
Computer- und Videospiele gelten längst nicht mehr nur als Zeitvertreib. Aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass Gaming auch dabei helfen kann, Abstand vom Alltag zu gewinnen und Stress abzubauen. Eine neue australische Untersuchung zeigt diesen Effekt ausgerechnet bei einer Gruppe, die in der Gaming-Forschung bislang kaum im Mittelpunkt stand: Müttern.
Gaming ist in Deutschland längst ein Massenphänomen. Nach aktuellen Zahlen des Digitalverbands Bitkom spielen rund 39 Millionen Menschen ab 16 Jahren zumindest gelegentlich Computer- oder Videospiele. 40 Prozent der Gamer geben sogar an, mit Games zeitweise der Realität zu entfliehen. Das muss keineswegs negativ sein: Gerade diese zeitweise Distanz zum Alltag kann eine Möglichkeit sein, nach belastenden Situationen abzuschalten.
Australische Studie untersucht spielende Mütter
Wie das funktionieren kann, haben Forscherinnen in Australien genauer untersucht. Für eine im Sommer 2026 veröffentlichte Pilotstudie wurden 38 Mütter befragt, die selbst regelmäßig Computerspiele spielen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Gaming zur Erholung von den Belastungen des Familienalltags beitragen kann.
Die Ergebnisse sprechen dafür. Computerspiele ermöglichten den Teilnehmerinnen insbesondere, sich gedanklich von ihren alltäglichen Verpflichtungen zu lösen, sich zu entspannen und durch spielerische Herausforderungen Erfolgserlebnisse zu erfahren. Untersucht wurden dabei vier Faktoren, die in der Stressforschung zur Bewertung von Erholung herangezogen werden: psychologische Distanz zum belastenden Alltag, Entspannung, das Erlernen beziehungsweise Beherrschen neuer Fähigkeiten sowie das Gefühl, selbst Kontrolle über die eigene Freizeit zu haben. In drei dieser Bereiche zeigte Gaming positive Effekte. Gerade das vollständige Eintauchen in eine Spielwelt kann dabei eine Rolle spielen. Wer sich für eine begrenzte Zeit auf Aufgaben, Geschichten oder taktische Entscheidungen konzentriert, beschäftigt sich in diesem Moment weniger mit beruflichen Problemen, Hausarbeit oder anderen Verpflichtungen.
Was Gaming zur Erholung beitragen kann
| Faktor | Möglicher Effekt beim Gaming | Ergebnis der australischen Studie |
|---|---|---|
| Abstand vom Alltag | Konzentration auf Spielwelt und Aufgaben kann helfen, gedanklich von Verpflichtungen abzuschalten | 71 % gaben an, dass insbesondere das Spielen allein ihrer mentalen Gesundheit guttat |
| Entspannung | Spielen kann eine bewusste Auszeit vom beruflichen oder familiären Alltag schaffen | 89 % sagten, Gaming helfe ihnen beim Entspannen |
| Stressabbau | Die Beschäftigung mit dem Spiel kann kurzfristig belastende Gedanken in den Hintergrund rücken | 71 % fühlten sich nach dem Spielen weniger gestresst |
| Erfolgserlebnisse | Herausforderungen, Problemlösung und Spielfortschritte können das Kompetenzerleben fördern | Herausforderungen und Erfolge gehörten zu wichtigen Spielmotiven |
| Selbstbestimmte Freizeit | Die freie Entscheidung über die eigene Freizeit kann zur Erholung beitragen | Gerade hier gab es Einschränkungen durch Elternpflichten, Schuldgefühle und wenig flexible Spiele |
Wenn beim Spielen das schlechte Gewissen mitspielt
Die Untersuchung zeigt allerdings auch eine Besonderheit: Viele der befragten Mütter empfanden beim Spielen Schuldgefühle. Statt Gaming als legitime Freizeitgestaltung zu betrachten, hatten sie das Gefühl, ihre Zeit eigentlich für Kinder, Partnerschaft, Haushalt oder Beruf verwenden zu müssen. Damit wurde ausgerechnet der Faktor eingeschränkt, der für Erholung wichtig ist: das Gefühl, selbst über die eigene freie Zeit bestimmen zu können. Hinzu kommt ein praktisches Problem. Spiele mit langen, nicht unterbrechbaren Abschnitten passen schlecht zu einem Alltag, in dem jederzeit ein Kind Aufmerksamkeit benötigen kann. Die Forscherinnen sehen deshalb auch die Spieleentwickler in der Verantwortung. Flexible Speicherfunktionen und jederzeit pausierbare Spiele könnten die Nutzung erleichtern. Die Ergebnisse lassen sich aufgrund der kleinen Stichprobe von lediglich 38 Teilnehmerinnen allerdings nicht ohne Weiteres auf alle Eltern oder Gamer übertragen. Die Studie liefert vielmehr Hinweise darauf, welche Rolle Gaming bei der Stressbewältigung spielen kann.
