Guthabenkarten: Praktisch beim Bezahlen – Aber auch bei Betrügern beliebt

Guthabenkarten: Vorteile, Nutzung und Betrugsgefahr

Guthaben- und Geschenkkarten hängen inzwischen an fast jeder Supermarktkasse. Apple, Google, Nintendo, Playstation, Streamingdienste oder Online-Shops lassen sich damit bezahlen, ohne für jeden Einkauf eine Kreditkarte oder Bankverbindung hinterlegen zu müssen. Das macht die Karten praktisch – ihre Funktionsweise macht sie allerdings auch für Betrüger interessant.

Was sind Guthabenkarten?

Das Prinzip ist einfach: Für einen bestimmten Betrag wird eine Karte oder ein digitaler Code gekauft. Dieser Code wird anschließend beim jeweiligen Anbieter eingelöst und der entsprechende Betrag einem Kundenkonto gutgeschrieben. Das Geld kann danach für Produkte oder Dienstleistungen des Anbieters verwendet werden. Anders als bei einer Kreditkarte wird dabei kein Kredit eingeräumt. Ausgegeben werden kann grundsätzlich nur das zuvor erworbene beziehungsweise aufgeladene Guthaben. Das erleichtert die Kostenkontrolle und ist beispielsweise für Jugendliche interessant.

Auch als Geschenk sind solche Karten beliebt. Wer nicht genau weiß, welches Spiel, welche App oder welchen Film jemand haben möchte, verschenkt stattdessen das entsprechende Guthaben.

Vom App-Store bis zum Gaming

Besonders verbreitet sind Guthabenkarten im digitalen Bereich. Apple- und Google-Guthaben kann beispielsweise für Apps und andere digitale Inhalte verwendet werden. Im Gaming-Bereich dienen entsprechende Karten unter anderem zum Kauf von Spielen, Zusatzinhalten oder anderen digitalen Angeboten.

Ein Beispiel sind Karten für den Nintendo eShop. Nintendo selbst bezeichnet seine eShop-Cards als Alternative zur Kreditkarte. Das aufgeladene Guthaben lässt sich im Nintendo eShop für Spiele und weitere digitale Inhalte einsetzen. Wer einen Nintendo-Switch-Gutschein kaufen möchte, findet solche Guthabencodes neben dem stationären Handel auch auf verschiedenen Online-Plattformen. Vor dem Kauf sollte allerdings geprüft werden, für welche Region und welchen Dienst der jeweilige Code bestimmt ist. Nintendo weist darauf hin, dass das eShop-Guthaben beispielsweise nicht automatisch im separaten Nintendo-Store verwendet werden kann.

Typische Einsatzmöglichkeiten im Überblick:

BereichTypische Verwendung
AppsApps, Spiele und digitale Zusatzinhalte
GamingSpiele, DLCs, In-Game-Inhalte und Abonnements
StreamingFilme, Serien, Musik oder Abonnements
MobilfunkPrepaid-Telefonie und mobiles Datenvolumen
Online-ShopsWaren und Dienstleistungen des jeweiligen Anbieters
GeschenkeGuthaben statt eines konkreten Produkts
KostenkontrolleFestes Budget ohne Kreditrahmen
DatenschutzBezahlen ohne Hinterlegung zusätzlicher Zahlungsdaten beim jeweiligen Kauf

Eignen sich Guthabenkarten für Geldtransfers ins Ausland?

Technisch lässt sich mit einer Guthabenkarte durchaus ein Wert über Ländergrenzen hinweg übertragen: Eine Person kauft beispielsweise in Deutschland einen digitalen Gutschein und schickt den Code an jemanden im Ausland. Der Empfänger kann das Guthaben anschließend verwenden – sofern Anbieter, Karte und Region dies zulassen.

Als Alternative zu einer klassischen Auslandsüberweisung eignen sich solche Karten jedoch nur eingeschränkt. Das Guthaben ist meist an einen bestimmten Anbieter gebunden und kann nicht einfach auf ein Bankkonto ausgezahlt oder für beliebige Zwecke verwendet werden. Hinzu kommen mögliche Preisaufschläge beim Kartenkauf sowie Länder- und Währungsbeschränkungen.

Die Annahme, dass eine normale Banküberweisung ins Ausland grundsätzlich teuer ist, stimmt zudem zumindest innerhalb der EU nicht. Banken dürfen für grenzüberschreitende Zahlungen in Euro innerhalb der EU nicht mehr verlangen als für eine entsprechende inländische Zahlung. Kosten können dagegen bei Währungsumrechnungen entstehen.

