eSIM – radikale Änderungen für Handynutzer kommen

eSIM - radikale Änderungen für Handynutzer

Eine SIM-Karte ist das Tor in den Mobilfunk. Ohne eine solche Chip-Karte funktioniert kein Handy. Auch der Internetzugang per WLAN-Stick oder Tablet ist ohne SIM-Karte nicht möglich. Bisher nutzt jeder Anbieter eine eigene SIM-Karte. Bei einem Vertragswechsel muss der Nutzer daher die Karte austauschen. Der Vorgang ist zwar grundsätzlich einfach, kann aber Tücken haben, denn das Gerät muss geöffnet und der Chip in die empfindliche Haltung eingesetzt werden. Das alles wird bald Geschichte sein, glaubt man den Ankündigungen der Telekom. Demnach arbeiten die Mobilfunkanbieter an einer eSIM. Die Abkürzung steht für „embetted SIM“, also eingebettet bzw. im Gerät fest verbaut. Ein Chipwechsel wäre damit überflüssig.

Was kann die eSIM?

Fest verbaut klingt zunächst negativ. Die eSIM hat aber Vorteile. Denn zukünftig ist bei einem Anbieterwechsel kein fummeliges Öffnen des Gerätes und Austauschen der alten SIM mehr erforderlich. Vielmehr können die Anbieter von außen über das Mobilfunknetz die für den Betrieb und die Abrechnung erforderlichen Daten einspielen. Dabei werden die entsprechenden alten technischen Daten automatisch gelöscht. Somit ist ein Anbieterwechsel abseits der Vertragsmodalitäten technisch mehr oder weniger per Knopfdruck möglich. Bei einer zunehmenden Anzahl von Geräten pro Haushalt eine enorme Erleichterung.

Damit das funktioniert, arbeiten große Mobilfunkanbieter der ganzen Welt an einem gemeinsamen offiziellen Standard. Dieser soll 2016 bereits in verbaute eSIM münden. Das System wird sich laut Erwartungshaltung der Telekom in den kommenden zwei Jahren durchsetzen. An der derzeitigen Entwicklung des offenen Standards arbeiten unter anderem die drei großen deutschen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica mit, womit eine tatsächliche Einführung in Deutschland zu erwarten ist.

Antwort auf Apples Universal-SIM

Das neue System lässt sich auch als gemeinsame Antwort auf die Universal-SIM von Apple verstehen. Denn der amerikanische Konzern verbaut in seinen neuen Geräten für den Markt in Nordamerika bereits Universal-SIM-Karten. Mit diesen können die Nutzer per Display zwischen Anbietern hin- und herschalten. Ein Grund für diese Karte ist die fehlende überregionale Reichweite vieler dortiger Anbieter. Das ist in Europa zwar anders, aber die Mobilfunkanbieter sehen eine Einführung der Apple-SIM mit Sorge. Denn die Abrechnung mit Apple-Nutzern würde nicht mehr über feste Handyverträge oder eigene Prepaid-Angebote funktionieren, sondern nur noch mit Apple als Mittler. Der Konzern könnte also die Preise mitbestimmen und einen Anteil an den Erlösen geltend machen. Die eSIM könnte zu diesem Verfahren im gewissen Umfang einen Gegenpol setzen. Denn setzt sich die eSIM in Europa oder darüber hinaus tatsächlich weltweit durch, hätte Apple eine technische Insellösung. Der Druck steigt, sich dem offenen Standard der eSIM anzuschließen.

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