Entscheidung des BGH – Autocomplete-Funktion von Google

Bundesgerichtshof entschied über Haftung durch Google für Autocomplete-Ergebnisse

Die Autocomplete-Funktion ist eine Suchwortergänzung der Suchmaschine Google. Gibt ein Nutzer in das Suchfeld einen Begriff ein, werden ihm dazu Suchvorschläge angezeigt. Welche Worte die Autocomplete-Funktion anbietet, ist von einem durch Google entwickelten Algorithmus abhängig. Unter anderem wird dafür die Anzahl der von anderen Nutzern eingegebenen Begriffe einbezogen.

Ein Unternehmen hatte gegen Google geklagt, weil die Autocomplete-Funktion seinen Namen in Verbindung mit den Begriffen „Scientology“ und „Betrug“ anzeigte. Die Aktiengesellschaft vertreibt im Internet Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika und behauptete, es bestehe kein Zusammenhang zwischen ihr und Scientology. Auch sei ihr kein Betrug vorzuwerfen. Aus keinem der Google-Suchergebnisse sei eine solche Verbindung ersichtlich. Der Kläger sah sich in seinem Persönlichkeitsrecht und dem geschäftlichen Ansehen verletzt. Er verlangte, dass Google die entsprechenden Suchvorschläge entfernt.

Das Landgericht Köln (28 O 116/11) und das Oberlandesgericht Köln (15 U 199/11) wiesen die Klage des Unternehmens ab. (telespiegel-News vom 18.10.2012) In der Revision entschied der Bundesgerichtshof nun jedoch für die Firma. Die Autocomplete-Funktion von Google kann, wie in diesem Fall, die Persönlichkeitsrechte Dritter verletzen, erklärte der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs. Jedoch hafte der Suchmaschinenbetreiber nicht automatisch für jede Persönlichkeitsrechtsbeeinträchtigung durch Suchvorschläge. Erst wenn er Kenntnis von der rechtswidrigen Verletzung des Persönlichkeitsrechts erlangt habe, sei er dafür verantwortlich. Weist ihn ein Betroffener auf die rechtswidrige Verletzung seines Persönlichkeitsrechts hin, sei der Suchmaschinenbetreiber verpflichtet, zukünftig derartige Verletzungen zu verhindern. Der Fall wurde an das Oberlandesgericht Köln zurückgewiesen.

Bundesgerichtshof, Aktenzeichen VI ZR 269/12 vom 14.05.2013

Weitere Informationen

Gerichtsurteile Internet

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Laden von E-Autos brachte Geld – wie kommt es zu negativen Strompreisen

Laden von E-Autos brachte Geld

Wie kommt es zu negativen Strompreisen

Der vergangene Sonntag war so sonnig, dass die Photovoltaik mehr Strom lieferte, als gebraucht wurde. Es kam zu negativen Strompreisen. Insbesondere Haushalte mit dynamischen Tarifen konnten von dieser Situation profitieren. […]

Angriffswelle beim Messenger Signal – Politiker und Co. betroffen

Angriffswelle beim Messenger Signal

Politiker und Co. betroffen

Eine neue Angriffswelle auf den Messenger Signal betrifft unter anderem Politiker und andere sensible Berufsgruppen. Sicherheitsbehörden warnen vor möglicher Spionage durch staatlich gesteuerte Hacker und raten dringend zu verstärkten Schutzmaßnahmen. […]

Patientenakte

Wie komme ich zur elektronischen Patientenakte

Wie sicher ist sie?

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist für Millionen Menschen längst angelegt – doch viele nutzen sie noch nicht aktiv. Wie Sie Zugriff erhalten, welche Vorteile das bringt und worauf Sie beim Datenschutz achten sollten. […]

Gerichtsurteil zum Rundfunkbeitrag – kein Verstoß gegen die Verfassung

Gerichtsurteil zum Rundfunkbeitrag

Kein Verstoß gegen die Verfassung

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg weist eine Klage gegen den Rundfunkbeitrag ab. Trotz Kritik an angeblicher Einseitigkeit sieht das Gericht keine systemübergreifenden Defizite im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. […]