
Ein kurzer Anruf von einer unbekannten Nummer, das Handy klingelt nur einmal – schon steht ein verpasster Anruf im Display. Wer aus Neugier zurückruft, kann in eine Kostenfalle geraten. Hinter solchen sogenannten Ping-Anrufen steckt mitunter gezielter Rückrufbetrug. Eine ähnliche Masche funktioniert mit Lock-SMS, die durch erfundene Geschichten zu einem Anruf oder einer Antwort verleiten sollen.
Die Betrüger setzen darauf, dass Empfänger wissen möchten, wer sie kontaktiert hat. Besonders riskant sind Rückrufe auf unbekannte Auslandsnummern oder kostenpflichtige Sonderrufnummern. Allerdings ist nicht jeder verpasste Anruf automatisch ein Betrugsversuch.
Was sind Ping-Anrufe und Lock-SMS?
Ein Ping-Anruf, auch Ping-Call oder Lockanruf genannt, ist ein meist sehr kurzer Telefonanruf, der einen Rückruf provozieren soll. Häufig klingelt das Smartphone nur einmal. Der Anrufer legt auf, bevor der Angerufene das Gespräch annehmen kann.
Bei einer Lock-SMS versuchen Betrüger dagegen, die Empfänger mit einer Nachricht zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Beispielsweise wird behauptet, ein dringendes Problem müsse telefonisch geklärt werden. Die angegebene Rückrufnummer kann kostenpflichtig sein. Andere Nachrichten sollen persönliche Daten abfragen oder auf betrügerische Internetseiten locken.
Beide Betrugsmaschen nutzen Neugier, Unsicherheit oder vermeintliche Dringlichkeit. Die technischen Abläufe unterscheiden sich jedoch.
Wie funktioniert der Betrug mit Ping-Anrufen?
Bei einem klassischen Ping-Anruf wählen Betrüger zahlreiche Telefonnummern an und beenden die Verbindung nach kurzer Zeit. Auf dem Handy erscheint anschließend ein entgangener Anruf. Wer die angezeigte Nummer zurückruft, stellt möglicherweise eine teure Auslandsverbindung her. Teilweise wird der Anrufer anschließend durch eine Bandansage oder ein künstlich verlängertes Gespräch möglichst lange in der Leitung gehalten.
Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, dass bestimmte internationale Vorwahlen deutschen Ortsvorwahlen ähneln. Beispielsweise beginnt die Landesvorwahl von Madagaskar mit +261 beziehungsweise 00261. Die deutsche Ortsvorwahl von Koblenz lautet dagegen 0261.
Wer nicht auf die vollständige Nummer achtet, kann eine internationale Verbindung mit einem gewöhnlichen Inlandsgespräch verwechseln.
Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Nummernbereichen bietet die telespiegel-Übersicht der kostenpflichtigen Sonderrufnummern und Servicenummern.
Ping-Anruf angenommen: Entstehen bereits Kosten?
Nein. Wer in Deutschland einen gewöhnlichen eingehenden Anruf annimmt, muss dafür normalerweise nichts bezahlen. Das gilt auch dann, wenn der Anrufer eine ausländische Rufnummer verwendet. Allein durch das Annehmen eines Ping-Anrufs entsteht im deutschen Mobilfunknetz üblicherweise keine zusätzliche Verbindungsgebühr.
Anders kann es beim Rückruf aussehen. Dann wird selbst eine Verbindung aufgebaut, für die möglicherweise hohe Gebühren anfallen.
Eine wichtige Ausnahme sind eingehende Anrufe beim Roaming außerhalb der EU beziehungsweise außerhalb des jeweils geltenden regulierten Roamingbereichs. Dort können auch für angenommene Anrufe Kosten entstehen.
Die Kosten hängen somit entscheidend davon ab, ob der Anruf lediglich angenommen oder eine kostenpflichtige Verbindung selbst hergestellt wurde.
Unbekannte Nummer zurückrufen: Wann wird es teuer?
