Studie – Das sagen Betroffene zur Streichung des „Nebenkostenprivilegs“

Studie – das sagen Betroffene zur Streichung des „Nebenkostenprivilegs“

Am 16. Dezember letzten Jahres verabschiedete das Bundeskabinett den vom Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur vorgelegten Entwurf des Telekommunikations- Modernisierungsgesetzes. In den kommenden Wochen wird darüber im Bundestag entschieden. Doch die geplante Streichung des sogenannten „Nebenkostenprivilegs“ ist umstritten. Die Internetfernsehen- und Video-on-Demand-Plattform Zattoo hat nun Betroffene in einer online-repräsentativen Studie vom Marktforschungsunternehmen Kantar zu dem Thema befragen lassen.

Was ist das Nebenkostenprivileg?

Verfügt ein Mehrfamilienhaus über einen gemeinsamen Kabelanschluss, dürfen die Kabelgebühren bisher über die Nebenkosten abgerechnet werden. Über die Betriebskostenabrechnung dürfen die bislang also gleichmäßig auf alle Bewohner des Hauses verteilt werden. Dies bedeutet jedoch auch, dass auch Mieter, die den Kabelanschluss gar nicht nutzen, ebenfalls hierfür bezahlen müssen. Das Nebenkostenprivileg wurde in den 1980er Jahren eingeführt.

Was bedeutet die Abschaffung des Nebenkostenprivilegs?

Für Mieter bedeutet die geplante Streichung, dass sie in Zukunft ihre Fernsehempfangsart frei wählen können. Die Gebühren für den Kabelanschluss werden dann nämlich aus den Nebenkosten gestrichen. Ein Grund für die Abschaffung ist, dass die Regelung in Zeiten von beispielsweise Internet-Fernsehen nicht mehr zeitgemäß erscheint. Von der Streichung des Nebenkostenprivilegs wären deutschlandweit rund 12 Millionen Haushalte betroffen.

Verschiedene Meinungen zu der geplanten Streichung

Sowohl der Bundesrat als auch Branchen- und Mietverbände sowie Kabelnetzbetreiber sprachen sich gegen die geplante Abschaffung der Regelung aus. Begründet wird die kritische Haltung damit, dass Mieter so künftig deutlich mehr für einen Kabelanschluss sowie einen entsprechenden Fernsehempfang zahlen müssen. Verbraucherschützer und das Wirtschaftsministerium argumentieren hingegen damit, dass durch die Streichung des Nebenkostenprivilegs deutlich mehr Wettbewerb und Auswahlmöglichkeiten für Mieter entstehen. Aus diesem Grund befürworten sie die Streichung, denn darüber hinaus sei nicht mit höheren Kosten für die Mieter zu rechnen.

„In der Diskussion um das Nebenkostenprivileg argumentieren Politik, Verbände und Unternehmen zwar mit dem, was aus Ihrer Sicht für die Mieter am besten ist, umfangreiche Befragungen und Studien zu der Sicht der Mieter waren uns bisher jedoch nicht bekannt. (…) Deshalb wollten wir bei Zattoo herausfinden, was die Mieter selbst von einer möglichen Streichung der Umlagefähigkeit halten. (…)“ so Jörg Meyer, Chief Officer Content and Consumer bei Zattoo.

Was ergab die Umfrage im Auftrag der Zattoo?

An der Umfrage nahmen insgesamt 1 004 Internet-Nutzer im Alter zwischen 16 und 69 Jahren in Deutschland teil. Jeder Dritte davon gab an, seinen Kabelanschluss über die Nebenkosten zu bezahlen. Die Studie lieferte folgende Ergebnisse:

Würden die Befragten ihren Kabelanschluss kündigen?

  • 39 Prozent: würden den Kabelanschluss kündigen, wenn dieser nicht mehr Teil des Mietvertrags sei (entspricht 5 Millionen Haushalten)
  • 29 Prozent: sind noch unschlüssig
  • 32 Prozent: würden ihren Kabelanschluss weiterhin behalten

Wie viel geben die Betroffenen monatlich für den Kabelanschluss aus?

  • 37 Prozent: geben mehr als 10 Euro im Monat für den Kabelanschluss über die Nebenkosten aus
  • 31 Prozent: wissen nicht, wie viel sie monatlich für den Kabelanschluss über die Nebenkosten ausgeben
  • 32 Prozent: geben weniger als 10 Euro im Monat aus

Auf welche Alternative würden Personen setzen, die ihren Kabelanschluss kündigen würden?

  • 56 Prozent: würden auf das Internet als alternativen TV-Empfangsweg setzen
  • 21 Prozent: würden auf Satelliten-Fernsehen umsteigen
  • 13 Prozent: würden sich für DVB-T entscheiden

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Digitale Steuerbescheide ab 2026 – Papier nur auf Wunsch

Digitale Steuerbescheide ab 2026

Papier nur auf Wunsch

Ab 2026 werden Steuerbescheide in Deutschland in der Regel nur noch digital bereitgestellt. Papier gibt es nur auf Wunsch. Was bedeutet das für Bürgerinnen, Bürger und Kanzleien? Hier erfährst du verständlich, was sich ändert – und wie du dich vorbereitest. […]

Scheinbarer App-Zwang – congstar wegen Irreführung verurteilt

Scheinbarer App-Zwang 

 congstar wegen Irreführung verurteilt

Die Telekom-Tochter congstar behauptete, ihr Online-Kundencenter werde 2025 abgeschaltet – und drängte damit Kunden zum App-Download. Doch das stimmte gar nicht. Ein Gerichtsurteil deckt nun auf, wie weit der vermeintliche App-Zwang wirklich ging. […]

Urteil – Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Urteil 

 Sperrung von Social-Media-Kanälen eines Influencers

Das Oberlandesgericht Bamberg hat in seinem Urteil entschieden, dass die Sperrung mehrerer Social-Media-Kanäle eines Influencers durch eine Plattformbetreiberin nicht ohne Weiteres zulässig ist. Insbesondere stellte das Gericht fest, dass die bloße Weiternutzung eines weiteren Kanals keine automatisierte Umgehung der Sperrmaßnahme darstellt. […]

United Internet & 1&1 - Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet & 1&1

Marken, Produkte und Hintergründe zum Versatel-Verkauf

United Internet bündelt seine Telekommunikationsaktivitäten und verkauft die Netztochter 1&1 Versatel konzernintern an die 1&1 AG. Für Endkunden bleiben die bekannten Marken wie 1&1, IONOS, GMX oder WEB.DE bestehen. Der Artikel erklärt verständlich, welche Produkte die Unternehmen anbieten und was der mögliche Verkauf der Domain-Handelsplattform Sedo bedeutet. […]

Kritische Chrome-Lücke – Google veröffentlicht Notfall-Update

Kritische Chrome-Lücke

Google veröffentlicht Notfall-Update

Eine Chrome-Schwachstelle wurde aktiv von Cyberkriminellen ausgenutzt. Google hat mittlerweile ein Notfall-Update bereitgestellt, das dringend installiert werden sollte. Chrome-Nutzer müssen ihren Browser neu starten, um das Update zu aktivieren. […]