
Der Internetanbieter 1&1 und der regionale Netzbetreiber NetCologne bauen ihre langjährige Zusammenarbeit aus. Durch die erweiterte Kooperation können künftig rund 250.000 zusätzliche Haushalte sowie kleine Unternehmen und Freiberufler im Großraum Köln Glasfasertarife von 1&1 buchen. Die Vereinbarung soll den Wettbewerb stärken und vorhandene Glasfasernetze besser auslasten. Davon versprechen sich beide Unternehmen wirtschaftliche Vorteile – und für Verbraucher wächst die Auswahl beim Internetanbieter.
Bestehendes Glasfasernetz für zusätzliche Anbieter geöffnet
Grundlage der Zusammenarbeit ist das sogenannte Open-Access-Modell. Dabei stellt ein Netzbetreiber seine Infrastruktur auch anderen Telekommunikationsunternehmen zur Verfügung. Diese können darüber eigene Internetprodukte vermarkten, ohne selbst Glasfaserkabel bis zu jedem Gebäude verlegen zu müssen. Im konkreten Fall verbindet 1&1 sein bundesweites Glasfasertransportnetz mit der regionalen Infrastruktur von NetCologne. Die Kooperation umfasst FTTB-Anschlüsse (Fiber to the Building), bei denen Glasfaser bis ins Gebäude führt. Die weitere Verbindung innerhalb des Hauses erfolgt über bestehende Leitungen. Mithilfe moderner Übertragungstechnologie sind dabei Geschwindigkeiten von bis zu 1.000 MBit/s möglich.
Welche Vorteile hat die Kooperation für 1&1?
Für den bundesweit tätigen Anbieter 1&1 bedeutet die Vereinbarung vor allem eine größere Marktreichweite. Das Unternehmen kann zusätzliche Kunden gewinnen, ohne in den betreffenden Gebieten ein vollständig eigenes Anschlussnetz errichten zu müssen. Dadurch sinkt der eigene Investitionsbedarf für die Erschließung dieser Haushalte. Gleichzeitig lassen sich vorhandene Netzkapazitäten und Vertriebsstrukturen besser nutzen.
Nach eigenen Angaben kann 1&1 seine Glasfasertarife inzwischen an mehr als 25 Millionen Haushalten in Deutschland vermarkten. Dazu nutzt das Unternehmen neben eigener Infrastruktur die Netze von mittlerweile 25 Partnern.
Warum profitiert auch NetCologne?
Für NetCologne bringt die Zusammenarbeit zusätzliche Einnahmemöglichkeiten. Das Unternehmen kann seine bereits errichtete Infrastruktur gegen Entgelt auch von 1&1 nutzen lassen. Eine höhere Netzauslastung verbessert die Wirtschaftlichkeit der aufwendigen Glasfaserinvestitionen. Gleichzeitig bleibt NetCologne selbst als Internetanbieter am Markt aktiv und kann weiterhin eigene Kunden gewinnen. Das Kölner Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben rund 33.000 Kilometer Glasfaserleitungen und versorgt etwa eine halbe Million Kundenanschlüsse. Die Öffnung des Netzes für Wettbewerber gehört bereits seit vielen Jahren zur Unternehmensstrategie.
Was haben die Kunden davon?
Die größten Vorteile für Verbraucher liegen in der erweiterten Anbieterwahl. Wer bislang an seiner Adresse beispielsweise nur Glasfaserangebote von NetCologne nutzen konnte, erhält künftig möglicherweise auch Zugang zu Tarifen von 1&1. Mehr Wettbewerb kann zu günstigeren Preisen, unterschiedlichen Vertragsbedingungen und besseren Serviceangeboten führen. Eine automatische Preissenkung ist damit allerdings nicht verbunden. Auch ein Anbieterwechsel wird unter Umständen einfacher, weil nicht zwangsläufig ein neuer physischer Hausanschluss benötigt wird. Die vorhandene Netzinfrastruktur kann weiterhin genutzt werden.
Allerdings bedeutet die Kooperation nicht, dass 250.000 Haushalte erstmals einen Glasfaseranschluss erhalten. Vielmehr werden bereits bestehende Glasfaseranschlüsse für zusätzliche Angebote geöffnet.
Open Access als Modell für den deutschen Glasfasermarkt
Die Vereinbarung zeigt einen wichtigen Trend im deutschen Breitbandmarkt: Netzbetreiber und Internetanbieter müssen nicht zwangsläufig dieselben Unternehmen sein. Während regionale Betreiber den Ausbau finanzieren und die Anschlüsse bereitstellen, können bundesweite Anbieter ihre Produkte über diese Netze vermarkten. Das vermeidet teilweise kostspielige parallele Infrastruktur und ermöglicht mehr Wettbewerb auf bereits vorhandenen Leitungen. Für Verbraucher ist das besonders interessant, weil die Auswahl des Internetanbieters dadurch weniger stark vom Eigentümer der örtlichen Glasfaserleitungen abhängt.
Ob sich die neue Kooperation tatsächlich in günstigeren Tarifen niederschlägt, wird sich erst im Wettbewerb zeigen. Entscheidend bleiben neben dem monatlichen Preis auch die Anschlussgeschwindigkeit, die Vertragslaufzeit, mögliche Bereitstellungskosten und die Qualität des Kundenservices.
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