Internet und E-Mail über Satellitentelefon

Internet und E-Mail über Satellitentelefon

Mit einem Satellitentelefon lassen sich nicht nur Gespräche führen und Nachrichten verschicken. Je nach Satellitennetz, Gerät und Tarif sind auch E-Mails, Messenger und der Zugriff auf Internetdienste möglich. Die Datenübertragung unterscheidet sich allerdings deutlich von einer gewöhnlichen Verbindung über LTE, 5G, DSL oder Glasfaser.

Insbesondere klassische Satellitentelefone bieten nur geringe Datenraten. Moderne Satellitenterminals erreichen erheblich höhere Geschwindigkeiten und können Smartphones oder Notebooks per WLAN mit dem Satellitennetz verbinden.

Wer unterwegs lediglich Textnachrichten, Wetterinformationen oder E-Mails benötigt, kommt bereits mit relativ wenig Bandbreite aus. Für datenintensive Webseiten, große Downloads oder Videostreaming sind viele mobile Satellitenlösungen dagegen ungeeignet.

Wie funktioniert Internet über Satellit?

Bei der Satellitenkommunikation wird die Datenverbindung nicht über einen Mobilfunkmast hergestellt. Das Endgerät kommuniziert direkt mit einem Satelliten. Je nach Satellitensystem wird das Signal anschließend über weitere Satelliten oder eine Bodenstation weitergeleitet und von dort mit dem Internet verbunden.

Dabei kommen unterschiedliche technische Konzepte zum Einsatz. Iridium und Globalstar verwenden etwa Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen, sogenannte LEO-Satelliten. Inmarsat und Thuraya setzen vorwiegend auf geostationäre Satelliten. Für Nutzer ist vor allem wichtig, dass das Endgerät eine ausreichend freie Sicht zum Satelliten beziehungsweise Himmel benötigt. Innerhalb von Gebäuden ist eine direkte Satellitenverbindung deshalb häufig nicht oder nur mit einer externen Antenne möglich.

E-Mail über Satellitentelefon

E-Mails stellen vergleichsweise geringe Anforderungen an die Datenverbindung und eignen sich deshalb besonders gut für die Satellitenkommunikation. Entscheidend ist allerdings die Größe der Nachricht. Eine reine Text-E-Mail benötigt nur wenige Kilobyte. Fotos, PDF-Dokumente oder andere Anhänge können dagegen schnell mehrere Megabyte groß sein. Bei langsamen oder nach übertragenem Datenvolumen abgerechneten Satellitenverbindungen sollte deshalb auf große Anhänge verzichtet werden.

Für verschiedene Satellitensysteme stehen zudem spezielle E-Mail-Lösungen zur Verfügung. Diese reduzieren insbesondere die Größe von Nachrichten oder verhindern, dass unnötige Inhalte automatisch heruntergeladen werden.

Internet über Iridium

Iridium bietet unterschiedliche Möglichkeiten zur Datenübertragung. Die Bandbreite hängt stark vom verwendeten Endgerät ab. Klassische Satellitentelefone wie das Iridium 9555 oder Iridium Extreme sind in erster Linie für Sprachkommunikation und kleine Datenmengen ausgelegt. Für einen komfortablen Zugriff auf moderne Webseiten sind solche Verbindungen nicht gedacht.

Deutlich leistungsfähiger ist speziell das Iridium GO! exec. Das tragbare Gerät stellt eine Satellitenverbindung her und erzeugt anschließend ein WLAN, über das Smartphones, Tablets oder Notebooks auf die Verbindung zugreifen können. Das Gerät nutzt Iridium Certus 100 und erreicht bis zu 88 kbit/s beim Download. Damit sind insbesondere E-Mail, Messenger, Wetterinformationen und einfache Internetanwendungen möglich. Iridium weist allerdings selbst darauf hin, dass grafik-, multimedia- und videolastige Webseiten und Anwendungen für diese Verbindung ungeeignet sind.

Noch höhere Datenraten bieten spezielle Iridium-Certus-Terminals. Je nach Geräteklasse sind Datenübertragungen bis zu mehreren hundert kbit/s möglich. Solche Lösungen richten sich allerdings vorwiegend an professionelle Anwender, beispielsweise in der Schifffahrt, Luftfahrt oder auf abgelegenen Betriebsstandorten.

