Schutzbrief24 – Hacker zerstören Handyversicherung

Schutzbrief24 – Hacker zerstören Handyversicherung

Viele Kundinnen und Kunden, die in der Vergangenheit eine Elektronikversicherung über Schutzbrief24 abgeschlossen haben, stehen aktuell vor einem Problem: Schadensmeldungen werden nicht mehr bearbeitet, und selbst die Kundenhotline ist faktisch nicht erreichbar. Das Unternehmen bot gegen Aufpreis Policen an, mit denen sich Smartphones, Laptops und andere Geräte gegen Schäden absichern ließen. Doch seit Monaten häufen sich die Beschwerden. Bewertungsplattformen sind voll von Klagen über schleppende Regulierung. Teilweise mussten Betroffene über ein Jahr auf Zahlungen warten – mit dem Hinweis, die „Buchhaltung habe technische Probleme“.

Webseite offline, Hotline bricht ab(/h2>
Die offizielle Webseite von Schutzbrief24 ist derzeit abgeschaltet. Statt Inhalten wird nur eine vorgeschaltete Infoseite angezeigt, auf der es heißt, die Seite sei wegen Wartungsarbeiten nicht erreichbar. Zwar wird dort eine Hotline genannt, doch nach einer kurzen Ansage wird die Verbindung getrennt.

Auch die Verbraucherzentrale Hamburg bestätigt zahlreiche Beschwerden von Versicherten. Viele warten nach gemeldeten Schäden bis heute auf Entschädigungsleistungen. Verbraucherschützer Christian Biernoth erklärt, dass Forderungen nicht abgeschrieben werden sollten. „Nach unserem Kenntnisstand ist in vielen Fällen das Unternehmen Getsafe der eigentliche Versicherer. Berechtigte Forderungen aus Schadensfällen müssten daher weiterhin reguliert werden.“ Betroffene sollten Ansprüche deshalb direkt beim Versicherer geltend machen und können sich zusätzlich an die Verbraucherzentrale wenden.

Hintergründe: Cyberangriff auf die Einhaus-Gruppe

Schutzbrief24 gehörte zur Einhaus-Gruppe mit Sitz in Hamm. Deren Produkte – darunter ein 24-Stunden-Reparatur- und Austauschdienst – wurden in über 5.000 Handy-Shops vertrieben, unter anderem in Kooperation mit der Telekom, Notebooksbilliger und 1&1. Zeitweise beschäftigte das Unternehmen 170 Mitarbeitende und setzte bis zu 70 Millionen Euro jährlich um.

Nach einem Bericht des Westfälischen Anzeigers traf die Unternehmensgruppe im Frühjahr 2023 ein schwerer Schlag: Hacker drangen ein, legten mit der Ransomware „Royal“ sämtliche Systeme lahm und forderten ein Lösegeld in Bitcoin. Geschäftsführer Wilhelm Einhaus berichtete, dass alle Vertrags-, Abrechnungs- und Kommunikationsdaten verschlüsselt waren. Trotz Einschaltung von Polizei und Landeskriminalamt blieb dem Unternehmen nur, ein hohes Lösegeld zu zahlen.

Die Folgen waren dramatisch. Über Monate war die Datenverarbeitung gestört, Abrechnungen liefen nur noch manuell, Erlösausfälle in Millionenhöhe folgten. Um Liquidität zu sichern, verkaufte die Gruppe ihre Betriebsimmobilie, löste Kapitalanlagen auf und baute Personal massiv ab – von mehr als 100 Beschäftigten auf nur noch acht. Besonders bitter: Von Ermittlern beschlagnahmte Kryptowerte in sechsstelliger Höhe wurden nicht an die Gruppe zurückgezahlt. Einhaus spricht von einem Schaden im mittleren siebenstelligen Bereich, der die Restrukturierung letztlich scheitern ließ.

Zwangslöschung angekündigt

Am 29. Juli 2025 kündigte das Registergericht die Löschung der Schutzbrief24 Verwaltungs- und Vertriebsgesellschaft von Amts wegen an. Damit ist klar: Kundinnen und Kunden müssen ihre Ansprüche direkt beim eigentlichen Versicherer geltend machen – andernfalls droht ihnen der vollständige Verlust.

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