Urteil des BGH – Kein Hinweis auf ausgeschlossene Preselection bei Flatrate-Werbung

Urteil des BGH

Telefonkunden mit einem Telefonanschluss von der Dt. Telekom können für ausgehende Telefonate Call-by-Call und Preselection verwenden. Sie haben also die Möglichkeit, durch eine Vor-Vorwahl über einen alternativen Anbieter zu telefonieren, der günstigere Preise als ihr Telefonanbieter offeriert. Diese Freiheit haben andere Telefonkunden nicht, denn nur die Dt. Telekom ist verpflichtet, ihren Kunden Telefonate über andere Anbieter zu ermöglichen.

Weil ein Telefonanbieter sein Produkt beworben hatte, ohne darauf hinzuweisen, dass Preselection an seinem Telefonanschluss nicht möglich ist, wurde er von der Dt. Telekom verklagt. Es handelte sich um eine Flatrate für Telefonate in das deutsche Festnetz. Diesen Telefontarif bewarb ein Kabelnetzbetreiber in Beilagen einer Wochenzeitung. Die Werbung sei wettbewerbswidrig, klagte die Dt. Telekom, denn sie informiere die potentiellen Kunden nicht darüber, dass an dem Telefonanschluss des Kabelnetzbeteibers keine Voreinstellung auf andere Anbieter möglich sei. Der Bundesgerichtshof erklärte, würde der Kunde zu seiner Flatrate eine Preselection eines anderen Anbieters beauftragen, würde er sich im Gegensatz zu dem flexiblen Call-by-Call Verfahren zunächst dauerhaft an einen anderen Anbieter binden. Das sei aber für den Verbraucher wirtschaftlich nicht sinnvoll, weil er die Nutzung der Flatrate für Festnetz-Telefonate unterbinden würde und zudem weitere monatliche und nutzungsbedingte Kosten entstehen würden. Durch den unterlassenen Hinweis darauf, dass an dem Anschluss keine Preselection geschaltet werden kann, entstehe dem Verbraucher also kein Schaden.

Bundesgerichtshof, Aktz. I ZR 124/08 vom 22.10.2009

Vorinstanzen

LG Frankfurt/Main, Aktz. 3/12 O 181/06 vom 04.05.2007
OLG Frankfurt/Main, Aktz. 6 U 108/07 vom 29.05.2008

Weitere Informationen

Gerichtsurteile Festnetz

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Digitale Steuerbescheide ab 2026 – Papier nur auf Wunsch

Digitale Steuerbescheide ab 2026

Papier nur auf Wunsch

Ab 2026 werden Steuerbescheide in Deutschland in der Regel nur noch digital bereitgestellt. Papier gibt es nur auf Wunsch. Was bedeutet das für Bürgerinnen, Bürger und Kanzleien? Hier erfährst du verständlich, was sich ändert – und wie du dich vorbereitest. […]

Scheinbarer App-Zwang – congstar wegen Irreführung verurteilt

Scheinbarer App-Zwang 

 congstar wegen Irreführung verurteilt

Die Telekom-Tochter congstar behauptete, ihr Online-Kundencenter werde 2025 abgeschaltet – und drängte damit Kunden zum App-Download. Doch das stimmte gar nicht. Ein Gerichtsurteil deckt nun auf, wie weit der vermeintliche App-Zwang wirklich ging. […]

Urteil – Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Urteil 

 Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Das Oberlandesgericht Bamberg hat in seinem Urteil entschieden, dass die Sperrung mehrerer Social-Media-Kanäle eines Influencers durch eine Plattformbetreiberin nicht ohne Weiteres zulässig ist. Insbesondere stellte das Gericht fest, dass die bloße Weiternutzung eines weiteren Kanals keine automatisierte Umgehung der Sperrmaßnahme darstellt. […]

United Internet & 1&1 - Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet & 1&1

Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet bündelt seine Telekommunikationsaktivitäten und verkauft die Netztochter 1&1 Versatel konzernintern an die 1&1 AG. Für Endkunden bleiben die bekannten Marken wie 1&1, IONOS, GMX oder WEB.DE bestehen. Der Artikel erklärt verständlich, welche Produkte die Unternehmen anbieten und was der mögliche Verkauf der Domain-Handelsplattform Sedo bedeutet. […]

Kritische Chrome-Lücke – Google veröffentlicht Notfall-Update

Kritische Chrome-Lücke

Google veröffentlicht Notfall-Update

Eine Chrome-Schwachstelle wurde aktiv von Cyberkriminellen ausgenutzt. Google hat mittlerweile ein Notfall-Update bereitgestellt, das dringend installiert werden sollte. Chrome-Nutzer müssen ihren Browser neu starten, um das Update zu aktivieren. […]