Gaming Disorder – WHO stuft Spielsucht als Krankheit ein

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Glücksspielsucht kennt in Deutschland vermutlich fast jeder. Denn das Zocken bei Lotto, am Automaten und im Casino gilt seit Jahren als Krankheit. Das ist einer der Gründe, warum der Staat an seinem Glücksspielmonopol festhält und Lizenzen nur sehr restriktiv vergibt. Ein noch relativ neues Phänomen ist die Spielsucht im Sinne von Spielen am Computer, Smartphone und im Internet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat diese Form der Spielsucht nun als „Gaming Disorder“ in ihre Internationale Klassifizierung von Krankheiten (International Classification of Deseases) aufgenommen. Dort ist die Spielsucht nach der elften Überarbeitung des Verzeichnisses in ICD-11 eingruppiert.

Spielsucht – vom Daddeln zum Dauerzocken

Es ist verlockend. Mal eben eine kurze Spiele-App am Smartphone, ein bisschen Backgammon zocken oder Juwelen verbinden auf einem der bekannten Portale oder ein ausgiebiges Gaming bei einem der beliebten Online-Spiele wie World Of Warcraft oder The Elder Scrolls Online. Als kurze Entspannung zwischendurch oder als Abtauchen in eine riesige Fantasy-Welt. Spiele setzen ganz unterschiedliche Reize, sodass fast jeder Mensch ein Spiel findet, das er gerne ausprobiert und dann immer wieder spielen möchte. Immerhin sollen sich rund 34 Millionen Deutsche mit Computer- oder Videospielen beschäftigen. Vor dem Hintergrund der Altersverteilung ist das eine enorme Zahl.

Problematisch wird es, wenn Menschen über Stunden, Tage oder gar Wochen sich nicht vom Spielen lösen können. Es folgt ein Rückzug von sozialen Kontakten, das Vernachlässigen von Verpflichtungen und es kommt sogar zu Schlafstörungen, ungewöhnlichen Essverhalten und eine Dehydrierung durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr.

Pathologisch ist das Spielen laut WHO, wenn ein Mensch über wenigstens zwölf Monate ein auffälliges Verhalten zeigt. Eltern sollten insbesondere ein Auge auf Heranwachsende werfen, denn Jugendliche sind stärker gefährdet, sich vom Reiz des Daddelns nicht mehr lösen zu können. Experten vermuten, dass in Europa bis zu fünf Prozent der Jugendlichen ein Suchtverhalten zeigen. Allerdings warnen sie auch davor, Spieler generell als pathologisch einzustufen.

Tipp: Wer von sich glaubt, spielsüchtig zu sein, oder eine solche Störung bei einem Familienmitglied oder Freunden vermutet, kann sich an eine der regionalen Kontakt- und Beratungsstellen für Selbsthilfegruppen wenden, die überwiegend bei einem Wohlfahrtsverband angesiedelt sind. Dort geben Experten nützliche Tipps und Adressen von geeigneten Ansprechpartnern heraus.

Spielebranche läuft Sturm gegen Einstufung

Die Spielebranche läuft Sturm gegen die Einstufung. Laut gameswirtschaft.de hält der Games-Verband (USK) die Entscheidung für „sehr problematisch“, „falsch“ und „letztlich gefährlich“. Die Branche befürchtet demnach, dass Kinder und Jugendliche stigmatisiert werden könnten, weil ihre sich verändernde Medienrealität nicht verstanden wird. Allerdings ist das aus therapeutischer Sicht dünnes Eis. Denn diagnostiziert ein Mediziner oder Therapeut tatsächlich Spielsucht, ist die Einstufung der WHO die Voraussetzung, dass die Krankenkassen die Behandlungskosten übernehmen. In diesem Sinne ist die Entscheidung der WHO objektiv betrachtet ein Schritt in die richtige Richtung zur Behandlung Spielsüchtiger.

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