Nicht jede unbekannte Telefonnummer ist gefährlich. Trotzdem sollte vor einem Rückruf geprüft werden, ob die Rufnummer plausibel ist und ob ein Anruf aus dem entsprechenden Land erwartet wird.
| Situation | Mögliche Kosten | Empfehlung |
|---|---|---|
| Ping-Anruf nicht angenommen | Normalerweise keine | Nicht ungeprüft zurückrufen |
| Ping-Anruf in Deutschland angenommen | Normalerweise keine zusätzlichen Kosten | Bei Verdacht Gespräch beenden |
| Unbekannte Auslandsnummer zurückgerufen | Je nach Land und Tarif möglicherweise hoch | Verbindung beenden und Kosten prüfen |
| Kostenpflichtige Sonderrufnummer gewählt | Abhängig von Rufnummer und Tarif | Preisangaben und Rechnung kontrollieren |
| Lock-SMS nur gelesen | Normalerweise keine zusätzlichen Kosten | Nachricht löschen oder melden |
| Auf eine Lock-SMS geantwortet | Je nach Zielrufnummer und Tarif möglich | Keine weiteren Nachrichten senden |
| Eingehenden Anruf außerhalb der EU im Roaming angenommen | Je nach Reiseland und Tarif möglich | Roamingbedingungen beachten |
Bei Anrufen ins Ausland gibt es keinen einheitlichen Minutenpreis. Entscheidend sind unter anderem das Zielland, die verwendete Rufnummer und der gebuchte Telefontarif. Eine Telefonflatrate für Deutschland deckt internationale Gespräche normalerweise nicht automatisch ab.
Lock-SMS erkennen: Typische Nachrichten der Betrüger
Während Ping-Anrufe vor allem auf einen Rückruf abzielen, arbeiten Lock-SMS mit kurzen, häufig persönlich formulierten Nachrichten.
Typische Beispiele sind:
- „Bitte ruf mich dringend zurück. Es ist etwas passiert.“
- „Ich habe versucht, dich zu erreichen. Melde dich bitte.“
- „Es gibt ein Problem mit deinem Konto. Ruf sofort diese Nummer an.“
- „Du hast eine wichtige Nachricht erhalten. Weitere Informationen unter …“
Diese Formulierungen sind Beispiele und keine zuverlässigen Erkennungsmerkmale. Auch eine Nachricht mit einem vertrauten Absendernamen kann betrügerisch sein. Besonders vorsichtig sollten Empfänger werden, wenn eine unbekannte Person Druck ausübt, eine ungewöhnliche Rückrufnummer angibt oder zur Eingabe persönlicher Daten auffordert.
Bei Nachrichten mit angeblichen Gewinnbenachrichtigungen, Paketproblemen oder Sicherheitswarnungen können zusätzlich Phishing und betrügerische Links eine Rolle spielen.
Ein weiterer Kostenbereich sind Premium-SMS und kostenpflichtige Mehrwert-SMS. Deren Abrechnung funktioniert allerdings anders als der klassische Rückruf auf eine Auslandsnummer.
Kann die Anruferkennung manipuliert werden?
Ja. Die im Display angezeigte Telefonnummer muss nicht zwangsläufig die tatsächliche Rufnummer des Anrufers sein.
Bei einer Technik namens Call-ID-Spoofing wird die übermittelte Rufnummer manipuliert. Dadurch kann insbesondere der Eindruck entstehen, eine Bank, Behörde oder ein bekanntes Unternehmen würde anrufen.
Die Rufnummernanzeige (CLIP) zeigt grundsätzlich die übermittelte Nummer an. Sie ist aber kein zuverlässiger Identitätsnachweis.
Deshalb gilt: Auch eine deutsche Telefonnummer oder eine vermeintlich bekannte Rufnummer garantiert nicht, dass der Anruf seriös ist. Bei verdächtigen Anrufen von angeblichen Banken oder Behörden sollte die Verbindung beendet und die jeweilige Einrichtung ausschließlich über eine selbst recherchierte offizielle Telefonnummer kontaktiert werden.
Ping-Anrufe sperren: So geht es auf dem Smartphone
Wiederholte Ping-Anrufe von derselben Nummer lassen sich auf vielen Smartphones direkt über die Anrufliste blockieren.
Ping-Anrufe auf Android blockieren
- Telefon-App öffnen.
- Anrufliste beziehungsweise letzte Anrufe aufrufen.
- Verdächtige Telefonnummer auswählen.
