
Auch in einem gut gesicherten System finden schwarze Schafe meistens Schlupflöcher für ihre Aktivitäten. Und da eBay über einen großen und meist kaufwilligen Kundenstamm verfügt, liegt es nahe, dass auch dort immer wieder Betrüger den Versuch unternehmen, sich unrechtmäßig an dem Geld Anderer zu bereichern. Dabei handeln sie oft mit großem kriminellen Einfallsreichtum und schier unglaublicher Kaltschnäuzigkeit.
Ein 36-jähriger Empfänger des Arbeitslosengeld II aus Krefeld richtete diverse eMailadressen ein und verwendete die Namen kürzlich Verstorbener sowie aus der Kundedatei einer Videothek, um rund 100 Accounts bei eBay zu eröffnen. Da eBay bei Neuanmeldungen lediglich überprüft, ob die angegebenen Personen auch so bei der Schufa registriert sind, fiel dem Auktionshaus nicht auf, dass diese Accounts von nur einem Mann eröffnet worden waren. Für den Zugang ins Internet benutzte er nicht seinen eigenen Anschluss, sondern den von Nachbarn, ungeschützte WLAN-Netzwerke und Internet-Cafes. Um bei den potentiellen eBay-Käufern einen guten Eindruck zu machen, verwendete er die fingierten eBay-Accounts, um sie gegenseitig positiv zu bewerten. Dann stellte er Waren ein, deren Verkaufswert zwischen 30,- € und 1.000,- € lag, die aber nicht existierten.
Um den Erlös der Auktionen zu erhalten, verwendete er Bankkonten, deren Inhaber ihm gutherzig ihre Daten und teilweise sogar ihre EC-Karten zur Verfügung stellten. Denen hatte er nämlich gesagt, er wolle die Beträge nicht auf sein Konto überweisen lassen, weil das eine Kürzung seines Arbeitslosengeldes zur Folge habe. Regelmäßig prüfte er die Stände dieser Konten, eingegangene Überweisungen der eBay-Käufer hob er zeitnah ab. Von diesem Geld soll er gut gelebt haben, er sei braun gebrannt und stets gut gekleidet gewesen, sagte der Kriminaloberkommissar der Krefelder Polizei.
Insgesamt sollen mehr als 700 Kunden durch ihn geschädigt worden sein. Bei der Polizei wurden bisher 200 Anzeigen mit einem Schadenswert von etwa 25.000,- € erstattet, der tatsächliche Schaden soll sich jedoch auf etwa 80.000,- € belaufen. Der Mann befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft und er soll mindestens einen wissentlichen Komplizen gehabt haben. Er ist vorbestraft und wurde im April letzten Jahres aus einer dreijährigen Haftstrafe entlassen. Schon im folgenden November soll er begonnen haben, die fiktiven Accounts bei eBay zu eröffnen. Die Polizei hatte ihn in Bezug auf die Betrugsserie bereits seit mehreren Monaten in Verdacht, sie durchsuchte auch seine Wohnung und stellte belastendes Material sicher. Doch er setzte seine Betrügereien fort, bis er nun Anfang November diesen Jahres festgenommen wurde. Es wird von einer Flucht- und Verdunkelungsgefahr ausgegangen, zumal er Belastungszeugen mit Gewalt gedroht haben soll.
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