung aus, nachdem ein Fahrradakku während des Ladevorgangs explodiert war (siehe Bild). Auch von Powerbanks, die sich an Bord von Flugzeugen entzünden, wurden bereits mehrere Fälle bekannt. Entsprechende Vorfälle zeigen, dass die Brandgefahr bei weitem nicht nur in Entsorgungsanlagen besteht, sondern Verbraucher auch zu Hause und unterwegs betreffen kann.
Wodurch kommt es zum Brand in einem Lithiumakku?
Lithiumbatterien können sich unter bestimmten Bedingungen stark erhitzen und innerhalb kürzester Zeit in Brand geraten. Besonders gefährlich wird es, wenn die Batterien beschädigt oder verformt sind. Zudem stellen aufgeblähte Akkus, Hitze, Stürze und Aufprälle ein Risiko dar. Denn die empfindlichen Zellen im Inneren können beschädigt werden. Überdies steigt das Risiko, wenn die Batterien gemeinsam mit anderen Gegenständen gelagert oder entsorgt werden. Denn wenn die Kontakte der Batterie mit anderen Metallteilen in Berührung kommen, kann ein Kurzschluss verursacht werden. Die Beschädigung einzelner Zellen oder der schützenden Membranen im Inneren, ist besonders gefährlich. Denn dadurch kann ein unkontrollierter Stromfluss entstehen, der den Akku stark erhitzt. Der enthaltene organische Elektrolyt kann sich dabei zersetzen und brennbare Gase freisetzen. Unter ungünstigen Bedingungen entzünden sich die Gase, während weitere chemische Reaktionen die Hitzeentwicklung verstärken. Hierbei kann der Lithiumakku explosionsartig abbrennen. Besonders problematisch ist, dass sich ein entsprechender Brand schnell ausbreitet und nur schwer kontrollierbar ist.
Warum verschärft die falsche Entsorgung das Problem?
Eine erhebliche Gefahr entsteht auch dann, wenn Batterien und akkubetriebene Geräte im falschen Abfall landen. Lithiumbatterien gehören weder in den Restmüll noch in andere ungeeignete Sammelbehälter. Denn wenn sie dort gepresst, gequetscht oder mechanisch beschädigt werden, können Kurzschlüsse und Brände entstehen. Insbesondere die kommunale Entsorgungswirtschaft ist von den Auswirkungen betroffen. Brände können nicht nur in der Mülltonne selbst, sondern auch im Entsorgungsfahrzeug oder in der Sortieranlage ausbrechen. Sie gefährden Beschäftigte und verursachen zudem Schäden. Teilweise kann sogar der Betrieb ganzer Anlagen vorübergehend lahmgelegt werden. Die Verbände des Bundesverbandes Sekundärstoffe und Entsorgung betonen jedoch, dass nicht das Sammeln, Sortieren oder Aufbereiten der Abfälle das eigentliche Problem darstellen. Vielmehr sei entscheidend, dass Lithiumbatterien und batteriehaltige Geräte nicht über die vorgesehenen Rückgabewege entsorgt werden. Selbst modernste Schutzmaßnahmen können solche Fehlentsorgungen nicht nachträglich verhindern.
Welche Verantwortung tragen die Hersteller und der Handel?
Die Hersteller sind in der Pflicht. Denn sie müssen deutlicher darüber informieren, welche Gefahren von den Batterien ausgehen und vor allem, wie ausgediente Akkus sicher zurückgegeben werden können. Vornehmlich bei kleineren Produkten wie Einweg-Vapes besteht das Problem, dass sie nach der kurzen Nutzung häufig im falschen Abfall entsorgt werden. Uwe Feige vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU e.V.) fordert daher mehr Aufklärung und eine stärkere Beteiligung der Hersteller an entstehenden Kosten:
„Zu viele Batterien und batteriehaltige Produkte landen noch immer in der falschen Tonne und gefährden Beschäftigte, Fahrzeuge und Anlagen der kommunalen Entsorgungswirtschaft. Hersteller und Handel müssen die Menschen deutlich besser über Brandgefahren und die richtigen Rückgabewege informieren. Einweg-Vapes stehen exemplarisch für ein Wegwerfprodukt mit hohem Schadenspotenzial: Sie werden häufig falsch entsorgt und verursachen erhebliche Brandrisiken. Der VKU spricht sich deshalb für ein Verbot von Einweg-Vapes aus. Zugleich müssen Hersteller die kommunalen Entsorger bei den Kosten für zusätzlichen Brandschutz, Präventionsmaßnahmen und Brandschäden unterstützen. Wer solche Produkte in Verkehr bringt, muss auch Verantwortung für die Folgen übernehmen.“
Seine Forderung macht deutlich, dass sichere Entsorgung nicht allein von der Aufmerksamkeit einzelner Verbraucher abhängt. Auch die Produktgestaltung, verständliche Hinweise und vor allem ein funktionierendes Rücknahmesystem spielen eine entscheidende Rolle.
