Videoüberwachung – intelligente Kameras in Mannheim

Videoüberwachung - intelligente Kameras in Mannheim

Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Dennoch gibt es für die meisten Menschen in Deutschland abseits von Home-Boxes wie Amazon Echo bisher wenig konkrete Anwendungen. In Mannheim ändert sich das gerade. Als Mittel der Polizeiarbeit und Beitrag zur Sicherheit werden in der Innenstadt Überwachungskameras mit künstlicher Intelligenz ausgestattet. Innenminister Thomas Strobl nennt diese Kombination „Pionierarbeit made in Baden-Württemberg“ und betont: „Mit der intelligenten Videoüberwachung bekämpft unsere Polizei die Kriminalität zukünftig noch effizienter.“

Mannheim: Was können die intelligenten Überwachungskameras?

Überwachungskameras im öffentlichen Raum nehmen üblicherweise 24 Stunden lang den Sichtraum auf. Die Aufnahmen werden für mehrere Tage gespeichert und bei Bedarf durchforsten Ermittler, ob zu einem Tatzeitpunkt eine verwertbare Aufnahme zu finden ist. Diese ist ein Beweismittel, das die Strafverfolgung unterstützt.

Das neue Modell in Mannheim ist anders. Die Kameras springen erst an, wenn die künstliche Intelligenz Auffälligkeiten registriert. Das heißt: Bei Armfuchteln, schnellen Bewegungen, Tritten oder hinfallenden Personen. Erst dann startet die Aufnahme und reduziert somit die Überwachung von allen anderen Passanten. Springt eine Kamera verhaltensbasiert an, entscheidet ein Beamter an den Bildschirmen, ob sich eine Situation für einen Eingriff ergibt. Mannheims Polizeipräsident Thomas Köber erhofft sich dadurch, „in den besonders kriminalitätsbelasteten Bereichen kritische Situationen bereits im Entstehen zu erkennen und schnell intervenieren zu können“.

Baden-Württemberg: Vorreiterrolle bei Überwachung mit intelligenten Kameras

Die Technik funktioniert nach ersten Aussagen von Polizei und Innenministerium sehr gut. Es handelt sich dennoch um einen Pilotversuch, dessen Ergebnisse auszuwerten sind. Die Kosten für die intelligenten Kameras sind jedoch immens. Die Stadt Mannheim finanziert das Sicherheitspaket mit 900.000 Euro, das Land Baden-Württemberg steuert 700.000 Euro bei. Diese Umsetzung der Überwachung des öffentlichen Raums mit derartiger künstlicher Intelligenz ist bisher einmalig in Europa. Zum Start am 3. Dezember 2018 hat die Stadt vorerst den Bahnhofsbereich mit dem neuen System ausgestattet. Weitere Innenstadtbereiche werden in den kommenden Wochen folgen.

Zwischen Sicherheit und non-konformem Auftreten

Künstliche Intelligenz hat da ihre Grenzen, wo Menschen sich nicht wie erwartet verhalten. Zwar reduziert diese Form der Überwachung den Eingriff in die Bürgerrechte. Zugleich entsteht jedoch eine Gefahr: Sobald sich ein Mensch nicht ruhig und erwartungsgemäß verhält, fällt er auf gerät er ins Visier der Ermittler – auch unbegründet. Das schafft möglicherweise neue Probleme für die Freiheit der Menschen, deren Tragweite noch nicht abzusehen ist. Solange ein Beamter am Monitor noch über die Notwendigkeit des Handelns entscheidet, bestimmt dieser über die Konsequenzen. Bei einer ausgereifteren Technik könnte der Faktor Mensch als Korrektiv jedoch entfallen und die künstliche Intelligenz für Fehlentscheidungen mit erheblichen Folgen sorgen.

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