Inmarsat Satellitentelefon – Netz, Abdeckung und IsatPhone 2

Inmarsat Satellitentelefon

Inmarsat gehört zu den traditionsreichsten Anbietern für mobile Satellitenkommunikation. Das ursprünglich vor allem für die Schifffahrt entwickelte System ermöglicht heute Sprach- und Datenkommunikation in weiten Teilen der Erde. Seit 2023 gehört Inmarsat zum US-amerikanischen Satellitenkommunikationsunternehmen Viasat.

Für klassische Satellitentelefonie steht insbesondere das IsatPhone 2 zur Verfügung. Das robuste Handgerät ermöglicht Telefonate und Nachrichten unabhängig von Mobilfunknetzen und eignet sich damit unter anderem für Expeditionen, Katastropheneinsätze und Arbeiten in abgelegenen Regionen.

Von Inmarsat zu Viasat

Inmarsat wurde 1979 als International Maritime Satellite Organization gegründet. Ursprüngliches Ziel war der Aufbau einer zuverlässigen Satellitenkommunikation vornehmlich für die internationale Schifffahrt. Später wurde Inmarsat privatisiert und entwickelte sich zu einem kommerziellen Anbieter von Satellitenkommunikation. Neben der Schifffahrt kamen zahlreiche weitere Einsatzgebiete hinzu – etwa Luftfahrt, Behörden, Unternehmen sowie Nutzer in abgelegenen Regionen.

Eine entscheidende Veränderung erfolgte 2023: Viasat übernahm Inmarsat. Die Übernahme wurde Ende Mai 2023 abgeschlossen. Die Satelliten, Frequenzen und Dienste von Inmarsat wurden damit Teil der Infrastruktur von Viasat. Der Name Inmarsat ist dennoch weiterhin präsent und wird hauptsächlich im Zusammenhang mit etablierten Satellitendiensten und der vorhandenen Infrastruktur verwendet.

Wie funktioniert das Inmarsat-Netz?

Inmarsat setzt traditionell auf geostationäre Satelliten. Diese befinden sich in rund 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator und bewegen sich synchron zur Erdrotation. Von der Erde aus betrachtet stehen sie deshalb nahezu an derselben Position am Himmel. Das unterscheidet das System beispielsweise von Iridium oder Globalstar. Deren Satelliten bewegen sich in erheblich niedrigeren Umlaufbahnen um die Erde.

Der Vorteil eines geostationären Systems liegt unter anderem darin, dass ein Endgerät einen bestimmten Satelliten anpeilen kann und nicht laufend zwischen vorbeiziehenden Satelliten wechseln muss. Allerdings muss zwischen dem Satellitentelefon und dem Satelliten eine möglichst freie Sichtverbindung bestehen. Gebäude, Berge oder andere Hindernisse können die Verbindung beeinträchtigen.

Wo funktioniert Inmarsat?

Das von Viasat betriebene L-Band-Netz bietet eine nahezu weltweite Abdeckung. Beim IsatPhone 2 spricht Viasat von einer Abdeckung von bis zu 99,9 Prozent außerhalb der extremen Polarregionen. Einschränkungen ergeben sich aus der Position der geostationären Satelliten. Je näher sich ein Nutzer an den Polarregionen befindet, desto niedriger stehen die Satelliten über dem Horizont. Hindernisse können dort entsprechend schneller den Empfang verhindern.

Für Reisen in hohe nördliche oder südliche Breiten sollte deshalb vorab geprüft werden, ob das Inmarsat-Netz für den geplanten Standort geeignet ist.

IsatPhone 2: das Satellitentelefon für das Inmarsat-Netz

Das IsatPhone 2 ist das klassische Handgerät für Sprachkommunikation über das Inmarsat-System und wird weiterhin von Viasat angeboten und unterstützt. Das Telefon ist für den Einsatz unter schwierigen Bedingungen konzipiert. Es ist nach IP65 gegen Staub und Strahlwasser geschützt und kann laut Hersteller bei Temperaturen zwischen minus 20 und plus 55 Grad Celsius betrieben werden. Der Akku ermöglicht bis zu acht Stunden Gesprächszeit und bis zu 160 Stunden Bereitschaft. Die Registrierung im Satellitennetz soll unter geeigneten Bedingungen weniger als 45 Sekunden benötigen.