Schon kurze Spielzeiten können entspannen
Dass Computerspiele grundsätzlich beim Stressabbau helfen können, ist keine völlig neue Erkenntnis. Eine systematische wissenschaftliche Übersichtsarbeit wertete bereits 28 Untersuchungen zum Einfluss handelsüblicher Videospiele auf Stress und Angst aus. Dabei zeigten sich positive Effekte bei unterschiedlichen Altersgruppen und keineswegs nur bei klassischen Casual Games.
Auch Action-, Adventure- und Bewegungsspiele konnten mit einer Verringerung von Stress oder Angst verbunden sein. Bemerkenswert: Teilweise reichten bereits einzelne kurze Spielphasen aus. Entscheidend scheint damit weniger ein bestimmtes Genre als vielmehr die Art zu sein, wie und in welcher Situation gespielt wird.
Gaming kann zudem unterschiedliche Bedürfnisse bedienen. Ein ruhiges Aufbau- oder Strategiespiel bietet andere Formen der Entspannung als ein schnelles Rennspiel oder ein Online-Titel mit Freunden. Wer sich über verschiedene Spielarten und Plattformen informiert, stößt im Netz neben klassischen Games-Portalen auch auf spezialisierte Vergleichsangebote wie RealMoneyCasinoRank. Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Glücksspiel und klassisches Gaming sind nicht gleichzusetzen und bergen unterschiedliche Risiken.
Gaming ist nicht automatisch gesund
Aus den positiven Befunden folgt allerdings nicht, dass möglichst viel Spielen besonders gut gegen Stress hilft. Entscheidend ist ein ausgewogenes Nutzungsverhalten. Problematisch kann Gaming werden, wenn andere Lebensbereiche dauerhaft vernachlässigt werden oder die Kontrolle über Dauer und Häufigkeit verloren geht.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt die sogenannte Gaming Disorder in der internationalen Klassifikation ICD-11. Kennzeichnend sind unter anderem eine eingeschränkte Kontrolle über das Spielen, eine zunehmende Priorisierung gegenüber anderen Aktivitäten und die Fortsetzung trotz negativer Folgen. Nach Angaben der WHO betrifft dies allerdings nur einen kleinen Teil der Menschen, die Computerspiele nutzen.
Zwischen „Gaming macht krank“ und „Gaming ist gesund“ liegt damit ein breites Spektrum. Computerspiele können eine Freizeitbeschäftigung sein, die Entspannung, soziale Kontakte, Erfolgserlebnisse und zeitweiligen Abstand von Belastungen ermöglicht. Sie können bei problematischer Nutzung aber ebenfalls zur Belastung werden.
Die australische Untersuchung liefert vor allem einen interessanten Perspektivwechsel: Nicht jede Stunde vor dem Bildschirm ist automatisch verlorene Zeit. Wenn Gaming bewusst als Freizeit genutzt wird und Beruf, Familie, Bewegung, Schlaf und soziale Kontakte nicht verdrängt, kann eine Runde am PC, Smartphone oder an der Konsole durchaus dabei helfen, den Kopf wieder freizubekommen.
Weiterführende Informationen
Eine systematische Übersicht über 28 Studien kommt zudem zu dem Ergebnis, dass verschiedene Arten kommerzieller Games Stress und Angst reduzieren können und teilweise bereits kurze Spielsitzungen Effekte zeigten.
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