
Ein plötzliches freundliches Gespräch an der eigenen Haustür kann unter Umständen schnell zu einer teuren Entscheidung führen. Aktuell verzeichnet die Verbraucherzentrale Berlin vermehrt Beschwerden über den Vertrieb von Glasfaserverträgen. Die Verbraucherschützer warnen vor irreführenden Aussagen und unnötigem Druck.
Weshalb werden Glasfaserverträge oft direkt an der Haustür angeboten?
Sobald neue Tarife oder Angebote auf den Markt kommen, setzen Strom- und Telekommunikationsunternehmen häufig auf Direktvermarkter. Diese werden von den jeweiligen Anbietern oder Subunternehmen beauftragt, Verträge direkt bei den Verbrauchern zu Hause abzuschließen. Zu den Unternehmen, die solche Vertriebsmitarbeiter einsetzen, gehört unter anderem die Ranger Marketing GmbH. Diese ist für verschiedene Telekommunikationsanbieter tätig, beispielsweise auch für die Telekom. Insbesondere Glasfaserverträge stehen derzeit im Fokus. Der Ausbau des Glasfasernetzes schreitet voran und immer mehr Haushalte erhalten Zugang zu der modernen Technik. Für die Vertriebsmitarbeiter lohnt sich der schnelle Abschluss, denn sie erhalten für vermittelte Verträge Provisionen.
Warum fühlen sich viele Verbraucher unter Druck gesetzt?
Die Verbraucherschützer sehen in den Haustürgeschäften ein Problem. Denn immer häufiger berichten Betroffene, dass sie sich an der Haustür überrumpelt oder nicht ausreichend informiert fühlten. Teilweise soll auch mit falschen oder irreführenden Aussagen gearbeitet worden sein.
„Verbraucher*innen berichten immer wieder von Situationen, in denen freundlich auftretende Vertriebsmitarbeitende mit irreführenden oder falschen Aussagen versuchen, sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. Dann möchten sie möglichst schnell einen Vertragsschluss herbeiführen, in einigen Fällen auch mithilfe von Druck“, erklärt die Juristin bei der Verbraucherzentrale Berlin, Josephine Frindte.
Welche Aussagen über Glasfaser sind problematisch?
Betroffene berichten zum Beispiel von der Behauptung, dass DSL bald abgeschafft werde und deshalb sofort ein Glasfaservertrag abgeschlossen werden sollte. Zum Teil soll sogar der Eindruck entstanden sein, ohne einen neuen Vertrag könnten die Verbraucher bald nicht mehr telefonieren, fernsehen oder das Internet nutzen. Ein Glasfaseranschluss bietet tatsächlich zahlreiche Vorteile. So ermöglicht die Technik hohe Geschwindigkeiten und stabile Verbindungen. Doch der Ausbau erfolgt schrittweise. Auch die Abschaltung des bisherigen DSL-Netzes steht zwar langfristig im Raum, aktuell gibt es dafür jedoch kein festes Datum. Zunächst sind weitere Ausbauphasen und eine Übergangszeit vorgesehen.
Wie können sich Verbraucher bestmöglich schützen?
Wer unangekündigten Besuch von einem Vertriebsmitarbeiter bekommt, muss nicht sofort eine Entscheidung treffen. Die Verbraucherschützer raten dazu, sich keinesfalls unter Druck setzen zu lassen und Verträge nicht vorschnell zu unterschreiben. Stattdessen sollten Konditionen, Laufzeit und Kosten in Ruhe geprüft und auch mit anderen Angeboten verglichen werden. Wer bereits einen Vertrag abgeschlossen hat, sollte außerdem die 14-tägige Widerrufsfrist beachten. Der Widerruf kann beispielsweise über den Widerrufsbutton auf der Website des Vertragspartners oder postalisch per Einschreiben erklärt werden. So bleibt nach einem überrumpelnden Haustürgeschäft noch die Möglichkeit, die Entscheidung rückgängig zu machen.
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