Netzunabhängigkeit – wenn die eSIM kommt

Netzunabhängigkeit eSIM

Die embeddet SIM („eingebettete SIM“ – eSIM) kommt. Es scheint inzwischen festzustehen, dass die Hersteller und Mobilfunkanbieter sich auf einen neuen Standard geeinigt haben. Die SIM-Karte wird zukünftig durch eine fest eingebaute eSIM ersetzt. Lediglich einige Hersteller müssen noch mit ins Boot geholt werden. Vodafone hat derweil bereits erste eSIM-Geräte für das laufende Jahr angekündigt.

Die eSIM hat Vorteile und Nachteile. Insgesamt steht jedoch nichts weiter als eine richtungsweisende Revolution bei Geräten mit Mobilfunk- oder WLAN-Zugang an. Die Entwicklung begrüßt der Verband der Internetwirtschaft ECO. Denn speziell für das Internet der Dinge sieht der Verband einen enormen Fortschritt.

So funktioniert die eSIM

Die eSIM ist grundsätzlich nichts anderes als eine SIM-Karte, die jedoch fest verbaut ist. Müssen Nutzer heute bei einem Anbieterwechsel auch die Karte im Gerät austauschen, ist das zukünftig überflüssig. Ein Anbieterwechsel wird einfach per Mobilfunk auf die Karte „programmiert“. Damit ist es sehr viel einfacher, grenzüberschreitende Mobiltelefonie zu günstigen Preisen zu genießen oder den Anbieter zu wechseln. Handyverträge bleiben allerdings grundsätzlich erhalten. Der gemeinsame Standard von Mobilfunkanbietern und Herstellern ist auch als Gegenentwurf zur fest verbauten Universal-SIM von Apple zu verstehen. Auch Amazons Kindle basiert auf einer ähnlichen Lösung.

Vorteile der eSIM

Der Verband ECO sieht in der eSIM einen „Durchbruch für das weltweite mobile Internet„. Denn zukünftig können Nutzer direkt beim Einschalten eines neuen Geräts online gehen. Der aufwendige Vertragsabschluss sowie der Einbau einer SIM-Karte entfallen. Das Prinzip ist einfach: Einschalten, Anbieter wählen, Gerät nutzen. Karteneinbau und -wechsel entfallen. Dr. Bettina Horster, Direktorin Mobile im ECO, sieht de facto einen neuen Standard. Voraussetzung sei nur, dass sich die GSMA, in der die Anbieter vereinigt sind, mit Samsung und Apple einigen. Gelingt das, ändert sich das gesamte SIM-System. Ein besonderer Vorteil ist dabei die völlig neue Direktkommunikation von Geräten im Smart Home. Das reicht von der automatischen Beleuchtung über Mikrowellen bis hin zum eCall-System für Kraftfahrzeuge. Die M2M-Kommunikation (Maschine zu Maschine) wird deutlich vereinfacht und die Einbindung von Geräten in Heimnetze vorantreiben.

Nachteile der eSIM

Es gibt auch klare Nachteile. Denn wird die eSIM in ein Gerät fest verbaut, ist der Nutzer auf einen der darauf programmierten Mobilfunkanbieter festgelegt. Es wird nur schwer möglich sein, einen Exoten zu nutzen. So sind Nutzer am Ende darauf angewiesen, Geräte zu erwerben, die ihnen eine ausreichend große Wahlmöglichkeit lassen. Da aber Hersteller und Mobilfunkanbieter ihre Geschäftsmodelle auf die eSIM abstimmen werden, könnten diese einen Wechsel zu anderen Anbietern so unattraktiv wie möglich gestalten – auch abseits des Preises.

Ein weiterer Punkt ist, dass der Hersteller der eSIM-Karte wertvolle Daten über den Verbraucher sammeln kann. Dieser kann zum Beispiel festhalten, mit welchen Anbietern der Kunde das Gerät nutzt, wie sich das Verhalten ändert und wie der Lebenszyklus des Geräts optimiert werden kann. Es geht immerhin um insgesamt 25 Milliarden Geräte, die bis 2020 mit dem Internet der Dinge verbunden sein sollen. Ein großer Teil davon wird voraussichtlich mit der eSIM ausgestattet sein. Daher sind neue Geschäftsmodelle im Interesse der Hersteller und Anbieter, diese müssen dann aber nicht zwingend mit den Wünschen der Nutzer übereinstimmen.

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