Zu den Funktionen gehören unter anderem:

  • Telefonieren über Satellit
  • SMS und E-Mail
  • GPS-Ortung
  • Positionsübermittlung
  • Assistenz- beziehungsweise Notfalltaste
  • Bluetooth
  • Freisprechfunktion
  • Voicemail

Eine Besonderheit ist die Benachrichtigung über eingehende Anrufe: Das IsatPhone 2 kann einen Nutzer auch bei eingeklappter Antenne auf einen eingehenden Anruf aufmerksam machen. Für das eigentliche Gespräch muss anschließend die Satellitenverbindung hergestellt werden.

IsatPhone 2 besitzt eine Notfallfunktion

Für Nutzer in abgelegenen Regionen kann die integrierte Assistenzfunktion wichtig sein. Über die entsprechende Taste lassen sich Positionsinformationen an einen zuvor festgelegten Kontakt beziehungsweise einen unterstützten Notfalldienst übermitteln. Das Gerät verfügt dafür über GPS-Ortung und Tracking-Funktionen.

Ein Satellitentelefon sollte dennoch nicht automatisch mit einem speziellen Seenot- oder Personen-Notsender gleichgesetzt werden. Für bestimmte Einsatzbereiche können beispielsweise EPIRB oder PLB die geeignetere beziehungsweise vorgeschriebene Notfalltechnik sein.

Zwei Versionen des IsatPhone 2

Vom IsatPhone 2 existieren zwei Varianten. Das ursprüngliche Modell kam 2014 auf den Markt. 2018 folgte das IsatPhone 2 Model 2.1. Äußerlich und funktional sind sich beide Versionen sehr ähnlich. Unterschiede bestehen jedoch unter anderem bei Firmware, Treibern und Software. Viasat stellt weiterhin Firmware, Bedienungsanleitungen und weitere Support-Dateien für beide Versionen zur Verfügung. Besitzer eines älteren Gerätes sollten deshalb vor einem Firmware-Update prüfen, welches Modell sie besitzen.

Welche Vorwahl hat Inmarsat?

Für Inmarsat gilt die internationale Netzvorwahl +870. Sie ermöglicht die weltweite Adressierung von Anschlüssen innerhalb des Inmarsat-Systems. Eine Telefonnummer kann beispielsweise mit +870 beginnen, unabhängig davon, in welcher Region sich das Satellitentelefon gerade befindet.

Die früher verwendeten Vorwahlen +871, +872, +873 und +874 standen jeweils für bestimmte Ozeanregionen. Dieses System ist historisch und wurde durch den einheitlichen Zugang über +870 abgelöst. Wer heute ein Inmarsat-Satellitentelefon anruft, sollte daher die aktuelle +870-Rufnummer des Anschlusses verwenden.

Was kostet ein Anruf zu Inmarsat?

Satellitentelefonie ist deutlich teurer als ein gewöhnliches Mobilfunkgespräch. Das betrifft nicht nur ausgehende Gespräche vom Satellitentelefon, sondern kann insbesondere auch Anrufe aus einem Fest- oder Mobilfunknetz zu einer +870-Nummer betreffen. Die tatsächlichen Kosten hängen vom Telefonanbieter und dem gewählten Satellitentarif ab. Vor einem längeren Gespräch sollte deshalb geprüft werden, welchen Minutenpreis der eigene Anbieter für Verbindungen zu +870 berechnet.

Für das IsatPhone 2 werden je nach Vertriebspartner Prepaid- und Vertragsangebote angeboten. Neben dem Minutenpreis können Aktivierungsgebühren, Grundgebühren und Laufzeiten beziehungsweise Gültigkeitsfristen von Guthaben eine Rolle spielen.

