Social Edutainment – Viele Schüler bevorzugen Influencer statt Lehrer

Social Edutainment – viele Schüler bevorzugen Influencer statt Lehrer

Für die meisten Kinder und Jugendlichen gehören soziale Medien längst zu ihrem Alltag. Auch bei der Bildung nimmt Social Media einen immer höheren Stellenwert ein. Viele Schüler nutzen YouTube, TikTok und Co., um zu lernen. Bitkom hat hierzu jetzt eine repräsentative Befragung von mehr als 500 Schülern durchgeführt.

Was ist Social Edutainment?

Social Edutainment ist die Kombination aus Bildung und Unterhaltung auf sozialen Medien, um Wissen auf ansprechende und interaktive Weise zu vermitteln.

Welchen Stellenwert nehmen soziale Netzwerke beim Lernen ein?

Bereits vor der Corona-Pandemie nutzte knapp die Hälfte aller Schüler zwischen 12 und 19 Jahren YouTube als Lernmedium. Durch die Corona-Pandemie, in der für längere Zeit für viele Schüler Homeschooling verpflichtend war, erlebten das Lernen und die Nachhilfe über beliebte soziale Plattformen einen noch stärkeren Boom. Insbesondere TikTok ist neben YouTube bei vielen Jugendlichen und Kindern beliebt, um sich dort Wissen anzueignen oder sich über Lerninhalte noch einmal zu informieren, die sie im Schulunterricht noch nicht ausreichend verstanden haben. Auch Reddit oder Discord und andere Angebote werden genutzt, um schulische Fragen zu klären. Die Jugendlichen greifen auf Blogbeiträge, das Wissen von anderen oder Erklärvideos zurück, um sich zu informieren. Dadurch, dass die Lerninhalte über die Medien verbreitet werden, die ohnehin zum Alltag der meisten Schüler gehören, sind sie für viele zugänglicher. Zudem können Inhalte in eigenem Tempo konsumiert und auch wiederholt werden.

Was geht aus der Befragung des Bitkom hervor?

Der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom e.V. hat telefonisch eine Befragung von insgesamt 502 Schülern im Alter zwischen 14 und 19 Jahren durchgeführt. Daraus konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden:

  • 39 Prozent der Befragten geben an, dass sie Social Media nutzen und dort nachfragen, wenn sie etwas im Unterricht nicht verstanden haben.
  • 64 Prozent der Befragten geben an, dass YouTuber und Influencer Sachverhalte und schulische Fragen besser erklären können als ihre eigenen Lehrer.
  • 34 Prozent der Befragten geben an, dass sie manche Prüfungen ohne Lernvideos aus sozialen Netzwerken nicht bestanden hätten.
  • 56 Prozent der Befragten geben an, dass Klassenkameraden während des Unterrichts häufig nicht aufpassen, da sie heimlich Social Media nutzen.
  • 31 Prozent der Befragten geben an, dass sie dafür sind, die Nutzung von Social Media in der Schule zu verbieten.

„Wenn Schülerinnen und Schüler bei Verständnisfragen zuerst in Reddit oder Discord fragen, zeigt das: Schule muss näher an die digitale Lebenswelt rücken und sich digitale Lernmedien stärker zunutze machen“, betont Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Worauf sollte beim Lernen über Social Media geachtet werden?

„Es ist auffällig, dass diese Onlinehilfen ganz klein segmentiert sind“, merkt Bildungswissenschaftlerin Sieglinde Jornitz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation an. Denn insbesondere auf TikTok werden die Lerninhalte in sehr kurzen Videos vermittelt. Das spricht natürlich dafür, dass dort eine starke Komprimierung stattfindet. Schülern sollte daher bewusst sein, dass sie oftmals nur kleine Wissensausschnitte erhalten und nicht ein ganzes Thema vollumfänglich in beispielsweise 60 Sekunden behandelt werden kann. Zudem sollten sich Kinder und Jugendliche darüber im Klaren sein, dass sie nicht alles glauben können, was auf sozialen Netzwerken vermittelt wird. Wer Social Media als Nachhilfe nutzt, sollte darauf achten, auf seriöse Quellen zurückzugreifen. Grundsätzlich sollte die Echtheit von Informationen in sozialen Medien nicht automatisch angenommen werden. Eine weitere Gefahr, die das Lernen über TikTok und Co. mit sich bringt, ist die schnelle Ablenkung. Da ständig neue Inhalte angezeigt werden, besteht das Risiko, sich gar nicht richtig auf das Lernen zu konzentrieren.

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