Iridium Satellitentelefon – weltweite Netzabdeckung und Geräte

Iridium Satellitentelefon

Iridium betreibt eines der bekanntesten Satellitennetze für mobile Sprach- und Datenkommunikation. Eine Besonderheit ist die weltweite Netzabdeckung einschließlich der Polarregionen. Damit können Iridium-Satellitentelefone auch dort eingesetzt werden, wo weder Mobilfunk noch andere terrestrische Kommunikationsnetze zur Verfügung stehen.

Anders als Inmarsat oder Thuraya setzt Iridium nicht auf wenige geostationäre Satelliten. Das Netz besteht aus 66 aktiven Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen sowie zusätzlichen Reservesatelliten. Die Satelliten sind untereinander vernetzt und ermöglichen dadurch Kommunikation praktisch von jedem Punkt der Erde.

Wie funktioniert das Iridium-Satellitennetz?

Die 66 operationellen Iridium-Satelliten verteilen sich auf sechs Umlaufbahnen mit jeweils elf Satelliten. Hinzu kommen Reservesatelliten, die sich ebenfalls im All befinden. Die Satelliten bewegen sich in rund 780 Kilometern Höhe und damit erheblich näher an der Erde als geostationäre Kommunikationssatelliten in rund 36.000 Kilometern Entfernung. Für eine Erdumrundung benötigt ein Iridium-Satellit ungefähr 100 Minuten.

Entscheidend für die Funktionsweise des Netzes sind die sogenannten Crosslinks. Jeder Satellit kann mit bis zu vier anderen Satelliten kommunizieren. Ein Signal lässt sich dadurch innerhalb der Satellitenkonstellation weiterleiten, bevor es über die entsprechende Infrastruktur in terrestrische Kommunikationsnetze gelangt. Iridium ist deshalb nicht auf eine Bodenstation in der Nähe des jeweiligen Nutzers angewiesen.

Iridium bietet weltweite Netzabdeckung

Der wesentliche Vorteil des Iridium-Netzes ist seine globale Abdeckung. Sie reicht einschließlich der Ozeane bis in die Polarregionen. Das unterscheidet Iridium insbesondere von Satellitensystemen mit geostationären Satelliten. Deren Versorgung wird in sehr hohen nördlichen und südlichen Breitengraden schwieriger, weil die Satelliten dort sehr niedrig über dem Horizont stehen oder nicht mehr erreichbar sind. Iridium wird deshalb beispielsweise für Expeditionen, Schifffahrt und andere Einsätze in abgelegenen Regionen verwendet.

Eine weltweite technische Netzabdeckung bedeutet allerdings nicht, dass ein Satellitentelefon an jedem Standort uneingeschränkt funktioniert. Das Endgerät benötigt eine möglichst freie Sicht zum Himmel. Gebäude, Berge, dichter Bewuchs oder andere Hindernisse können das Signal abschwächen oder vollständig blockieren.

Funktioniert ein Iridium-Satellitentelefon in Gebäuden?

Ein klassisches Iridium-Handgerät funktioniert innerhalb geschlossener Gebäude normalerweise nicht zuverlässig. Für die Verbindung muss das Telefon einen Satelliten erreichen können. Im Freien reicht grundsätzlich eine möglichst freie Sicht zum Himmel. Da sich die Iridium-Satelliten über den Himmel bewegen, kann eine kurzzeitig unterbrochene Verbindung wieder verfügbar werden, sobald ein anderer Satellit eine günstigere Position erreicht.

Für Fahrzeuge, Schiffe und Gebäude gibt es externe Antennen und Docking-Lösungen. Damit kann die Satellitenantenne beispielsweise außerhalb eines Gebäudes oder auf einem Fahrzeug montiert werden, während das Telefon beziehungsweise eine angeschlossene Telefonanlage im Inneren verwendet wird.

Iridium 9555: kompaktes Satellitentelefon

SatellitentelefonDas Iridium 9555 gehört weiterhin zum offiziellen Geräteangebot. Das kompakte Satellitentelefon konzentriert sich auf die wesentlichen Kommunikationsfunktionen und eignet sich beispielsweise für Reisende und professionelle Anwender in Regionen ohne Mobilfunkversorgung.

