Laden von E-Autos brachte Geld – Wie kommt es zu negativen Strompreisen

Laden von E-Autos brachte Geld – wie kommt es zu negativen Strompreisen

Am vergangenen Sonntag war es hierzulande sehr sonnig, wodurch es zu einer ungewöhnlichen Situation kam. Strom war zeitweise so reichlich vorhanden, dass Verbraucher für dessen Nutzung bezahlt wurden. Menschen mit sogenannten dynamischen Stromtarifen konnten von der Situation profitieren.

Warum kann es „zu viel“ Strom geben?

Negative Strompreise entstehen dann, wenn mehr Energie produziert wird, als gleichzeitig verbraucht werden kann. Genau das passierte auch am vergangenen Sonntag. Durch intensive Sonneneinstrahlung erzeugten Photovoltaikanlagen enorme Mengen Strom. Zeitweise sogar mehr, als benötigt wurde. So lag die Produktion zur Mittagszeit bei rund 53 Gigawatt, während der Verbrauch nur etwa 50 Gigawatt betrug. Dieser Überschuss führte dazu, dass Strom an der Börse praktisch „verschenkt“ wurde. In der Spitzenzeit um 14 Uhr sogar mit einem Bonus von bis zu 48 Cent pro Kilowattstunde. Für Haushalte bedeutet das: Wer Strom verbrauchte, bekam dafür Geld. Allerdings gilt das nur eingeschränkt, da auf den Börsenpreis noch Steuern, Umlagen und Netzentgelte aufgeschlagen werden. Trotz dessen konnten Verbraucher zeitweise rund 40 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde verdienen.

Wer profitiert von solchen Strompreisen?

Besonders profitieren konnten Haushalte mit sogenannten dynamischen Stromtarifen. Bei diesen Tarifen orientiert sich der Preis direkt am aktuellen Börsenwert und kann sich dadurch mehrmals täglich ändern. Vor allem Menschen mit hohem Stromverbrauch haben durch entsprechende Tarife Vorteile. Etwa Besitzer von Elektroautos oder Wärmepumpen. Wer etwa sein E-Auto während der Phase negativer Preise an einer heimischen Wallbox lud, konnte nicht nur kostenlos Strom tanken, sondern zusätzlich eine Prämie erhalten. Bei einer typischen Ladeleistung kamen so fast neun Euro zusammen. Weniger Glück hatten dagegen Nutzer öffentlicher Ladesäulen. Denn dort gelten meist feste Preise, die sich nicht an kurzfristigen Marktschwankungen orientieren. Dieses starre Preismodell gilt als eines der größten Hindernisse, um den Stromverbrauch flexibler an das Angebot anzupassen.

Welche negativen Folgen entstehen durch negative Strompreise?

So attraktiv das Ganze für einzelne Verbraucher ist, so bringt es auch Herausforderungen mit sich. Hierbei ist die Finanzierung ein wesentlicher Punkt. Denn viele Betreiber von Anlagen für erneuerbare Energien erhalten eine feste Vergütung, unabhängig vom aktuellen Marktpreis. Diese wird über staatliche Mittel abgesichert, letztendlich also durch Steuergelder. Das bedeutet, dass selbst wenn Strom im Überfluss vorhanden ist und eigentlich keinen Wert mehr hat, seine Produktion weiterhin vergütet wird. Dadurch kommt es überhaupt erst dazu, dass extreme negative Preise entstehen können. Situationen wie am vergangenen Sonntag zeigen auch, dass es bezüglich Speichermöglichkeiten und flexibler Nutzung noch Nachbesserungsbedarf gibt. Überschüssiger Strom kann häufig nicht sinnvoll genutzt oder gespeichert werden. Allerdings handelt es sich bei der Situation auch nicht um ein einmaliges Ereignis. Bereits in den ersten Monaten dieses Jahres gab es in Deutschland 135 Stunden mit negativen Strompreisen.

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