De-Mail – Auch Bundesdatenschutzbeauftragter äußert Sicherheitsbedenken

Sicherheitsbedenken bei De-Mail

Mit der De-Mail möchte die Bundesregierung ein Kommunikationsmittel zur rechtssicheren Übertragung von Dokumenten über das Internet schaffen (telespiegel-News vom 05.02.2009). Dabei handelt es sich technisch um einen Email-Dienst, der jedoch mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen ausgerüstet ist. Die Umsetzung erfolgt durch zertifizierte Diensteanbieter, wie derzeit United Internet und der Dt. Telekom. Von den Anbietern verlangt die Bundesregierung die Umsetzung der technischen Vorgaben, die für die gewünschte Zuverlässigkeit, Vertraulichkeit und Rechtssicherheit sorgen sollen.

Experten hatten jedoch ernsthafte Bedenken bezüglich der Sicherheit der De-Mail geäußert. Der Online-Brief habe Sicherheitslücken, kritisierte beispielsweise der IT-Experte der Bundesrechtsanwaltskammer, Thomas Lapp. Auf dem Weg durch das Internet sei der Online-Brief nicht durchgängig verschlüsselt. Auf dem Server der Anbieter werde er aus technischen Gründen entschlüsselt und dann wieder verschlüsselt, bevor er an den Empfänger weitergeleitet wird. In diesem Moment sei es möglich, dass sich Dritte Einblick verschaffen.

Die Entschlüsselung erfolge lediglich für den Bruchteil einer Sekunde, entgegnen die Anbieter und das zudem auf Servern, die staatlich überprüften Sicherheitsstandards entsprächen und gegen Zugriffe von außen gesichert seien. Das System sei mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten abgestimmt, entgegnete auch GMX. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar äußerte sich jedoch in einer Stellungnahme seiner Behörde für die heutige Ausgabe der Berliner Zeitung ebenfalls besorgt. „Für den Bundesdatenschutzbeauftragten ist es von zentraler Bedeutung, dass die Kommunikation der Nutzer wirksam gegen die Kenntnisnahme Dritter geschützt wird. Es reicht daher nicht aus, dass nur die Diensteanbieter bei De-Mail untereinander verschlüsselt übertragen sollen„, heißt es darin.

In einigen Wochen soll im Bundestag über das von der Regierung entworfene De-Mail-Gesetz entschieden werden, das den Anbietern vorschreibt, welche Bedingungen sie für den Dienst zu erfüllen haben. Im Jahr 2011 wollen United Internet und die Dt. Telekom den De-Mail-Dienst starten. Die Marken der United Internet AG (Web.de, GMX) und die Deutsche Telekom bieten den Bürgern bereits die Vorabregistrierung für ein De-Mail-Postfach an.

Die Dt. Post hatte zunächst ebenfalls an dem Projekt gearbeitet, sich dann aber entschieden, mit dem E-Postbrief ein eigenes Produkt anzubieten, das bereits gestartet ist. (telespiegel-News vom 14.07.2010) Ihre Sicherheitsstandards seien höher als in dem Gesetzentwurf vorgesehen. Es würden keine Inhalte unverschlüsselt abgelegt, sagte der Sprecher der Post, Uwe Bensien.

Update vom 23.07.2010

Das Innenministerium hat die Zweifel an der Sicherheit der De-Mail zurückgewiesen. Es dürften nur Anbieter die De-Mail anbieten, die den Sicherheitsanforderungen entsprechen. Zudem sei das System in einem Pilotprojekt von Hackern in mehreren Versuchen nicht geknackt worden.

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