Das Gerät unterstützt Sprachverbindungen und Zwei-Wege-Nachrichten. Nach Herstellerangaben erreicht der Akku bis zu vier Stunden Gesprächszeit beziehungsweise bis zu 30 Stunden Bereitschaft.

Das Iridium 9555 wiegt rund 266 Gramm und ist für den Betrieb bei Temperaturen zwischen minus 10 und plus 55 Grad Celsius ausgelegt.

Anders als bei älteren Beschreibungen handelt es sich nicht um ein „Motorola 9555“. Das Gerät wird von Iridium selbst unter der Bezeichnung Iridium 9555 angeboten.

Iridium Extreme für anspruchsvolle Einsätze

Für besonders anspruchsvolle Einsatzbedingungen bietet Iridium das Iridium Extreme an. Das Satellitentelefon kombiniert Sprach- und Datenkommunikation mit GPS und einer programmierbaren SOS-Taste.

Das Gerät ist nach IP65 gegen Staub und Strahlwasser geschützt und erfüllt den Robustheitsstandard MIL-STD-810F. Es wiegt rund 247 Gramm.

Der Akku ermöglicht nach Herstellerangaben ebenfalls bis zu vier Stunden Gesprächszeit und 30 Stunden Bereitschaft.

Die integrierte GPS-Funktion erlaubt unter anderem die Übermittlung der eigenen Position. Über die SOS-Taste kann im Notfall ein zuvor eingerichteter Notfalldienst kontaktiert werden.

Damit richtet sich das Iridium Extreme insbesondere an Expeditionsteilnehmer, Outdoor-Nutzer sowie professionelle Anwender, die neben der reinen Telefonfunktion zusätzliche Sicherheitsfunktionen benötigen.

Iridium 9555 und Iridium Extreme im Vergleich

MerkmalIridium 9555Iridium Extreme
Telefonierenjaja
SMS/Nachrichtenjaja
weltweite Netzabdeckungjaja
GPSneinja
SOS-Tasteneinja
IP65neinja
Gewichtca. 266 gca. 247 g
Gesprächszeitbis 4 Stundenbis 4 Stunden
Stand-bybis 30 Stundenbis 30 Stunden
Wer lediglich ein zuverlässiges Satellitentelefon für Sprach- und Nachrichtenkommunikation benötigt, findet diese Funktionen bereits beim Iridium 9555. Für Einsätze unter schwierigeren Bedingungen bietet das Iridium Extreme speziell mit GPS, SOS-Funktion und robusterem Gehäuse zusätzliche Möglichkeiten.

Iridium bietet mehr als Satellitentelefone

Die klassischen Handgeräte sind inzwischen nur noch ein Teil des Iridium-Angebots. Das Satellitennetz wird ebenfalls für Datenkommunikation, IoT-Anwendungen, Schifffahrt, Luftfahrt und Kommunikationslösungen für Unternehmen und Behörden verwendet.

Eine wichtige Plattform ist Iridium Certus. Darüber werden je nach Endgerät unterschiedliche Sprach- und Datendienste angeboten. Einsatzgebiete reichen von E-Mail und Internetzugang bis zu Kommunikationslösungen für Schiffe, Fahrzeuge und abgelegene Unternehmensstandorte.

Mit Geräten wie Iridium GO! exec lassen sich außerdem Smartphones und andere Geräte über WLAN mit dem Satellitennetz verbinden.

Iridium entwickelt Direct-to-Device-Technik

Auch Iridium arbeitet daran, Satellitenkommunikation stärker in gewöhnliche Endgeräte zu integrieren. Unter der Bezeichnung Iridium NTN Direct entwickelt das Unternehmen einen Dienst auf Basis von Mobilfunkstandards des 3GPP. Ziel ist es, Satellitenkommunikation künftig direkt in kompatible Geräte und IoT-Hardware integrieren zu können, ohne dass dafür immer ein klassisches Satellitentelefon erforderlich ist.

2026 befindet sich die Technik bereits in praktischen Over-the-Air-Tests. Im Mittelpunkt stehen zunächst insbesondere IoT-Anwendungen wie Fahrzeug- und Warenortung, Landwirtschaft, Versorgungsinfrastruktur und industrielle Überwachung.

