Second Life – Auszug aus der virtuellen Welt

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Das Internet birgt erstaunliche Dinge. Es ermöglicht denen, die darin verkehren, sich neu zu entdecken, nach Belieben neu zu erschaffen oder einfach die eigene Person zu verkörpern. Ein gutes Beispiel für diese weitreichenden Möglichkeiten ist Second Life. Diese virtuelle Welt besteht nüchtern gesehen lediglich aus einigen Servern und den Programmierungen der Mitwirkenden. Und doch ist Second Life tatsächlich eine virtuelle Welt, die eingebettet in die reale Welt existiert.

Der Nutzer lädt sich die kostenlose Zugangssoftware auf seinen Computer und kann damit sofort in die virtuelle Welt eintreten. Der Neuankömmling schafft sich in der dreidimensionalen Welt einen sogenannten Avatar, seine virtuelle Persönlichkeit. Die kann er nach seinem Belieben gestalten und auch immer wieder verändern. Ob rassige Blondine, muskulöser Jüngling, Exzentriker oder sogar Tiercharakter, in dem Second Life kann jeder alles sein.

Mit diesem Avatar kann der Nutzer die Welt des Second Life durchstreifen. Die Einwohner können sich unterhalten und interagieren. Die üblicherweise verwendete Sprache ist Englisch, jedoch haben sich etliche Gruppen gebildet, deren Mitglieder durch gemeinsame Interessen und ein internes Kommunikationssystem miteinander verbunden sind. In dem Second Life kann ähnlich wie in der realen Welt gehandelt und erbaut werden. Es gibt herrliche Villen, zauberhafte Gärten, mystische Plätze und sogar Nachbildungen großer Städte und bedeutender Orte der realen Welt.

Die Währung in dem Second Life heißt Linden Dollar und kann sowohl gegen reales Geld getauscht als auch eingewechselt werden. Sie ist also, wie vieles andere aus dem Second Life, in einen Kreislauf mit der realen Welt eingebunden. Ebenso können Gegenstände aus dem Second Life in der realen Welt, dem sogenannten First Life, ge- und verkauft werden. Zum Beispiel erhalten Interessenten ganze virtuelle Häuser bei eBay. Second Life geniesst bei eBay eine Sonderstellung, denn der Handel mit Gegenständen aus Online-Spielen wurde von eBay verboten. Weil eBay das Second Life jedoch nicht als Spiel wertet, können virtuelle Gegenstände aus dem Second Life bei eBay gehandelt werden.

Second Life, was soviel wie `Zweites Leben´ bedeutet, wurde von der in San Francisco ansässigen Software-Firma Linden Lab entwickelt und ist seit rund fünf Jahren online. Diese erstaunliche Welt entwickelte sich rasant und gilt als bedeutende 3D-Plattform. Rund 12 Millionen Nutzer schafften sich eine zweite Existenz in dem Second Life, manche sollen dort und dadurch auch in dem realen Leben, reich geworden sein. Institutionen sowie Unternehmen entdeckten das Second Life für sich. Sie errichteten Filialen in der virtuellen Welt. Dort möchten sie über sich informieren und werben, die Firmen verkaufen virtuellen Produkte oder testen die Resonanz auf neue Modelle. Ein bekanntes Beispiel ist der Sportausrüster Adidas. Er verkaufte in seiner Filiale in dem Second Life etwa 25.000 Paar (virtuelle) Sportschuhe.

Second Life ist tatsächlich ein großes Abenteuer, jedoch ist die Zeit für ein solch großes Vorhaben wie Second Life vielleicht noch nicht reif. Es liegt nicht immer an der niedrigen Bandbreite oder der zu leistungsschwachen Hardware des Nutzers, wenn er in dem Second Life technische Schwierigkeiten hat. Befinden sich zu viele Nutzer an einem Ort und somit auch auf einem der Server von Linden Lab, ist es den Avataren kaum noch möglich, zu agieren. Die Welt lädt nur zögerlich, die Grafik ruckelt, nichts geht mehr. Auch die Software, der sogenannte Client, den Linden Lab seinen Nutzern zur Verfügung stellt, hat Kritiker gefunden. Zu instabil, zu anfällig sei die Software, die häufigen Updates unterworfen ist. Auch andere Probleme, wie steigende Kriminalität in der virtuellen Welt, mangelnde Haftung für die virtuellen Eigentümer und mangelnde Weiterentwicklung seitens der Betreiber sorgen im Endeffekt dafür, dass die Benutzerzahlen rückläufig sind.

Als Resonanz auf die sinkenden Besucherzahlen schließen manche Unternehmen ihre Filialen in dem Second Life. BMW, Mercedes Benz, Reebok, Adidas, der Discounter Plus, T-Com und Sony Ericsson sind nur einige, die in dem Second Life eine Präsenz errichtet haben. Firmen wie der Sportausrüster Adidas, die Hotelkette Starwood und der Computerhersteller Dell entschieden sich jedoch inzwischen dafür, sich aus der virtuellen Welt zurück zu ziehen. Heute schließt auch die Deutsche Post ihre einzige virtuelle Postfiliale in dem Second Life, die dem Post Tower in Bonn nachempfunden war und erst im Mai letzten Jahres eröffnet worden war. Seitdem konnten von dort aus unter anderem Ansichtskarten aus der virtuellen in die reale Welt geschickt werden.

Dennoch zieht die Deutsche Post eine positive Bilanz. Alle Ziele seien erreicht worden, teilte das Unternehmen mit. Dazu gehöre unter anderem, die virtuelle Onlinewelt intensiv erforscht, eine innovative Form des Markenauftritts erprobt und die Marke Deutsche Post auf neue Weise erfahrbar gemacht zu haben. Auch weiterhin werde sich die Deutsche Post intensiv mit der Entwicklung von 3D-Plattformen beschäftigen und sich wieder aktiv an ihrer Gestaltung beteiligen, jedoch erst wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen sei. Wann dieser Zeitpunkt für die Deutsche Post und auch für andere Unternehmen gekommen sein wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Weitere Informationen

Second Life – Offizielle Webseite auf Deutsch

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