Thuraya Satellitentelefon – Netz, Abdeckung und Geräte

Thuraya Satellitentelefon

Thuraya gehört zu den großen Anbietern mobiler Satellitenkommunikation. Anders als klassische Mobilfunknetze ermöglicht das System Telefonate und Datenübertragungen auch in Regionen, in denen keine Mobilfunkversorgung vorhanden ist. Das Thuraya-Netz deckt nach Angaben des Betreibers mehr als 150 Länder ab.

Zum Einsatz kommen geostationäre Satelliten. Mit Thuraya-4 ist seit 2025 eine neue Satellitengeneration kommerziell in Betrieb. Neben klassischen Satellitentelefonen entwickelt sich das Netz zunehmend in Richtung einer Kombination aus Mobilfunk und Satellitenkommunikation.

Was ist Thuraya?

Thuraya wurde 1997 in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet. Das Unternehmen gehört heute zu Space42, einem in Abu Dhabi ansässigen Anbieter von Satellitenkommunikation und weltraumgestützten Diensten. Das Thuraya-Netz ist insbesondere auf Europa, Afrika, den Nahen Osten, große Teile Asiens und Australien ausgerichtet. Nach Angaben des Betreibers sind Satellitendienste in mehr als 150 Ländern verfügbar. Damit unterscheidet sich Thuraya beispielsweise von Iridium. Während Iridium eine weltweite Versorgung einschließlich der Polarregionen anstrebt, konzentriert sich Thuraya auf ein bestimmtes geografisches Versorgungsgebiet.

Vor einer Reise sollte deshalb immer die aktuelle Netzabdeckung für das jeweilige Zielgebiet geprüft werden.

Wie funktioniert das Thuraya-Satellitennetz?

Thuraya setzt auf geostationäre Satelliten. Diese befinden sich aus Sicht eines Beobachters auf der Erde ständig an nahezu derselben Position am Himmel. Das hat einen Vorteil: Ein Satellitentelefon muss nicht laufend zwischen vorbeiziehenden Satelliten wechseln. Gleichzeitig ist eine möglichst freie Sicht in Richtung des Satelliten erforderlich. Berge, hohe Gebäude, dichter Bewuchs oder andere Hindernisse können die Verbindung beeinträchtigen. Innerhalb geschlossener Gebäude ist die direkte Nutzung eines Satellitentelefons daher meist nicht möglich. Für stationäre Anwendungen können Außenantennen oder entsprechende Basisstationen eingesetzt werden.

Thuraya-4 bringt eine neue Satellitengeneration

Ein wesentlicher Schritt bei der Modernisierung des Netzes ist Thuraya-4. Der neue geostationäre Kommunikationssatellit wurde im Januar 2025 gestartet und nahm im Laufe des Jahres den kommerziellen Betrieb auf.

Thuraya-4 gehört zu den größten geostationären Plattformen für mobile Satellitendienste. Der Satellit erweitert die Kapazität des Thuraya-Netzes und bildet die technische Grundlage für zahlreiche neue Kommunikationsangebote. Nach Angaben des Mutterkonzerns Space42 wurden im Zusammenhang mit Thuraya-4 insgesamt 16 neue Produkte beziehungsweise Dienste eingeführt oder vorbereitet. Damit soll sich Thuraya von einem klassischen Satellitentelefon-Netz zunehmend zu einer Plattform entwickeln, über die Satelliten- und Mobilfunkkommunikation miteinander verbunden werden.

Welche Gebiete deckt Thuraya ab?

Die klassische Thuraya-Netzabdeckung umfasst weite Teile Europas, Afrikas, Asiens und Australiens. Insgesamt spricht Thuraya von einer Versorgung in mehr als 150 Ländern beziehungsweise von ungefähr zwei Dritteln der Erde. Eine vollständige weltweite Netzabdeckung bietet Thuraya damit nicht. Insbesondere für Reisen nach Nord- und Südamerika sowie in Polarregionen ist vorab zu prüfen, ob ein anderer Satellitendienst geeigneter ist.

