Kriminalstatistik – Cyberkriminalität wächst rasant

Kriminalstatistik - Cyberkriminalität wächst rasant

Der aktuell vom Bundesinnenministerium vorgelegte Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 zeichnet ein sehr uneinheitliches Bild. In einigen Bereichen gehen die Fallzahlen erfreulicherweise zurück, in anderen steigen sie jedoch. Geradezu rasant wächst die gemeldete Zahl der Cyberkriminalität im engeren Sinn. Hier verzeichnete das Bundesinnenministerium im vergangenen Jahr einen Anstieg von knapp über 70.000 auf mehr als 107.000 Fälle. Das entspricht einer Wachstumsquote von über 50 Prozent. Erfreulich ist die ebenfalls gestiegene Aufklärungsquote. Diese klettert von 33,8 auf 37,7 Prozent.

Cyberkriminalität im Detail

Die Polizeiliche Kriminalstatistik nutzt dieses Jahr erstmals eine besondere Aufschlüsselung, die Zahlen gegenüber den Vorjahren schwerer vergleichbar macht. Dennoch lassen sich einige Schwerpunkte bei den als „Computerkriminalität“ bezeichneten Verbrechen festmachen. Der Computerbetrug nach §263 StGB a und Betrug durch Informations- und Telekommunikationstechnik sind erstmals als solche erfasst und beinhalten überwiegend deckungsgleich den Großteil der Fallzahlen: jeweils ca. 80 Prozent. Darunter fallen unter anderem die meisten Formen von Phishing, finanziellen Betrug, DDoS-Angriffe usw. Zwar gibt es hier eine Aufklärungsquote von über 38 Prozent, allerdings ist die Dunkelziffer in diesem Bereich vermutlich sehr hoch, da kleine „Betrügereien“ erst gar nicht gemeldet werden. Gewachsen sind auch die Verbrechen durch Computersabotage um ca. 25 Prozent auf 4.422 Fälle sowie durch Ausspähen und Abfangen von Daten um 10,5 Prozent auf 10.638 Fälle. Auch hier gilt eine Dunkelziffer, zumal nicht alle Opfer sich des Verbrechens bewusst sein dürften.

Der Teufel steckt im Detail

Ebenfalls sind Straftaten hinzuzuzählen, die eine andere Stoßrichtung haben, aber über Computer oder Internet verübt werden. Dazu zählen beispielswiese (Cyber-) Mobbing, Hetze und andere Verbrechen. Insgesamt 253.290 Straftaten (+ 3,6 Prozent) erfassten die Behörden, bei denen das Internet eine wesentliche Rolle spielte. Darunter sehr viele Betrugs- und Warenbetrugsfälle. Eine zukünftige genauere Aufschlüsselung über die „Kategorisierungsgrenzen“ hinweg ist so schwierig wie wünschenswert.

Riesige Dunkelziffer bei Cyberkriminalität

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Andre Schulz, erklärte gegenüber der Welt, dass bis zu 90 Prozent der Fälle gar nicht angezeigt oder nicht erfasst werden. Daher spiegelt die Statistik wahrscheinlich nur einen Bruchteil der Cyberkriminalität wieder. Schätzungen zu Folge entsteht jedes Jahr ein Schaden im hohen Milliardenbereich. Gemessen an der vermuteten Dunkelziffer von 90 Prozent nicht gemeldeter oder erfasster Verbrechen liegt die gesamte Gesamtaufklärungsquote im niedrigen einstelligen Bereich. Das zeigt, warum das Internet und die Computer- bzw. Handykriminalität ein Tummelplatz für Kriminelle ist.

Weitere Informationen

Sicherheit im Internet
Kostenloses Antiviren-Programm

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Schnelles Internet - Wie weit hängt Deutschland beim Netzausbau zurück?

Schnelles Internet

Wie weit hängt Deutschland beim Netzausbau zurück?

Menschen in Deutschland haben inzwischen ein offizielles Recht auf schnelles Internet. Was das bedeutet und woran die Verzögerungen liegen, haben wir hier zusammengefasst. Vor allem in ländlichen Regionen gibt es nach wie vor Probleme, die nur stückweise angegangen werden. […]

Programmfehler „Acropalyse“ – Inhalte können wiederhergestellt werden

Programmfehler „Acropalyse“

Inhalte können wiederhergestellt werden

Screenshots, die mit dem Pixel-Tool Markup bearbeitet und zugeschnitten wurden, ließen sich aufgrund eines Bugs wieder vollständig herstellen. Mittlerweile ist die potenzielle Sicherheitslücke geschlossen – aber auch das Snipping-Tool von Microsoft weist ein entsprechendes Problem auf. […]

Abzocke mit „Amazon-Paletten“ – Verbraucherzentrale warnt vor Betrug

Abzocke mit „Amazon-Paletten“

Verbraucherzentrale warnt vor Betrug

Mit vermeintlichen Schnäppchen locken Betrüger arglose Verbraucher in eine Falle und ziehen ihnen das Geld aus der Tasche. Die Ware erhalten die Kunden nie. Die Verbraucherzentrale Sachsen warnt aktuell vor der Betrugsmasche mit angeblichen „Amazon-Paletten“. […]

Illegale Streaming-Plattform – Ermittlern gelingt Schlag gegen Streamzz

Illegale Streaming-Plattform

Ermittlern gelingt Schlag gegen Streamzz

Der Alliance for Creativity and Entertainment ist ein Schlag gegen die beliebte illegale Streaming-Plattform Streamzz gelungen. Die Ermittler konnten die Seite offline nehmen, auf der mehr als 75 000 Filme illegal angeboten wurden. Betrieben wurde die Plattform aus Deutschland. […]

Gerichtsurteil – Tastendruck-Abofalle im Festnetz ist rechtswidrig

Gerichtsurteil

Tastendruck-Abofalle im Festnetz ist rechtswidrig

Das Oberverwaltungsgericht NRW hat entschieden, dass ein Abo-Dienst, der über das Drücken einer Tastenkombination im Festnetz abgeschlossen wird, rechtswidrig ist. Grund ist ein Verstoß gegen die Preistransparenz und das Wettbewerbsgesetz sowie eine rechtswidrige Rufnummernnutzung. […]