Internet über Thuraya

Auch über das Thuraya-Satellitennetz können Daten übertragen werden. Beispielsweise lässt sich das Thuraya XT-PRO als Datenmodem mit einem Computer verbinden. Über GmPRS sind laut Hersteller bis zu 60 kbit/s im Download und 15 kbit/s im Upload möglich. Alternativ steht eine noch langsamere leitungsvermittelte Datenverbindung zur Verfügung.

Thuraya bietet zudem spezielle Datenlösungen und Terminals, die für höhere Anforderungen ausgelegt sind. Wie bei anderen Satellitennetzen gilt deshalb: Die erreichbare Internetgeschwindigkeit hängt weniger vom Namen des Satellitennetzes als vom konkreten Endgerät und gebuchten Dienst ab.

Inmarsat und BGAN

Auch das heute zu Viasat gehörende Inmarsat-Netz bietet Datenkommunikation über Satellit. Eine bekannte Lösung ist BGAN, das Broadband Global Area Network. Dafür werden spezielle Satellitenterminals verwendet, über die sich Computer und andere Geräte mit dem Internet verbinden lassen. BGAN richtet sich insbesondere an professionelle Anwender, die auch außerhalb terrestrischer Kommunikationsnetze Daten übertragen müssen.

Ein BGAN-Terminal ist deshalb nicht mit einem klassischen Satellitentelefon wie dem IsatPhone 2 gleichzusetzen. Während ein Handgerät in erster Linie für Sprache und einfache Nachrichten gedacht ist, sind spezielle Datenterminals für umfangreichere Internetverbindungen ausgelegt.

Wie schnell ist Internet über Satellitentelefon?

Eine allgemeingültige Geschwindigkeit gibt es nicht. Die Unterschiede zwischen klassischen Satellitentelefonen und modernen Datenterminals sind erheblich.

Technik / Beispielmögliche Datenratetypische Nutzung
klassische Satellitentelefonewenige kbit/skleine Datenmengen
Thuraya XT-PRO über GmPRSbis 60/15 kbit/sE-Mail, einfache Internetdienste
Iridium GO! execbis 88 kbit/sE-Mail, Messenger, Wetter, einfache Webseiten
Iridium Certusje nach Terminal bis mehrere hundert kbit/sprofessionelle Internet- und Datenanwendungen
Die theoretische Datenrate sagt allerdings nur bedingt etwas über den Nutzungskomfort aus. Auch Latenz, Empfangssituation, Auslastung und die Größe der übertragenen Inhalte spielen eine Rolle.

Moderne Webseiten übertragen häufig mehrere Megabyte Daten und laden Videos, Bilder, Werbung oder Skripte automatisch nach. Eine Internetseite, die über Glasfaser oder 5G innerhalb von Sekunden erscheint, kann über eine schmalbandige Satellitenverbindung deshalb sehr langsam oder praktisch nicht nutzbar sein.

Messenger über Satellit

Auch Messenger können grundsätzlich über eine Satellitendatenverbindung funktionieren. Dabei kommt es jedoch darauf an, welches System und welche Anwendung verwendet werden. Textnachrichten benötigen vergleichsweise wenig Daten. Fotos, Videos, Sprachnachrichten und automatische Backups können das Datenvolumen dagegen erheblich erhöhen.

Iridium nennt für das GO! exec beispielsweise verschiedene Messenger, die über die Verbindung genutzt werden können. Für Satellitenverbindungen optimierte Anwendungen können das Datenvolumen zusätzlich reduzieren. Wer Messenger über Satellit verwendet, sollte automatische Medien-Downloads und Cloud-Backups deaktivieren.

Datenverbrauch reduzieren

Bei Satellitenkommunikation ist ein sparsamer Umgang mit Daten besonders wichtig. Das gilt sowohl wegen der begrenzten Bandbreite als auch wegen möglicher volumenabhängiger Kosten.

Auf Smartphones und Notebooks sollten deshalb automatische Updates, Cloud-Synchronisationen und Hintergrunddownloads deaktiviert werden. Auch das automatische Laden von Bildern und Videos sollte möglichst verhindert werden.

Sinnvoll sind insbesondere folgende Maßnahmen:

  • automatische Betriebssystem- und App-Updates deaktivieren
  • Cloud-Synchronisation pausieren
  • automatische Foto- und Video-Backups ausschalten
  • Medien-Downloads in Messengern deaktivieren
  • große E-Mail-Anhänge nicht automatisch herunterladen
  • datenintensive Webseiten und Streamingdienste vermeiden
  • Verbindung nur bei tatsächlichem Bedarf aktivieren

Gerade ein Notebook kann unbemerkt erhebliche Datenmengen übertragen. Betriebssystem, Cloudspeicher, Browser und installierte Programme versuchen häufig automatisch, Updates und andere Daten herunterzuladen.

