
Jugendliche und Kinder werden in ihrer Identitätsbildung immer stärker durch soziale Netzwerke beeinflusst. Laut Forschern der Brock University ist es jedoch wenig effektiv, einfach die Mobiltelefone im Klassenzimmer zu verbieten. Denn die zugrunde liegenden Probleme werden durch das Verbot nicht gelöst.
Warum ist ein Handyverbot im Klassenzimmer wenig zielführend?
Die Forscherin Naomi Andrews weist darauf hin, dass die Konzentrationsschwierigkeiten von jungen Menschen, die durch entsprechende Handyverbote im Klassenzimmer beseitigt werden sollen, dadurch nicht gelöst werden. Denn die Vorschrift habe keinen Einfluss auf die Ursachen, die dem Problem zugrunde liegen:
„(…) wie psychische Probleme, Beziehungsprobleme mit Gleichaltrigen oder die Abhängigkeit von sozialen Medien. Ein einfaches Verbot von Mobiltelefonen wird nicht all diese Probleme lösen, ebenso wenig wie die Einführung von Strafen für Schüler, die sich nicht daran halten“, betont Andrews.
Zwar könne Cybermobbing in diesem Zeitraum eventuell etwas eingedämmt werden, allerdings weist die Forscherin darauf hin, dass Mobbing im Klassenzimmer weiterhin stattfinden könne. Es gäbe immer wieder Überschneidungen zwischen Cybermobbing und persönlichem Mobbing. Andrews weist außerdem darauf hin, dass die Kinder und Jugendlichen durch das Handyverbot während der Schulzeit, dennoch nach der Schule auch weiterhin Online-Mobbing betreiben können. Auch der enorme Einfluss auf die Identitätsbildung lasse sich durch das Verbot und Strafen nicht verhindern.
Wie werden Jugendliche in ihrer Identitätsbildung durch Social-Media beeinflusst?
Für die Bildung der eigenen Identität, die insbesondere im Jugendalter stattfindet, spielen verschiedene Einflüsse eine Rolle. Speziell der Umgang mit anderen Personen und Mitmenschen ist dabei essenziell. Heutzutage spielt sich das Leben vermehrt digital ab – vor allem Kinder und Teenager verbringen viel Zeit in der virtuellen Welt. Eine DAK-Studie ergab, dass in Deutschland 2,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen sogar die Kriterien einer Abhängigkeit von den sozialen Netzwerken erfüllen. Der zwischenmenschliche Umgang weicht in der Online-Welt jedoch von dem im wahren Leben ab. Dieser Faktor wiederum wirkt sich auf die Identitätsbildung der jungen Menschen aus. Teilweise können das wirkliche Ich und das digitale Ich, wie die Selbstdarstellung im Internet von Wissenschaftlern bezeichnet wird, sehr stark voneinander abweichen. Eine mögliche Folge hiervon sind Identitätsprobleme.
„Schulen sollten sichere Räume für Schüler schaffen, in denen sie darüber diskutieren können, wie sich die Nutzung sozialer Medien und von Mobiltelefonen mit ihrer sozialen Identität und ihrem Selbstwertgefühl überschneidet“, so Andrews Kollege David Hutchison.
Worauf sollte der Fokus gelegt werden?
Anstatt eines Verbots und drohenden Strafen bei Nichteinhaltung schlägt die Forscherin vor, stattdessen vermehrt auf die Förderung eines gesunden Beziehungsaufbaus zwischen den jungen Menschen zu setzen. Denn dies setze sich mit der Ursache der Konzentrationsprobleme auseinander. Dafür sei es wichtig, die Schüler und Schülerinnen beim Erwerb von grundlegenden Fähigkeiten zu unterstützen. Andrews nennt hierzu explizit die Kompetenzen:
- Sozial-emotionales Lernen
- Soziale Medienkompetenz
- Beziehungsfähigkeit
Sowohl Lehrer und Sozialdienstleister als auch die Eltern spielten eine entscheidende Rolle dabei, die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu unterstützen.
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