Datenschutz – Google stoppt Cookie-Tracking und setzt auf neues Konzept

Google stoppt Cookie-Tracking und setzt auf neues Konzept

Der US-amerikanische Tech-Riese Google besitzt den größten Anteil am digitalen Werbemarkt, denn auf rund 85,6 Prozent aller Webseiten ist die Tracking-Software von Google versteckt. Jährlich nimmt der Konzern rund 290 Milliarden US-Dollar mit digitaler Werbung ein. Doch nun stoppt Google die personalisierte Werbung und reagiert damit auf den zunehmenden Wunsch von Nutzern und Politik nach mehr Datenschutz.

Google schafft Cookie-Tracking ab

Konkurrenten wie Safari und Firefox sind bereits ähnliche Schritte gegangen – und auch der Druck auf Google von Seiten der Politik und Datenschutzbehörden ist groß. Nun schafft der Tech-Riese das Cookie-Tracking ab und verzichtet auch auf Ersatz-Methoden.

„In den USA sind es die Kartellverfahren, aber auch die Politik, die langsam gegen Google vorgehen – aber auch die Nutzer. Dabei war das lange Zeit – gerade in den USA – nicht der Fall. Aber die User erwarten jetzt wirklich, dass sie im Netz mehr Privatsphäre bekommen“, erklärt Tech-Blogger Frederic Lardinois vom Branchendienst Techcrunch in Portland

Was steckt hinter dem Cookie-Tracking?

Das Abschaffen von Cookie-Tracking bedeutet, dass der Google-Chrome-Browser in Zukunft keine Cookies mehr, die von Dritten gesetzt werden. Diese werden als Third-Party-Cookies bezeichnet und von Dritten gesetzt, also nicht durch die Website auf der aktuell gesurft wird. Bei den Dritten handelt es sich meist um Inserenten, die auf der entsprechenden Website Werbung schalten. Die Cookies erlauben es den Werbenetzwerken bisher, persönliche Profile eines Nutzers zu erstellen. Basierend auf diesen Profilen, kann dann Werbung ausgespielt werden. Künftig soll das Surfverhalten der User nicht mehr über mehrere Webseiten hinweg nachverfolgt werden. Dieser Schritt gilt zunächst ausschließlich für PCs.

Auf welches Konzept setzt Google in Zukunft?

Das US-Unternehmen verspricht künftig den Datenschutz im Web an erste Stelle zu setzen und setzt auf pseudonymisiertes Gruppen-Tracking. Laut dem Konzern könne auch das Zuordnen in Interessengruppen eine effiziente Werbung ermöglichen. Das dahintersteckende Konzept heißt Federated Learning of Cohorts, kurz FLoC. Ermöglichen soll das Verfahren eine gezielte Auslieferung von zugeschnittener Werbung unter gleichzeitiger Wahrung der Privatsphäre der User: kurz gesagt eine personalisierte Werbung ohne Nutzerprofile. Hierzu wird das Targeting in den Browser verlegt.

Wie funktioniert das FLoC-Konzept?

  • Browser-Verlauf wird in unscharfe Hash-Werte umgerechnet
  • Nutzer mit ähnlichen Suchgewohnheiten errechnen denselben Hash-Wert
  • Teil des Hash-Wertes wird mit Google-Server geteilt
  • Interessengruppen werden erstellt
  • Google-Server stellt sicher, dass die adressierbaren Gruppen eine gewisse Mindestgröße haben, damit die einzelnen User nicht mehr identifiziert werden können
  • Werbekunden können nur Gruppen als Ganzes adressieren und nicht mehr auf die Identität einzelner Nutzer zugreifen
  • Zuteilung der Gruppen soll lokal auf dem Rechner des Users passieren

„Solange ich einer Gruppe zugeordnet werde, die bestimmte Interessen teilt, ist die Datenschutzgrundverordnung berührt und natürlich sind das auch sensible Daten, aus denen sich viel Persönliches ableiten lässt“, kritisiert Datenschützer Matthias Eberl.

Bereits in diesem Monat soll das FLoC-Konzept in den Google-Chrome-Browser integriert werden. Allerdings wird Google Cookies, die vom selben Server kommen, wie die gerade aufgerufene Webseite, nicht antasten. Darüber hinaus können auch Werbetreibende bei Google-eigenen-Diensten die User auch künftig einzeln ansprechen.

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