- Je nach Gerät „Blockieren“, „Nummer sperren“ oder „Spam melden“ auswählen.
Die genaue Bezeichnung unterscheidet sich nach Hersteller und Android-Version. Viele Android-Smartphones bieten außerdem eine Spam-Erkennung in der Telefon-App.
Ping-Anrufe auf dem iPhone blockieren
- Telefon-App öffnen.
- Die Liste der letzten Anrufe aufrufen.
- Die Informationen zur betreffenden Telefonnummer öffnen.
- Die Option zum Blockieren des Anrufers auswählen.
Daneben bietet iOS je nach Version weitere Funktionen, um unbekannte Anrufer zu filtern oder stummzuschalten.
Eine ausführliche Übersicht zu solchen Einstellungen gibt es im telespiegel-Ratgeber „Anrufersperre: Unerwünschte Anrufe blockieren“.
Wichtig: Das Blockieren einer eingehenden Nummer verhindert nicht automatisch, dass versehentlich teure ausgehende Verbindungen gewählt werden. Dafür können zusätzliche Wahlsperren sinnvoll sein.
Wie lassen sich teure Rückrufe verhindern?
Wer sich vor Rückrufbetrug schützen möchte, kann mehrere Maßnahmen miteinander kombinieren:
- Unbekannte Nummern nicht reflexartig zurückrufen.
- Internationale Landesvorwahlen vor einem Rückruf prüfen.
- Verdächtige Rufnummern auf dem Smartphone blockieren.
- Spam-Erkennung des Smartphones verwenden.
- Beim Mobilfunkanbieter gegebenenfalls Sperren für bestimmte abgehende Rufnummernbereiche einrichten lassen.
- Bei Auslandsaufenthalten die Kosten für eingehende und abgehende Anrufe beachten.
- Verdächtige SMS weder beantworten noch enthaltene Links ungeprüft öffnen.
Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass Mobilfunkanbieter bestimmte Rufnummernbereiche, beispielsweise (0)900, auf Wunsch unentgeltlich netzseitig sperren können. Eine solche Sperre schützt allerdings nicht automatisch vor teuren internationalen Verbindungen.
Für unerwünschte Abrechnungen durch Drittanbieter gibt es außerdem die Drittanbietersperre beim Handy. Sie ist ein zusätzlicher Schutz vor bestimmten Abofallen, ersetzt aber keine Sperre für kostenpflichtige Telefonverbindungen.
Ping-Anruf zurückgerufen: Was tun, wenn Kosten entstanden sind?
Wer eine verdächtige Rufnummer bereits zurückgerufen hat, sollte zunächst die Verbindung beenden. Anschließend empfiehlt es sich, den Vorfall zu dokumentieren und die Abrechnung zu kontrollieren.
- Anruf dokumentieren: Rufnummer, Datum, Uhrzeit und möglichst die Gesprächsdauer festhalten.
- Mobilfunkanbieter kontaktieren: Nachfragen, welche Verbindungskosten entstanden sind und ob vorsorgliche Sperren möglich sind.
- Rechnung kontrollieren: Die betreffenden Positionen und gegebenenfalls den Einzelverbindungsnachweis prüfen.
- Forderung beanstanden: Bei zweifelhaften oder missbräuchlich verursachten Kosten rechtzeitig schriftlich widersprechen.
- Bundesnetzagentur informieren: Den verdächtigen Ping-Anruf über das zuständige Beschwerdeformular melden.
Der telespiegel-Ratgeber „Telefonrechnung reklamieren: So gehen Verbraucher vor“ erläutert das Vorgehen bei strittigen Rechnungspositionen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer ungewöhnlich hohen, aber tariflich korrekt abgerechneten Verbindung und einer rechtswidrigen Rufnummernnutzung. Nicht jeder unerwünschte Rückruf führt automatisch zu einem Erstattungsanspruch.
Ping-Anrufe bei der Bundesnetzagentur melden
Die Bundesnetzagentur nimmt Beschwerden über Ping-Anrufe und andere Formen des Rufnummernmissbrauchs entgegen. Dafür gibt es ein spezielles Beschwerdeverfahren.
