OECD – Deutschland, das Breitband-Entwicklungsland

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Deutschland ist eine der führenden Industrienationen. Es gibt eine hervorragende Infrastruktur, im Großen und Ganzen eine wirtschaftsfreundliche Politik und auch die Bürger können sich umfassend informieren. Soweit alles top. Wäre da nicht ein strukturelles Problem. Denn laut aktuellen OECD-Daten ist die Bundesrepublik weiterhin unter den 35 Mitgliedsstaaten Entwicklungsland in Sachen Glasfaseranschlüsse sowie deutlich hinter dem Durchschnitt beim mobilen Breitbandzugang ins Internet. Auf Dauer kann diese desolate Situation zu einem echten Standortnachteil werden, denn ein leistungsstarker Internetzugang ist nicht nur für die Menschen, sondern auch für Unternehmen von entscheidender Bedeutung.

OECD: mobile Breitbandzugänge in Deutschland nur bei 66,8 Prozent

Die reinen Zahlen (August 2016) belegen die schlechte Situation in Deutschland. So gibt es in Deutschland nur 54,5 Millionen Kunden von Tarifen, die einen mobilen Breitbandzugang ins Internet beinhalten. Damit verfügen statistisch nur 66,8 Prozent der Bevölkerung über einen schnellen Zugang ins mobile Netz. Berücksichtigt man Mehrfachverträge Einzelner, sinkt die absolute Zahl der Nutzer noch einmal.

Das klingt nach einer hohen Akzeptanz, ist aber ein schlechter Wert. Denn der Durchschnitt aller OECD-Länder liegt bei 90,3 Prozent. Die hohe Zahl ist aber ebenfalls durch Mehrfachnutzer zu erklären. Denn in einigen Ländern wie den führenden Nationen Japan, Finnland, Schweden, USA, Dänemark und Australien liegt dieser Wert deutlich über 100 Prozent. Japan schafft sogar 138,8 Prozent. Dennoch ist dieser etwa doppelt so hoch wie der prozentuale Anteil in Deutschland. Während auch Länder Estland, Island oder Tschechien bei mobilen Breitbandanschlüssen vor Deutschland liegen, bleiben immerhin Staaten wie Mexiko, Ungarn oder Griechenland hinter Deutschland zurück.

Hinweis: Bei den absoluten Zahlen liegt Deutschland aufgrund der Bevölkerungszahl im vorderen Feld der Länder. Ob die schlechte prozentuale Durchdringung mit mobilen Breitbandanschlüssen an mangelnder Verfügbarkeit oder an einer geringen Akzeptanz der Nutzer liegt, hat die OECD nicht erhoben. Die Definition des mobilen Breitbandzugangs beinhaltet eine Geschwindigkeit über (nur) 256 kBit/s. Zwar können die deutschen Anschlüsse in der Regel deutlich besser als der Durchschnitt der Länder sein. Da die Schwelle aber niedrig ist, ändert das nichts an der desolaten prozentualen Verbreitung schneller Mobilfunkzugänge ins Internet.

Bei Glasfaser ist Deutschland reines Entwicklungsland

Diese Daten sind bei der Verbreitung schneller Glasfaseranschlüsse noch deutlich katastrophaler. Hier ist Deutschland reines Entwicklungsland. Zwar baut die Telekom derzeit Vectoring aus, sodass die alten Kupfernetze beschleunigt werden und somit in Sachen Geschwindigkeit vorübergehend konkurrenzfähige Anschlüsse möglich sind. Bei modernen und leistungsstarken Glasfaseranschlüssen ist Deutschland in der OECD aber eines der Schlusslichter. Nur 0,6 Prozent der Deutschen sind direkt an ein solches zukunftssicheres Leitungsnetz angeschlossen. An dieser Zahl zeigt sich die ganze Fehlsteuerung des Breitbandausbaus in Deutschland.

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