Auch innerhalb des grundsätzlich versorgten Gebietes bedeutet die Abdeckung nicht, dass an jedem Standort uneingeschränkter Empfang möglich ist. Für eine stabile Verbindung benötigt das Satellitentelefon freie Sicht zum Satelliten.

Welche Thuraya-Satellitentelefone gibt es?

Thuraya bietet unterschiedliche Geräte für die Satellitenkommunikation an. Das Angebot reicht von vergleichsweise einfachen Satellitentelefonen bis zu Geräten, die Mobilfunk und Satellitenkommunikation miteinander verbinden.

Thuraya XT-LITE

Das XT-LITE ist auf die grundlegenden Funktionen eines Satellitentelefons ausgerichtet. Es ermöglicht Sprachverbindungen und SMS über das Thuraya-Netz. Das Gerät eignet sich damit vor allem für Nutzer, die außerhalb der Mobilfunkversorgung erreichbar bleiben möchten und keine umfangreichen Zusatzfunktionen benötigen.

Thuraya XT-PRO

Das XT-PRO bietet gegenüber dem XT-LITE zusätzliche Funktionen. Dazu gehört unter anderem die Unterstützung verschiedener Satellitennavigationssysteme. Eine SOS-Taste kann für Notfälle konfiguriert werden. Damit richtet sich das Gerät beispielsweise an Reisende, Outdoor-Nutzer und professionelle Anwender, die sich häufiger in Regionen ohne Mobilfunkversorgung aufhalten.

Thuraya XT-PRO DUAL

Das XT-PRO DUAL verbindet Satelliten- und Mobilfunktechnik in einem Gerät. Im Satellitenmodus arbeitet es im Thuraya-Netz. Zusätzlich unterstützt das Telefon klassische Mobilfunknetze. Dadurch kann das Gerät im Alltag über das terrestrische Mobilfunknetz verwendet werden und bei fehlender Mobilfunkversorgung auf Satellitenkommunikation zurückgreifen.

Thuraya One

Mit dem Thuraya One geht der Anbieter noch einen Schritt weiter. Das Gerät kombiniert die Funktionen eines modernen Smartphones mit Satellitenkommunikation. Damit zeigt sich zugleich die Entwicklung des Marktes: Satelliten- und Mobilfunkkommunikation wachsen zunehmend zusammen. Spezielle Satellitentelefone werden dadurch nicht unmittelbar überflüssig, die Grenzen zwischen beiden Geräteklassen werden jedoch fließender.

Thuraya und Direct-to-Device

Eine wichtige Entwicklung ist die sogenannte Direct-to-Device-Kommunikation, kurz D2D. Dabei sollen künftig auch geeignete herkömmliche Smartphones direkt über Satelliten kommunizieren können, ohne dass ein klassisches Satellitentelefon erforderlich ist. Space42 arbeitet hierfür mit dem Satellitennetz-Spezialisten Skylo zusammen. 2026 wurden bereits SMS- und SOS-Verbindungen mit handelsüblichen Android-Geräten über Thuraya-4 erfolgreich getestet.

Langfristig könnten damit Mobilfunk- und Satellitennetze stärker zusammenwachsen. Befindet sich ein Nutzer außerhalb der normalen Mobilfunkversorgung, könnte ein kompatibles Smartphone automatisch auf eine Satellitenverbindung zurückgreifen.

Klassische Thuraya-Satellitentelefone bleiben dennoch relevant, insbesondere wenn eine robuste und speziell für den Einsatz außerhalb terrestrischer Netze entwickelte Kommunikationslösung benötigt wird.

Was kostet Telefonieren mit Thuraya?

Die Kosten für ein Thuraya-Satellitentelefon setzen sich aus dem Preis des Geräts und den Kosten für den Satellitendienst zusammen. Thuraya-Dienste werden über verschiedene Vertriebspartner angeboten. Je nach Anbieter stehen Prepaid- und Vertragsmodelle zur Verfügung. Die Gesprächskosten können vom verwendeten Tarif, Aufenthaltsland und angerufenem Netz abhängen.

