Urteil – Handy-Headset darf während der Fahrt an das Ohr gedrückt werden

Urteile Handy am Steuer

Das Handy am Steuer hat schon so manchen Autofahrer 40,– € Bußgeld gekostet. Eigentlich sollte inzwischen jedem Fahrzeugführer bekannt sein, dass das Telefon während der Fahrt nicht aufgenommen und in der Hand gehalten werden darf, ob für Telefonate oder zu einem anderen Zweck. Ob sich das Verbot auch auf ein Headset bezieht, das zum besseren Hören gegen das Ohr gedrückt wird, mussten Gerichte klären.

Ein Lkw-Fahrer hatte auf der Autobahn ein Bluetooth-Headset benutzt, um mit seinem Handy zu telefonieren. Das Headset war dank Bluetooth-Funkverbindung nicht durch ein Kabel mit dem Mobiltelefon verbunden, das in der Handyhalterung des Fahrzeugs eingelegt war. Es steckte durch eine Spange gehalten an dem Ohr des Fahrers. Um die Sprachqualität während des Telefonats zu verbessern, hatte er das Headset mit der Hand an sein Ohr gedrückt.

Das Amtsgericht Heilbronn hat den Mann im Dezember 2007 wegen verbotswidrigen Benutzens eines Mobiltelefons durch Halten des Hörers zu einer Geldbuße von 40,– € verurteilt. Es war nämlich überzeugt, dass das Headset als Hörer des als fest einzubauenden (weil in der Halterung befestigten) Telefons zu betrachten sei, der laut Straßenverkehrsordnung (StVO) während der Fahrt nicht in der Hand gehalten werden darf.

Das Oberlandesgericht Stuttgart revidierte das Urteil des Amtsgerichts. Diese Auslegung des entsprechenden Paragrafen der StVO werde dessen Wortlaut sowie Sinn und Zweck nicht gerecht. Der Gesetzgeber wolle mit der Regelung offensichtlich verhindern, dass der Fahrer einen Gegenstand in der Hand hält, den er im Ernstfall nicht ohne Weiteres loslassen könne. Schließlich soll er beim Fahren beide Hände frei haben.

Die Benutzung des Headsets sei nicht mit der Aufnahme oder dem Halten des Hörers eines Autotelefon gleichzusetzen, weil das Headset nicht mit der Hand gehalten werden muss. Es besitze eine eigenständige Befestigung an dem Kopf des Fahrers. Dass der Fahrer das Headset zur Verbesserung der Hörqualität mit der Hand ans Ohr gedrückt hat, änderte an der grundsätzlich andersartigen Funktionsweise nichts. Das Urteil des Amtsgerichts wurde aufgehoben und der Lkw-Fahrer wurde freigesprochen.

Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart, Aktz. 1 Ss 187/08 vom 16.06.2008, Vorinstanz Amtsgericht Heilbronn vom 10. Dezember 2007.

Weitere Informationen

Gerichtsurteile – Handy

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Neuer Schufa-Score – ab morgen erhalten Verbraucher mehr Transparenz

Neuer Schufa-Score

Ab morgen erhalten Verbraucher mehr Transparenz

Die Schufa stellt ihr Bonitätssystem um. Statt Prozentwerten gibt es ab morgen einen Score bis zu 999 Punkten. Hintergrund sind Urteile des Europäischen Gerichtshofs und Forderungen nach mehr Transparenz. Verbraucherschützer warnen jedoch weiterhin vor möglichen Benachteiligungen. […]

„Treuestrafe“ – loyale Stromanbieter-Kunden zahlen Milliarden zu viel

„Treuestrafe“

Loyale Stromanbieter-Kunden zahlen Milliarden zu viel

Viele Stromkunden bleiben ihrem Anbieter treu und zahlen dafür oft deutlich höhere Preise. Eine Studie der RWTH Aachen zeigt, dass viele Bestandskunden jährlich Milliarden zu viel zahlen. Wer regelmäßig Tarife vergleicht oder den Anbieter wechselt, kann mehrere hundert Euro im Jahr sparen. […]

WhatsApp-News – Eltern-Konto für Kinder ab 10 Jahren geplant

WhatsApp-News

Eltern-Konto für Kinder ab 10 Jahren geplant

Der beliebte Messenger WhatsApp plant, ein spezielles Kinder-Konto einzuführen. Kinder ab zehn Jahren sollen den Dienst künftig nutzen können. Allerdings nur mit Zustimmung und Kontrolle der Eltern. Diese können Kontakte und Datenschutz-Einstellungen festlegen. […]

OLG Frankfurt – Zimmeranfrage ist noch keine Hotelbuchung

OLG Frankfurt

Zimmeranfrage ist noch keine Hotelbuchung

Eine scheinbar harmlose Zimmeranfrage kann teuer werden – oder eben nicht. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat entschieden, wann eine Hotelreservierung rechtlich verbindlich ist und wann nicht. Im konkreten Fall ging es um rund 10.000 Euro – und um die Frage, ob eine einfache E-Mail bereits einen Vertrag begründet. […]

Internet zu langsam? Wenn versprochene Bandbreite nicht ankommt

Internet zu langsam

Wenn versprochene Bandbreite nicht ankommt

Hohe Geschwindigkeiten stehen in vielen Internetverträgen – doch im Alltag kämpfen Nutzer oft mit schwankender Bandbreite und instabilen Verbindungen. Woran das liegt und wann technische Probleme sogar zum Streitfall werden können. […]