Was kostet Internet über Satellitentelefon?

Die Kosten unterscheiden sich erheblich nach Satellitennetz, Anbieter, Endgerät und Tarif. Eine allgemeingültige Angabe pro Minute oder Megabyte ist deshalb nicht sinnvoll. Bei manchen Angeboten wird nach Verbindungsdauer, bei anderen nach übertragenem Datenvolumen oder über Datenpakete abgerechnet. Daneben gibt es Tarife mit monatlichen Inklusivvolumen. Zusätzlich entstehen gegebenenfalls Kosten für SIM-Karte, Aktivierung und Grundgebühr.

Vor Vertragsabschluss sollte deshalb geprüft werden, wie Datenverbindungen konkret abgerechnet werden. Gerade bei volumenabhängigen Tarifen können automatische Updates oder große Dateianhänge unerwartet hohe Kosten verursachen.

Satelliteninternet ist nicht gleich Satellitentelefon

Internet über ein Satellitentelefon sollte nicht mit modernen Satelliten-Breitbanddiensten gleichgesetzt werden.

Systeme wie skyDSL sind für einen ganz anderen Einsatzzweck konzipiert und ermöglichen erheblich höhere Datenraten. Dafür werden jedoch entsprechende Terminals beziehungsweise Antennen benötigt.  Ein klassisches Satellitentelefon soll dagegen vor allem eine möglichst mobile und zuverlässige Kommunikation außerhalb terrestrischer Mobilfunknetze ermöglichen. Geschwindigkeit steht dabei nicht an erster Stelle.

Zwischen beiden Bereichen liegen mobile Satellitenterminals wie Iridium GO! exec oder professionelle BGAN- und Certus-Lösungen.

Kann man mit Satelliteninternet Internetsperren umgehen?

Eine Satellitenverbindung kann unabhängig von der terrestrischen Internet-Infrastruktur des Aufenthaltslandes funktionieren. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass staatliche Internetsperren generell oder legal umgangen werden können. Einige Staaten beschränken die Einfuhr oder Nutzung von Satellitentelefonen und Satellitenterminals oder verlangen dafür eine Genehmigung. Auch Satellitenanbieter und Dienste können technischen, regulatorischen oder regionalen Einschränkungen unterliegen. Vor einer Auslandsreise sollte deshalb geprüft werden, ob das jeweilige Satellitengerät im Zielland eingeführt und benutzt werden darf.

Wann lohnt sich Internet über Satellitentelefon?

Internet über Satellitentelefon beziehungsweise ein mobiles Satellitenterminal ist vor allem dort interessant, wo keine geeignete Mobilfunk- oder WLAN-Verbindung vorhanden ist. Typische Einsatzbereiche sind Expeditionen, Schifffahrt, abgelegene Baustellen und Forschungsstationen sowie Einsätze von Behörden, Hilfsorganisationen oder Journalisten. Auch bei einem großflächigen Ausfall terrestrischer Kommunikationsnetze kann eine Satellitenverbindung als unabhängiger Kommunikationsweg dienen.

Für den normalen Internetzugang ist die Technik dagegen meist zu langsam oder zu teuer. Wo LTE, 5G, WLAN oder ein Breitbandanschluss verfügbar sind, sind diese Verbindungen in aller Regel komfortabler.

Fazit: E-Mail funktioniert besser als normales Surfen

Internet über Satellitentelefon ist möglich, sollte aber nicht mit einer gewöhnlichen Breitbandverbindung verwechselt werden. Insbesondere klassische Satellitentelefone übertragen Daten nur mit geringer Geschwindigkeit. Für E-Mails, Textnachrichten, Wetterinformationen und andere kleine Datenmengen reicht die Bandbreite häufig aus. Moderne Geräte wie Iridium GO! exec erleichtern zudem die Verbindung von Smartphones und Notebooks mit dem Satellitennetz.

Wer größere Datenmengen übertragen oder regelmäßig im Internet arbeiten muss, benötigt dagegen ein leistungsfähigeres Satellitenterminal. Vor der Anschaffung sollten deshalb nicht nur Netzabdeckung und Gerätepreis, sondern auch Datenrate, Tarif und das tatsächlich benötigte Datenvolumen berücksichtigt werden.