Ping-Anrufe – Tarifansage wird Pflicht

Bundesnetzagentur
Dienstgebäude der Bundesnetzagentur in Mainz

Ping-Anrufe sind nicht nur lästig und je nach Reaktion sehr teuer, sondern auch ein Massenbetrugsversuch. Bereits vor einigen Wochen warnte die Polizei vor den Anrufen, die nur ein Ziel haben: Dem Anrufer das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nun hat die Bundesnetzagentur die Reißleine gezogen. Die deutschen Mobilfunknetzanbieter müssen zukünftig eine Gebührenansage vorwegschalten, wenn Nutzer Nummern in bestimmten Ländern anwählen. Damit soll die Betrugsmasche eingedämmt werden.

Ping-Anrufe – das Massenproblem

Ping-Anrufe sind Anrufe mit ausländischer Nummer, bei denen das Telefon nur ganz kurz klingelt. Der Angerufene soll damit animiert werden zurückzurufen. Ist er neugierig, wählt er jedoch eine teure Servicenummer im Zielland. Der Anbieter bzw. Netzbetreiber rechnet den dabei anfallenden Betrag über die Telefonrechnung ab.

Es entsteht auf diese Weise eine enorme Einnahmequelle für Betrüger. Denn die Masche ist kein Einzelfall mehr. Laut Bundesnetzagentur gab es bis einschließlich September in diesem Jahr 15.000 Beschwerden über Ping-Anrufe. Im Oktober und November waren es zusammen bereits 50.000. Dabei handelt es sich nur um Teilenehmer, die den Weg über die Beschwerdemöglichkeit gehen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Gesamtzahl der Ping-Anrufe sehr viel höher ist. Wenn nur ein geringer Prozentsatz der Anrufer zurückruft, zocken die Betrüger damit erhebliche Summen ab.

Besonders trickreich: Die Ländervorwahlen wirken wie echte Ortsvorwahlen, da sie zum einen aus drei Ziffern nach der Doppelnull bestehen, die deutschen Ortsnetzen entsprechen, und zum anderen die die zweite Null schnell zu übersehen ist.

Mobilfunkanbieter müssen Tarifansage vorwegschalten

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärt: „Wir schützen Mobilfunkkunden vor den Folgen telefonischer Belästigung und schieben den Ping Anrufen einen Riegel vor. Mit der von uns angeordneten Preisansagepflicht machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell der Täter wirtschaftlich unattraktiv und schaffen Transparenz für den Verbraucher.“ Spätestens zum 15. Januar 2018 müssen daher die Mobilfunkanbieter für alle Rufnummern in 22 besonders betroffenen Staaten wie Tunesien, Sierra Leone, Serbien oder Bosnien-Herzegowina eine Tarifansage vorwegschalten. So haben die Anrufer die Chance, bei einem neugierigen Rückruf die Kosten vorab schätzen zu können.

Die betroffenen Auslandsvorwahlen sind: Albanien (00355), Benin (00229), Bosnien-Herzegowina (00387), Burundi (00257), Elfenbeinküste (00225), Guinea (00224), Jemen (00967), Liberia (00231), Madagaskar (00261), Malediven (00960), Mali (00223), Marokko (00212), Mazedonien (00389), Serbien (00381), Seychellen (00248), Sierra Leone (00232), Somalia (00252), Sudan (00249), Tansania (00255), Tschad (00235), Tunesien (00216), Uganda (00256) und das Global Mobile Satellite System (00881).

Die beste Reaktion auf einen Ping-Anruf ist, nicht zu reagieren. Denn wer zurückruft, verursacht nicht nur extreme Gebühren, sondern zeigt, dass seine Nummer aktiv ist. Die automatischen Wahlprogramme wählen dann die Nummer immer wieder und so wird aus einem einzelnen Ping-Anruf schlimmstenfalls Telefonterror.

Ping-Anrufe gibt es auch im Festnetz. Bislang gibt es hier jedoch keine verpflichtenden Gebührenansagen, mit Ausnahme bei Call by Call Anrufen. Festnetznutzer sollten daher bei Anrufen von unbekannten Nummern besonders vorsichtig sein.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


acht − 2 =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Phishing

Passworthack – 773 Millionen Accountdaten veröffentlicht

Eine riesige Datenmenge von 773 Millionen Zugangsdaten aus E-Mail-Adresse und Passwort - auch aus Deutschland - ist veröffentlicht worden. Alle Internetnutzer sollten ihre Accountdaten prüfen und bei Bedarf neue Passwörter... mehr
Vor den Kopf schlagen

Beschluss – Gigabit-Leitungen in Gebäuden sind zu drosseln

Die Frequenzen von Vectoring-Leitungen in Gebäuden sind nach Meinung der Bundesnetzagentur zu schützen. Dadurch müssen Glasfaseranbieter ihre leistungsstarken Leitungen jedoch drosseln. Der Bundesverband Breko protestiert ... mehr
falle

„Handyvertrags-Agenten“ – Polizei warnt vor Betrüger-Masche

Die Kriminalpolizei warnt vor der Betrüger-Masche „Handyvertrags-Agenten“. Den Opfern wird eine Provision versprochen, wenn sie einen Mobilfunkvertrag abschließen und den Tätern das Smartphone aushändigen. Tatsächlic... mehr
facebook

Facebook – Bundeskartellamt will Like-Button verbieten

Facebook erhebt massenhaft Daten über Plugins, die auf fremden Webseiten installiert sind. Das sieht das Bundeskartellamt als Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung an und fordert das Unternehmen auf, dieses zu unterlas... mehr
trojaner

Emotet – gefährlicher Trojaner wirkt harmlos

Der Trojaner Emotet richtet in Deutschland erhebliche Schäden an. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat mehrfach Warnungen veröffentlicht, da ganze Unternehmen lahmgelegt wurden. Er kommt als Anhang i... mehr
Paket

Ankaufsportale – Vorsicht, extrem niedrige Preise

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat Ankaufsportale getestet. Diese locken Kunden mit einfachen Abläufen und einem guten Preis. Die Realität sieht jedoch anders aus. Häufig zahlen die Anbieter nur Cent-Beträge ... mehr