Klassische Satellitentelefone wie das Iridium 9555 und Iridium Extreme bleiben parallel weiterhin Bestandteil des Angebots.

Was kostet Telefonieren über Iridium?

Die Kosten hängen vom jeweiligen Serviceprovider und Tarif ab. Angeboten werden sowohl Prepaid- als auch Vertragsmodelle. Bei einem Preisvergleich sollten nicht nur die Kosten für das Satellitentelefon berücksichtigt werden. Wichtig sind außerdem:

  • Aktivierungs- und Grundgebühren
  • Minutenpreis für ausgehende Gespräche
  • Kosten für SMS und Daten
  • Gültigkeitsdauer von Prepaid-Guthaben
  • Kosten für Gespräche zu anderen Satellitennetzen
  • Kosten für Anrufer aus Mobilfunk- und Festnetzen

Speziell ein Anruf aus einem normalen Telefonnetz zu einem Satellitentelefon kann teuer sein. Wer regelmäßig über Iridium kommuniziert, sollte deshalb vorab die jeweiligen Gesprächskosten prüfen. Wird ein Satellitentelefon lediglich für eine einzelne Reise oder Expedition benötigt, kann die Miete eines Gerätes eine Alternative zum Kauf darstellen.

Iridium oder Inmarsat?

Iridium und Inmarsat ermöglichen beide Kommunikation außerhalb herkömmlicher Mobilfunknetze, verwenden aber grundlegend unterschiedliche Satellitensysteme.

MerkmalIridiumInmarsat
SatellitentypLEOGEO
Höherund 780 kmrund 36.000 km
Netzabdeckungweltweitnahezu weltweit
Polarregionenjaeingeschränkt
Satelliten bewegen sich am Himmeljaaus Nutzersicht nahezu stationär
klassisches Handgerät9555 / ExtremeIsatPhone 2
Sprachkommunikationjaja
Für Einsätze in Polarregionen ist die globale Iridium-Abdeckung ein wesentlicher Unterschied. In anderen Regionen können neben der Netzabdeckung auch Gerätepreis, Tarife und benötigte Zusatzfunktionen die Wahl des Satellitennetzes bestimmen.

Darf Iridium überall verwendet werden?

Die technische Netzabdeckung von Iridium ist weltweit. Davon zu unterscheiden sind jedoch nationale Vorschriften zur Einfuhr und Nutzung von Satellitentelefonen. Einige Staaten schränken Satellitenkommunikation ein oder verlangen eine Genehmigung. Vor einer Auslandsreise sollte deshalb geprüft werden, welche Bestimmungen im jeweiligen Zielland gelten. Allein aus einer technischen Netzabdeckung kann nicht abgeleitet werden, dass die Nutzung eines Iridium-Telefons in jedem Staat ohne Einschränkungen erlaubt ist.

Für wen eignet sich ein Iridium-Satellitentelefon?

Iridium eignet sich insbesondere für Nutzer, die sich außerhalb klassischer Mobilfunknetze bewegen und auf eine möglichst große geografische Abdeckung angewiesen sind. Typische Einsatzgebiete sind Expeditionen, Schifffahrt, abgelegene Baustellen und Anlagen, Katastrophenschutz sowie Anwendungen von Behörden, Hilfsorganisationen und Unternehmen.

Für den normalen Alltag ist ein Satellitentelefon dagegen meist weder notwendig noch wirtschaftlich. Mobilfunk und WLAN sind einfacher zu verwenden und erheblich günstiger.

Fazit: Iridiums Stärke ist die globale Abdeckung

Die Besonderheit von Iridium liegt in der Architektur seines Satellitennetzes. 66 aktive LEO-Satelliten und deren Crosslinks ermöglichen eine weltweite Netzabdeckung einschließlich der Polarregionen. Mit dem Iridium 9555 und dem robusteren Iridium Extreme stehen weiterhin klassische Satellitentelefone zur Verfügung. Gleichzeitig entwickelt sich das Netz mit Iridium Certus und NTN Direct zunehmend zu einer Plattform für unterschiedlichste Sprach-, Daten- und IoT-Anwendungen. Wer ein Satellitentelefon benötigt, sollte neben dem Gerätepreis primär Einsatzgebiet, benötigte Funktionen und laufende Verbindungskosten berücksichtigen.