Auch bei PayPal hängt der Preis vom Ziel und von der Währung ab. Persönliche Inlandstransaktionen sind nach der derzeitigen deutschen Gebührenübersicht kostenlos, sofern keine Währungsumrechnung erforderlich ist. Für bestimmte persönliche internationale Zahlungen nennt PayPal dagegen 5 Prozent des Transaktionsbetrags, mindestens 0,99 Euro und höchstens 3,99 Euro. Zusätzliche Kosten können durch eine Währungsumrechnung entstehen.

Guthabenkarten sollten daher eher als Zahlungsmittel für einen bestimmten Anbieter und nicht als allgemeines Instrument für internationale Geldtransfers betrachtet werden.

Warum Betrüger Geschenkkarten mögen

Genau die unkomplizierte Weitergabe eines Codes ist gleichzeitig die größte Schwachstelle. Wer den Code besitzt, kann das Guthaben häufig sofort einlösen. Für Betrüger bedeutet das: Sie müssen weder Bargeld persönlich abholen noch dem Opfer eine klassische Bankverbindung nennen.

Wie hoch der Schaden werden kann, zeigt ein Fall aus Ludwigshafen. Eine 52-Jährige wurde nach Angaben des Polizeipräsidiums Rheinpfalz über WhatsApp von einer Person kontaktiert, die sich als Elon Musk ausgab. Mit einem angeblichen Gewinn brachte der Betrüger die Frau dazu, über einen längeren Zeitraum Apple-Geschenkkarten im Gesamtwert von rund 10.000 Euro zu kaufen und die Codes weiterzugeben. Später wurden sogar weitere 650 Euro verlangt. Diese zahlte die Frau nicht mehr.

Das Beispiel verdeutlicht einen entscheidenden Unterschied zum normalen Gebrauch: Wer eine Guthabenkarte verschenkt, übergibt die Karte oder den Code bewusst an eine bekannte Person. Wer von einem Fremden aufgefordert wird, Guthabencodes als „Zahlung“ zu schicken, sollte von einem Betrugsversuch ausgehen.

Woran lässt sich Geschenkkarten-Betrug erkennen?

Misstrauen ist insbesondere angebracht, wenn eine unbekannte Person oder ein vermeintlicher Mitarbeiter eines Unternehmens verlangt, kurzfristig Guthabenkarten zu kaufen. Noch deutlicher wird die Masche, wenn anschließend die Kartennummer beziehungsweise der freigerubbelte oder digital übermittelte Code verlangt wird.

Alarmzeichen sind vor allem ungewöhnliche Gewinnversprechen, angebliche Notfälle, hoher Zeitdruck oder die Behauptung, Gebühren, Rechnungen oder andere Forderungen müssten mit Gutscheincodes bezahlt werden. Auch vermeintliche Prominente, Freunde oder Familienmitglieder sollten nicht allein aufgrund eines Messenger-Profils als echt angesehen werden.

Die Polizei warnt regelmäßig vor entsprechenden Fällen. Ist ein Code bereits an einen Betrüger übermittelt und eingelöst worden, sind die Chancen auf eine Rückholung des Geldes häufig gering.

Was tun, wenn der Code bereits weitergegeben wurde?

Betroffene sollten möglichst schnell den Herausgeber der Karte beziehungsweise dessen Kundendienst kontaktieren. Wurde das Guthaben noch nicht eingelöst, besteht möglicherweise eine Chance, den Code sperren zu lassen. Kaufbelege, Karten, Nachrichten, Telefonnummern, E-Mails und Screenshots sollten aufbewahrt werden.

Außerdem sollte der Vorfall bei der Polizei angezeigt werden. Wurden zusätzlich Bank-, Kreditkarten- oder Zugangsdaten preisgegeben, sollten unverzüglich auch Bank oder Zahlungsdienstleister informiert und betroffene Passwörter geändert werden.

Guthabenkarten sind nicht grundsätzlich riskant

Die Betrugsfälle machen Guthabenkarten nicht zu einem unsicheren Zahlungsmittel. Werden sie beim vorgesehenen Anbieter eingelöst oder tatsächlich verschenkt, bieten sie sogar Vorteile: Die Ausgaben bleiben begrenzt, beim späteren Einkauf müssen nicht zwingend Zahlungsdaten eingegeben werden und der Empfänger kann selbst auswählen, wofür er das Guthaben verwendet.

Entscheidend ist deshalb weniger die Karte als die Frage, wer den Code erhält. Ein Guthabencode sollte ähnlich behandelt werden wie Bargeld: Wer ihn an einen Fremden weitergibt, gibt damit praktisch auch den darin gespeicherten Wert aus der Hand.

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