
Die Bundesnetzagentur hat in diesem 2023 bisher 7.799 Rufnummern abgeschaltet, die für Betrugsversuche eingesetzt wurden. Davon betrafen 5.898 Fälle den sogenannten Enkeltrick, bei denen die Kontaktaufnahme per SMS oder Messenger erfolgte.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur: „Auch nach 20 Jahren hat die Bekämpfung von Rufnummernmissbrauch nichts von ihrer Bedeutung verloren. Immer wieder tauchen neue Szenarien auf und wir gehen konsequent dagegen vor.“
Was ist der Enkeltrick?
Die Enkeltrick-Betrugsmasche ist eine raffinierte Methode, bei der Kriminelle seit einigen Jahren mit immer wieder neuen erfundenen Geschichten das Vertrauen älterer Menschen ausnutzen. Dabei haben es die Betrüger auf Geld oder andere Wertgegenstände abgesehen. Hier ist eine Beschreibung mit Beispielen zu der Vorgehensweise bei dieser perfiden Taktik:
Kontaktaufnahme und Vortäuschen einer familiären Beziehung
Die Betrüger nehmen telefonisch Kontakt zu ihren potenziellen Opfern auf. Sie geben sich dabei oft als nahe Verwandte aus, wie zum Beispiel als Enkel, Neffe oder Nichte. Sie verwenden dabei eine einfühlsame und besorgte Tonlage, um das Vertrauen der älteren Menschen zu gewinnen.
Beispiel: „Hallo Oma, erkennst du mich? Ich bin’s, dein Enkel Michael. Ich habe gerade eine schwierige Situation und brauche dringend finanzielle Unterstützung.“
Vorlegen einer Notlage
Die Betrüger erfinden eine Notlage, um das Opfer unter Druck zu setzen. Sie können von einem Unfall, einer medizinischen Behandlung, einem Autounfall oder anderen dringenden finanziellen Bedürfnissen sprechen. Diese Geschichten sollen Empathie und Angst beim Opfer auslösen.
Beispiel: „Oma, ich hatte einen Autounfall und brauche dringend Geld, um die Reparaturkosten zu bezahlen. Die Versicherung deckt das nicht ab, und ich stecke wirklich in Schwierigkeiten.“
Drängen zur Geheimhaltung
Die Betrüger bitten ihre Opfer oft darum, niemandem von der Situation zu erzählen. Sie argumentieren, dass es sich um eine private Angelegenheit handelt und niemand sonst involviert sein sollte. Dadurch wird verhindert, dass das Opfer Rat von anderen einholt.
Beispiel: „Oma, bitte sag niemandem etwas darüber. Es ist mir wirklich peinlich, und ich möchte nicht, dass die anderen in der Familie davon erfahren.“
Forderung nach Geldüberweisung oder Bargeld
Nachdem die Betrüger Vertrauen aufgebaut und eine emotionale Bindung hergestellt haben, fordern sie das Opfer auf, Geld zu überweisen oder Bargeld bereitzustellen. Sie drängen darauf, dass dies sofort geschehen muss, um die vermeintliche Notlage zu lösen.
Beispiel: „Könntest du bitte sofort 5.000 Euro überweisen? Das ist wirklich dringend, und ich habe keine andere Möglichkeit, an das Geld zu kommen.“
Übermittlung von Informationen für die Geldübergabe
Wenn das Opfer zustimmt, das Geld zu übergeben, geben die Betrüger Anweisungen, wie dies geschehen soll. Oft bitten sie darum, das Geld an einen Boten zu übergeben oder es an einem vereinbarten Ort zu deponieren. Dadurch können sie ihre wahre Identität verbergen und jegliche Spuren verwischen.
Beispiel: „Oma, ich schicke meinen Freund vorbei, um das Geld abzuholen. Gib ihm einfach das Bargeld, und er wird sich darum kümmern.“
Erst nachträgliche Aufklärung oder Entdeckung des Betrugs
Nachdem das Opfer das Geld übergeben hat, realisiert es oft erst später, dass es Opfer einer Betrugsmasche wurde. Dies kann zur Verzweiflung, Scham und finanziellen Verlusten führen. In einigen Fällen wird der Betrug jedoch rechtzeitig erkannt und die Polizei informiert.
Es ist entscheidend, dass ältere Menschen und ihre Angehörigen sich der Vorgehensweise des Enkeltricks bewusst sind und wachsam bleiben, um solche Betrügereien zu verhindern.
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