Pauschale Minutenpreise sind deshalb wenig aussagekräftig. Vor dem Kauf sollten insbesondere folgende Punkte verglichen werden:

  • Preis des Satellitentelefons
  • Aktivierungs- und Grundgebühren
  • Minutenpreise für Gespräche
  • Kosten für SMS und Daten
  • Gültigkeit von Prepaid-Guthaben
  • Kosten für Anrufe zum Satellitentelefon
  • Netzabdeckung im geplanten Einsatzgebiet

Wer ein Satellitentelefon nur für eine einzelne Reise oder Expedition benötigt, kann außerdem prüfen, ob die Miete eines Geräts günstiger als ein Kauf ist.

Thuraya oder Iridium?

Thuraya und Iridium verfolgen unterschiedliche technische Konzepte. Thuraya arbeitet mit geostationären Satelliten, während Iridium zahlreiche Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen einsetzt.

Daraus ergeben sich Unterschiede bei Netzabdeckung und Empfang.

MerkmalThurayaIridium
Satellitentypgeostationär (GEO)niedrige Erdumlaufbahn (LEO)
Abdeckungmehr als 150 Länderweltweit
Polarregionennicht vollständigabgedeckt
freie SichtRichtung Satellit erforderlichmöglichst freie Sicht zum Himmel
klassische Handgerätejaja
Kombination Mobilfunk/SatellitverfügbarSchwerpunkt Satellitenfunk
Welches Netz geeigneter ist, hängt deshalb vor allem vom geplanten Einsatzgebiet ab. Für Reisen innerhalb des Thuraya-Versorgungsgebietes kann das System eine Alternative sein. Wer dagegen möglichst unabhängig vom Aufenthaltsort kommunizieren möchte, sollte insbesondere die weltweite Abdeckung verschiedener Netze vergleichen.

Darf Thuraya in jedem Land verwendet werden?

Die technische Netzabdeckung sagt nichts darüber aus, ob ein Satellitentelefon in einem bestimmten Staat auch legal benutzt werden darf. Einige Länder beschränken die Einfuhr, den Besitz oder die Verwendung von Satellitentelefonen oder verlangen eine vorherige Genehmigung. Das betrifft nicht nur Thuraya, sondern Satellitentelefone generell. Vor Auslandsreisen sollte deshalb neben der Netzabdeckung auch die aktuelle Rechtslage im Zielland geprüft werden. Maßgeblich sind die Informationen der dortigen Behörden beziehungsweise der zuständigen Auslandsvertretungen.

Für wen eignet sich ein Thuraya-Satellitentelefon?

Thuraya ist vor allem für Anwender interessant, die sich regelmäßig außerhalb klassischer Mobilfunknetze bewegen, aber innerhalb des Thuraya-Versorgungsgebietes bleiben. Typische Einsatzbereiche sind Expeditionen und Outdoor-Aktivitäten, Schifffahrt, Baustellen und technische Anlagen in abgelegenen Gebieten sowie die Kommunikation von Unternehmen, Hilfsorganisationen und Behörden. Für den normalen Alltag ist Satellitenkommunikation dagegen vergleichsweise teuer und weniger komfortabel als Mobilfunk.

Fazit: Thuraya verbindet Satelliten- und Mobilfunktechnik

Thuraya ist längst nicht mehr nur ein Anbieter klassischer Satellitentelefone. Mit Thuraya-4, kombinierten Mobilfunk-Satelliten-Geräten und der Entwicklung von Direct-to-Device-Diensten rücken terrestrische Mobilfunknetze und Satellitenkommunikation zunehmend zusammen. Für Nutzer eines klassischen Satellitentelefons bleiben jedoch vor allem zwei Punkte entscheidend: Das geplante Einsatzgebiet muss innerhalb der Thuraya-Netzabdeckung liegen und am Standort muss eine ausreichend freie Sicht zum Satelliten bestehen. Wer ein Gerät für weltweite Reisen benötigt, sollte deshalb vor dem Kauf die Abdeckung von Thuraya mit anderen Satellitennetzen vergleichen.