Betroffene sollten möglichst folgende Angaben bereithalten:
- die angezeigte Telefonnummer,
- Datum und Uhrzeit des Anrufs,
- Angaben dazu, wie lange das Telefon geklingelt hat,
- Informationen zu einem eventuellen Rückruf,
- eine Beschreibung möglicher Bandansagen oder Gesprächsinhalte,
- gegebenenfalls Belege für entstandene Kosten.
Die Behörde kann bei festgestelltem Rufnummernmissbrauch unter anderem Rufnummern abschalten sowie Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote anordnen. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch bereits eingezogene Entgelte betroffen sein.
Eine Übersicht über Ping-Anrufe, aktuelle Maßnahmen und Schutzmöglichkeiten bietet die Bundesnetzagentur. Dort sind auch Informationen zur Beschwerde erhältlich.
Häufige Fragen zu Ping-Anrufen und Lock-SMS
Was ist ein Ping-Anruf?
Ein Ping-Anruf ist ein kurzer Anruf, bei dem meist sofort wieder aufgelegt wird. Ziel eines betrügerischen Ping-Anrufs ist es, einen Rückruf auf eine möglicherweise teure Rufnummer auszulösen.
Ist es gefährlich, einen Ping-Anruf anzunehmen?
Das bloße Annehmen ist in Deutschland normalerweise nicht mit zusätzlichen Verbindungskosten verbunden. Gefährlich kann vor allem der anschließende Rückruf sein. Beim Roaming außerhalb der EU können auch für angenommene Gespräche Gebühren anfallen.
Was passiert, wenn ich eine unbekannte Nummer zurückrufe?
Das hängt von der Zielrufnummer ab. Bei gewöhnlichen Inlandsgesprächen gelten die vereinbarten Tarifbedingungen. Bei Auslandsnummern oder kostenpflichtigen Sonderrufnummern können zusätzliche Gebühren entstehen.
Wie erkenne ich einen Ping-Call-Betrug?
Typisch sind sehr kurze Anrufe unbekannter Nummern, insbesondere aus Ländern, zu denen keine Kontakte bestehen. Ein einzelner kurzer Anruf ist allerdings noch kein Beweis für einen Betrugsversuch.
Kann ich alle Ping-Anrufe sperren?
Eine vollständige Sperre sämtlicher Ping-Anrufe ist kaum möglich, weil Betrüger unterschiedliche oder manipulierte Rufnummern verwenden können. Spamfilter, das Blockieren auffälliger Nummern und Sperren für bestimmte abgehende Verbindungen reduzieren jedoch das Risiko.
Was kostet ein Rückruf auf eine ausländische Nummer?
Die Kosten richten sich nach dem Zielland und dem jeweiligen Telefonanbieter. Internationale Anrufe sind nicht grundsätzlich in einer deutschen Allnet-Flatrate enthalten. Vor einem Rückruf sollten deshalb die geltenden Auslandstarife geprüft werden.
Sind Lock-SMS und Premium-SMS dasselbe?
Nein. Eine Lock-SMS soll den Empfänger zu einer Handlung verleiten, beispielsweise zum Rückruf. Eine Premium-SMS ist dagegen eine technische Abrechnungsform für kostenpflichtige Kurznachrichtendienste. Beide können bei unseriöser Verwendung zu Kostenfallen werden.
Gibt es aktuelle Listen mit betrügerischen Ping-Anruf-Nummern?
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht Informationen zu Maßnahmen gegen Rufnummernmissbrauch. Eine allgemeine Liste kann jedoch keinen vollständigen Schutz bieten, weil sich verwendete Nummern schnell ändern und angezeigte Rufnummern teilweise manipuliert werden können.
Fazit: Unbekannte Rückrufnummern zuerst prüfen
Ping-Anrufe und Lock-SMS sind einfache, aber weiterhin relevante Betrugsmaschen. Die Kosten entstehen bei klassischen Ping-Anrufen normalerweise nicht durch das Klingeln oder Annehmen, sondern durch einen anschließenden kostenpflichtigen Rückruf.
Wer eine unbekannte Nummer zunächst überprüft, verdächtige Anrufe blockiert und strittige Rechnungspositionen dokumentiert, kann das Risiko deutlich reduzieren. Im Verdachtsfall ist die Bundesnetzagentur eine wichtige Anlaufstelle.