Deutschland im digitalen Dauerstress – Viele wollen offline sein, schaffen es aber nicht

IU-Studie „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland

Das Smartphone liegt auf dem Tisch, eine neue Nachricht ploppt auf – und der Blick wandert sofort aufs Display. Für viele Menschen in Deutschland ist dieser Reflex längst Alltag geworden. Eine aktuelle Studie der IU Internationale Hochschule zeigt jetzt, wie stark digitale Dauererreichbarkeit den Alltag beeinflusst – und welche Folgen das für Konzentration, Schlaf und mentale Gesundheit haben kann.

Laut der repräsentativen Studie „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland“ greifen 81 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Stunde zu Smartphone, Tablet oder Laptop – selbst dann, wenn keine Benachrichtigung eingegangen ist. Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten bei jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren: Hier liegt der Anteil sogar bei über 90 Prozent.

Viele fühlen sich dauerhaft „auf Empfang“

Die Untersuchung zeichnet das Bild einer Gesellschaft im permanenten Bereitschaftsmodus. Rund 44 Prozent der Befragten geben an, gedanklich ständig „auf Empfang“ zu sein. Fast die Hälfte fühlt sich im Kopf angespannt, obwohl eigentlich Ruhe oder Erholung möglich wäre.

Hinzu kommt der soziale Druck, schnell reagieren zu müssen. Mehr als die Hälfte der Befragten hat das Gefühl, zeitnah auf digitale Nachrichten antworten zu müssen. Besonders im Berufsleben verschwimmen dabei häufig die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit: Rund ein Drittel der Arbeitnehmenden fühlt sich verpflichtet, auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein.

Ergebnis der StudieAnteil
Checken digitale Geräte mindestens stündlich81,0 %
Wollen häufiger offline sein56,0 %
Fühlen sich gedanklich ständig „auf Empfang“44,2 %
Fühlen sich von Informationsflut überfordert44,3 %
Arbeitnehmende mit Druck zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit32,9 %
Häufige emotionale oder mentale Erschöpfung32,0 %

Schlafprobleme und mentale Erschöpfung nehmen zu

Die digitale Dauerbelastung bleibt offenbar nicht ohne Folgen. Rund ein Drittel der Befragten berichtet laut Studie von häufiger emotionaler oder mentaler Erschöpfung. Ebenso viele kämpfen regelmäßig mit Ein- oder Durchschlafproblemen. Frauen sind dabei besonders betroffen.

Auch die Konzentration leidet unter ständigen Unterbrechungen. Viele Befragte berichten, nach digitalen Nachrichten schnell den Faden zu verlieren oder sich von der Menge an Informationen überfordert zu fühlen. Gleichzeitig zeigt die Studie einen deutlichen Widerspruch: Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland würde gerne häufiger offline sein – schafft dies im Alltag jedoch kaum.

Die Forschenden sehen darin kein individuelles Problem einzelner Nutzerinnen und Nutzer, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung. Push-Benachrichtigungen, soziale Erwartungen und permanente digitale Verfügbarkeit würden den Druck zusätzlich verstärken. Besonders häufig genannte Gegenmaßnahmen sind:

Für die Studie wurden Anfang 2026 insgesamt 2000 Menschen zwischen 16 und 65 Jahren in Deutschland befragt.

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