Änderungen beim Glücksspiel – Wer sind die Gewinner und Verlierer

Änderungen beim Glücksspiel - Wer sind die Gewinner und Verlierer

Das Thema Glücksspiel im Internet bewegt die Gemüter schon seit Jahren, doch seit der Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Juli 2021 in Deutschland noch mehr denn je. Seit diesem Zeitpunkt ist der Glücksspielstaatsvertrag in Kraft und hat das Gambling-Wesen in Deutschland revolutioniert. Als Gewinner fühlen sich die Anbieter. Was aber bedeuten die Änderungen in der Praxis für Spieler und Casinos? Das ist in diesem Artikel zu erfahren.

Die Krux mit der Spielsucht

Es ist keine Frage, dass Glücksspiel süchtig machen kann. Prävention ist wichtig und richtig, doch die absoluten Zahlen sollten dabei berücksichtigt werden. Es sind rund 1,2 % der Männer und 0,2 – 0,4 Prozent der Frauen, die ein pathologisches Spielverhalten an den Tag legen. Wird dieser Wert mit der Statistik alkoholkranker Menschen verglichen, wird klar, dass die Gefahr eines Alkoholismus deutlich höher liegt.

Ist also wirklich der Präventionsgedanke vorherrschend oder geht es auch darum, die Kaufkraft beim Glücksspiel gering zu halten? Seit Juli 2021 ist Online-Glücksspiel nun in Deutschland offiziell, wenn Anbieter dafür eine Lizenz in Deutschland beantragt und erhalten haben und Vorschriften eingehalten werden.

Spielhallen vom Konkurs bedroht

Schwieriger ist es in den letzten Jahren für lokale Spielhallen geworden, denn auch für diese hat der Glücksspielstaatsvertrag schwerwiegende Änderungen im Gepäck. Das Problem: Die Bauweise, die oft sehr nah beieinander liegt. Laut GlüStV müssen mindestens 500 Meter Luftlinie zwischen zwei Etablissements liegen, gleichzeitig dürfen sich auch keine Kitas und Schulen in der Nähe befinden.

Bürgermeister lokaler Kommunen sehen noch eine weitere Problematik, die dem Bund möglicherweise nicht einmal bewusst ist. Menschen neigen dazu, sich Dinge nicht verbieten zu lassen. Dürfen sie etwas nicht mehr, suchen sie Alternativen. In dem Fall könnten das illegale Spielhallen sein, die außerhalb der staatlichen Regulierung betrieben werden und damit weniger Schutz für die Spieler bieten.

Branche zieht ins Internet

Online Casinos sind die Gewinner der Situation, denn viele Spieler sind bereits aus der lokalen Spielhallenwelt abgewandert und auf Onlineangebote ausgewichen. Allerdings muss fairerweise gesagt werden, dass es auch hier einige Änderungen für Gambler und Betreiber gibt.

Wer sich heute online zum Glücksspiel registrieren möchte, muss sich per Video-Ident verifizieren. Dabei den Personalausweis in die Kamera halten und Daten abgleichen, dann gilt die Anmeldung als valide. Begrenzt ist auch die Summe der monatlichen Einzahlung, sie darf 1.000 Euro nicht überschreiten. Um das zu überprüfen, werden alle Spieler in einer zentralen Sperrdatei aufgeführt. Sind die 1.000 Euro erreicht, wird keine weitere Einzahlung im laufenden Monat möglich sein.

Änderungen gibt es auch im Bereich der Automatenspiele. So darf pro Runde nur noch 1,00 Euro gesetzt werden, wo Highroller zuvor 10,00 Euro und mehr einsetzen konnten. Streng kontrolliert wird auch die Laufzeit der einzelnen Automaten. Mindestens 5 Sekunden muss eine Umdrehung andauern, bevor die nächste Spielrunde gestartet wird. Für viele Gambler aber noch immer besser zu verkraften als der Verlust der Spielhalle vor Ort.

Denn auch die Online-Casinos wissen um ihre Stellung und erkennen natürlich die Chance, sich nun auf dem Markt zu etablieren. Angebote, benutzerfreundliche Websites, bestmögliche Spielgestaltung – es wird sich heute mehr Mühe denn je gegeben, den Spieler wirklich zufriedenzustellen.

Warum die Spielhallen ein Dorn im Auge sind

Was aber steckt hinter der Absicht, lokale Spielhallen fallenzulassen und ihnen die Existenzgrundlage zu rauben? In Berlin sind die Veränderungen bereits seit Jahren offensichtlich. Erst durften Glücksspielbetreiber keine Getränke mehr an die Gäste ausgeben, dann wurde die Anzahl der erlaubten Automaten reguliert. Politiker kommunizierten ganz offen, dass der Spielhallen-Besuch für den Kunden unangenehm werden solle.

Blick in die Zukunft

Der Glücksspielstaatsvertrag ist Fluch und Segen zugleich. Für die einen bedeutet er möglicherweise den Verlust der Existenz, für die anderen die Möglichkeit, die Umsätze florieren zu lassen.

Zwar ist an jeder Ecke von Übergangslösungen und Insellösungen zu hören, doch in der Praxis wird es für die Spielhalle vor Ort schwerer, die Existenz durch ausreichende Einnahmen zu sichern.

Welcher Betrieb aufgrund der Abstandsregelung geschlossen werden muss, ist nicht eindeutig festgelegt. Bekommt der länger existierende Betrieb den Vorzug? Geht es um die monatlichen Umsätze? Um das geschultere Personal? Nach Ablauf der noch geltenden Übergangsfrist ist es unklar, welche Spielhalle es treffen wird und welche nicht. Es kann davon ausgegangen werden, dass mehr als ein Gerichtsprozess stattfinden wird, denn die Schließung der Existenz wird nicht jeder Hallenbetreiber hinnehmen.  Es bleibt abzuwarten, wie Gerichte sich auf die kommende Klagewelle vorbereiten.

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