Inmarsat bietet mehr als Satellitentelefonie

Die klassische Sprachtelefonie mit dem IsatPhone 2 ist nur ein kleiner Teil der Inmarsat-Infrastruktur. Satellitendienste des heutigen Viasat-Konzerns werden unter anderem für Schifffahrt, Luftfahrt, Behörden, Unternehmen und professionelle Anwender eingesetzt. Dabei geht es neben Sprachkommunikation speziell um Datenübertragung und sicherheitsrelevante Kommunikationsdienste. Zu den bekannten Inmarsat-Technologien gehört BGAN – das Broadband Global Area Network. Mit entsprechenden Terminals können Sprach- und Datenverbindungen in Regionen aufgebaut werden, in denen keine geeignete terrestrische Telekommunikationsinfrastruktur zur Verfügung steht. BGAN sollte allerdings nicht mit der Datenfunktion eines einfachen Satellitentelefons gleichgesetzt werden. Für breitbandigere Satellitenverbindungen werden spezielle Terminals eingesetzt.

Inmarsat oder Iridium?

Inmarsat und Iridium können beide für Kommunikation außerhalb herkömmlicher Mobilfunknetze eingesetzt werden, unterscheiden sich technisch jedoch deutlich.

MerkmalInmarsatIridium
Satellitentypgeostationär (GEO)niedrige Erdumlaufbahn (LEO)
Abdeckungnahezu weltweit, Einschränkungen an den Polenweltweit einschließlich Polarregionen
klassisches HandgerätIsatPhone 2Iridium 9555, Iridium Extreme
Satellitenpositionaus Nutzersicht nahezu festSatelliten bewegen sich über den Himmel
Polarregioneneingeschränktabgedeckt
Sprachkommunikationjaja
Positions-/Notfallfunktionenjaje nach Gerät
Welches Netz besser zum jeweiligen Einsatzzweck passt, hängt insbesondere vom Aufenthaltsort ab. Für Polarregionen ist die unterschiedliche Satellitenarchitektur besonders relevant.

Für wen eignet sich das IsatPhone 2?

Ein Inmarsat-Satellitentelefon ist vor allem für Nutzer interessant, die sich regelmäßig außerhalb der Mobilfunkversorgung bewegen und trotzdem eine Sprachverbindung benötigen. Dazu gehören etwa Expeditionsteilnehmer, Mitarbeiter in abgelegenen Regionen, Hilfsorganisationen, Behörden, Journalisten und Outdoor-Nutzer. Auch als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit für Katastrophenfälle kann Satellitentelefonie eingesetzt werden. Fällt die terrestrische Mobilfunk- oder Festnetzinfrastruktur aus, ist eine Satellitenverbindung davon grundsätzlich unabhängig.

Vor Reisen ins Ausland sollte jedoch geprüft werden, ob Einfuhr und Nutzung eines Satellitentelefons im jeweiligen Land erlaubt sind. Einige Staaten schränken Satellitentelefone ein oder verlangen eine Genehmigung.

Fazit: Inmarsat bleibt auch unter Viasat aktiv

Inmarsat ist heute Teil von Viasat, die über Jahrzehnte aufgebaute Satelliteninfrastruktur wird jedoch weiterhin genutzt. Für klassische Sprachkommunikation steht mit dem IsatPhone 2 nach wie vor ein aktiv unterstütztes Satellitentelefon zur Verfügung. Seine Stärken liegen in der nahezu weltweiten L-Band-Abdeckung, der robusten Bauweise und der langen Akkulaufzeit. Einschränkungen bestehen insbesondere in hohen Polarregionen und überall dort, wo keine ausreichende Sichtverbindung zum geostationären Satelliten möglich ist.

Wer Satellitenkommunikation für Expeditionen, Reisen oder professionelle Einsätze benötigt, sollte deshalb vor der Anschaffung hauptsächlich Einsatzgebiet, Netzabdeckung und laufende Verbindungskosten berücksichtigen.