Durch welche Maßnahmen sollen Brände künftig verhindert werden?
Das Bundesministerium hat einen Runden Tisch zu „Maßnahmen gegen Brandereignisse in der Abfallentsorgung“ einberufen. Die Verbände der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft begrüßen diesen Schritt. Ziel ist es, bestehende Sicherheitslücken zu schließen und die Zahl der durch falsch entsorgte Batterien ausgelösten Brände zu senken. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören insbesondere zusätzliche Schulungen für Beschäftigte kommunaler Entsorgungsbetriebe sowie ein Best-Practice-Leitfaden für eine verbraucherfreundliche Rücknahme von Elektrogeräten im Einzelhandel. Überdies soll ein Arbeitsgremium die Verbraucherkommunikation koordinieren, bewährte Aufklärungskampagnen weiterentwickeln sowie Brandgefahren stärker in den Mittelpunkt rücken. Zusätzlich wird geprüft, ob batteriebetriebene Elektrogeräte im Elektro- und Elektronikgerätegesetz einer gemeinsamen Sammelgruppe zugeordnet werden sollen. Die geplanten Schritte sollen sowohl die Rückgabe erleichtern als auch die Sicherheit in der Entsorgung verbessern. Im dritten Quartal 2027 sollen die Ergebnisse des Runden Tisches und die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen bei einem Folgetermin evaluiert werden.
Was sollten Verbraucher bei Rückgabe und Entsorgung beachten?
Mit der richtigen Handhabung können Verbraucher das Brandrisiko deutlich verringern. Es sollte vor allem darauf geachtet werden, die Batterien und Akkus nicht einfach achtlos wegzuwerfen. Wenn Geräte beschädigt sind, müssen diese besonders vorsichtig behandelt werden. Wichtig ist, dass Verbraucher die vorgesehenen Sammelstellen nutzen.
- Kostenlos zurückgeben: Batterien und Akkus können überall dort kostenlos abgegeben werden, wo entsprechende Batterien verkauft werden. Auch viele kommunale Wertstoffhöfe nehmen sie kostenlos an.
- Niemals im Restmüll entsorgen: Lithiumbatterien und akkubetriebene Geräte gehören auf keinen Fall in die Restmülltonne, den Papierabfall oder den Verpackungsmüll.
- Akkus nach Möglichkeit entnehmen: Lassen sich Batterien ohne Gefahr und entsprechend der Herstellerangabe aus einem Altgerät entfernen, sollten sie getrennt zurückgegeben werden. Fest verbaute Akkus sollten nicht gewaltsam ausgebaut werden.
- Pole abkleben: Bei herausnehmbaren Lithiumbatterien sollten die Kontakte vor der Abgabe mit Klebeband gesichert werden, um Kurzschlüsse zu vermeiden.
- Altgeräte getrennt sammeln: Batteriehaltige Elektrogeräte sollten getrennt von batteriefreien Altgeräten gesammelt werden.
- Beschädigte Akkus ernst nehmen: Aufgeblähte, verformte oder ungewöhnlich heiße Batterien dürfen nicht weiterverwendet oder eigenständig geöffnet werden. Sie sollten nicht in gewöhnliche Sammelboxen gelegt werden. Stattdessen ist eine geeignete Rückgabemöglichkeit mit der kommunalen Sammelstelle abzuklären.
- Bei Rauchentwicklung oder akuter Brandgefahr: unbedingt Abstand halten und die Feuerwehr informieren.
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