Stromkunden zahlen Milliarden zu viel – Warum sich ein Wechsel lohnt

Stromkunden zahlen Milliarden zu viel – warum sich ein Wechsel lohnt

Die jahrelange Treue von Kunden gegenüber ihrem Stromanbieter wird nicht belohnt. Statt von sinkenden Preisen zu profitieren, zahlen Bestandskunden deutlich mehr als Neukunden. Dennoch bleiben politische Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher in diesem Bereich aus. Daher ist es umso wichtiger, selbst aktiv zu werden und regelmäßig einen Stromvergleich durchzuführen.

Weshalb werden treue Stromkunden finanziell benachteiligt?

Eine Studie der RWTH Aachen machte schon vor einigen Monaten deutlich, dass die sogenannte „Treuestrafe“ Verbraucher jedes Jahr Milliarden Euro kostet. Allein im vergangenen Jahr zahlten Bestandskunden schätzungsweise 11 Milliarden Euro zu viel für ihren Strom. Diese Zahl zeigt, wie groß das Problem ist. Der Grund für diese Ungerechtigkeit liegt insbesondere in der unterschiedlichen Preisgestaltung der Stromanbieter. Neukunden werden mit attraktiven Angeboten und günstigen Konditionen gelockt, während die Bestandskunden in ihren häufig deutlich teureren Tarifen bleiben. Überdies werden die sinkenden Beschaffungskosten meist nicht an alle Kunden, sondern nur an neue Kunden weitergegeben. Neukunden profitieren, während langjährige Vertragskunden weiterhin hohe Preise bezahlen. Das führt dazu, dass Verbraucher, die ihren Tarif nicht regelmäßig überprüfen, möglicherweise jeden Monat unnötig draufzahlen.

Warum greift die Bundesregierung nicht ein?

Die Problematik ist auch innerhalb der Politik bekannt. Dennoch sieht die Bundesregierung bisher keinen Handlungsbedarf. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium begründet seine Haltung damit, dass unterschiedliche Tarife den Wettbewerb fördern und Verbraucher zum Anbieterwechsel bewegen würden.

„Die grundsätzliche Möglichkeit von Energieversorgern, besonders attraktive Konditionen nur für Neukunden anzubieten, fördert die Wechselbereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher und damit den Wettbewerb insgesamt und dämpft das durchschnittliche Preisniveau auf dem betroffenen Markt“, heißt es unter anderem in der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen.

Ebenso lehnt das Ministerium eine verpflichtende Offenlegung der Vertriebsmargen ab. Hierzu wird erklärt:

„Margen sind Teil der Preiskalkulation und zählen zu den Geschäftsgeheimnissen, an deren Geheimhaltung die Unternehmen ein berechtigtes Interesse haben.“

Weshalb bleiben viele Verbraucher in ihren teureren Verträgen?

Ein Anbieterwechsel ist grundsätzlich unkompliziert möglich, dennoch nutzen viele Stromkunden diese Möglichkeit nicht. Manche wissen schlichtweg nicht, dass sie deutlich mehr bezahlen als Neukunden. Andere scheuen den vermeintlichen Aufwand, verschiedene Angebote zu prüfen, Preise zu vergleichen und einen neuen Vertrag abzuschließen. Genau diese Zurückhaltung kann jedoch kostspielig werden. Denn aus der Studie geht hervor, dass Bestandskunden durchschnittlich rund 47 Prozent mehr als Kunden mit günstigeren Neukundentarifen bezahlen. Ein regelmäßiger Stromvergleich sollte deshalb nicht als lästige Formalität, sondern als eine wichtige Möglichkeit gesehen werden, die eigenen Haushaltskosten dauerhaft zu senken.

Worauf sollten Verbraucher beim Stromvergleich achten?

Wer nicht länger unnötig viel für Strom bezahlen will, sollte seinen aktuellen Vertrag überprüfen und verschiedenen Angeboten gegenüberstellen. Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Aktuelle Arbeitspreise prüfen: Wie viel kostet eine Kilowattstunde im bestehenden Tarif?
  • Grundpreise vergleichen: Auch monatliche Fixkosten können einen vermeintlich günstigen Tarif verteuern.
  • Verbrauch berücksichtigen: Der eigene Jahresverbrauch ist entscheidend für einen aussagekräftigen Vergleich.
  • Laufzeit kontrollieren: kurze Vertragslaufzeiten und überschaubare Kündigungsfristen bieten mehr Flexibilität.
  • Bonusangebote kritisch betrachten: Neukundenboni sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Tarif im zweiten Jahr deutlich teurer werden kann.
  • Regelmäßig vergleichen: Auch nach einem Wechsel lohnt es sich, die Preise mindestens einmal jährlich erneut zu prüfen.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Stromvergleich?

Die Bundesregierung hält die bestehenden Möglichkeiten zum Schutz der Verbraucher für ausreichend. Anders als bei Telekommunikationsunternehmen müssen Stromanbieter ihre Kunden zudem nicht einmal jährlich auf günstigere Tarife hinweisen. Eine entsprechende Verpflichtung ist auch künftig nicht vorgesehen. Andere europäische Länder gehen bereits einen Schritt weiter. In Großbritannien zum Beispiel legt die zuständige Regierungsbehörde alle drei Monate eine Preisobergrenze für Standardtarife fest. Verbraucher in Deutschland müssen hingegen selbst aktiv werden, wenn sie ihre Stromkosten reduzieren wollen. Umso wichtiger ist es, nicht einfach aus Gewohnheit beim bisherigen Anbieter zu bleiben. Ein Stromvergleich zeigt schnell, ob der aktuelle Tarif noch konkurrenzfähig ist oder ob sich ein Wechsel finanziell lohnt. Wer regelmäßig vergleicht, kann die sogenannte „Treuestrafe“ vermeiden und unter Umständen mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Aktuelle Nachrichten

Die neuesten Meldungen bei telespiegel